Ungarns Präsident Áder und Chinas Verteidigungsminister Wei bei einem Treffen im März.

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In wenigen Jahren könnte Ungarns Hauptstadt zum Standort einer chinesischen Kader-Universität im Inneren der EU werden. Geht es nach dem Willen des rechtspopulistischen Premiers Viktor Orbán, wird die Schanghaier Fudan-Universität im Jahr 2024 im Süden von Budapest eine auf rund 5000 Hörer und 500 Lehrkräfte angelegte Filiale eröffnen. Die Budapester Stadtverwaltung steht dem Megaprojekt ablehnend gegenüber.

Tatsächlich ist nicht klar, welchen Vorteil Ungarn und Budapest davon haben sollen, dass sich die Fudan-Uni im Ausland ausbreitet. Die immensen Kosten der Errichtung des Campus trägt der ungarische Steuerzahler. Die Baukosten in Höhe von schätzungsweise 540 Milliarden Forint (1,5 Milliarden Euro) bestreitet der ungarische Staat mithilfe eines Kredits der staatlichen chinesischen Entwicklungsbank, zu gängigen Marktkonditionen. Gebaut wird von chinesischen Firmen, die Baumaterial wie auch Arbeiter selbst mitbringen. Das Grundstück im Wert von 800 Millionen Forint (2,2 Millionen Euro) stellt Ungarn gratis zur Verfügung.

Lehre mit Tabus

Zwar gilt die Fudan-Universität mit Lehrgängen in internationalen Beziehungen und Wirtschaftsfächern als Einrichtung von internationalem Rang. Doch ist sie keine Institution, in der Lehre und Forschung Freiheit genießen. In ihren Statuten ist klar fixiert, dass Lehrer und Studenten dazu verpflichtet sind, den Bildungszielen der Kommunistischen Partei Chinas zu folgen und die "sozialistischen Grundwerte" zu respektieren.

Ungarische China-Experten rechnen nun nicht damit, dass Fudan Hungary zur Verbreitung der maoistischen Spielart der kommunistischen Lehre beitragen wird. Ideologische Indoktrination alten Stils wird gewiss nicht angestrebt. Doch zugleich sei klar, dass China eine Hochschuleinrichtung von nicht unbeträchtlichem Gewicht im Inneren Europas zu etablieren trachtet. Klar sei auch, dass auf einer solchen Universität Themen wie die Unterdrückung der Uiguren oder der Demokraten in Hongkong sowie die Menschenrechte tabu sei werden. Das ist naturgemäß ganz nach dem Geschmack des Autokraten Orbán. 2019 hatte er die bestens renommierte Central European University (CEU) nach Wien verjagt.

Blockade für Großprojekt

Zudem wird sich die Kader-Uni über ein Gebiet erstrecken, auf dem eigentlich Studentenheime hätten entstehen sollen – eines der wenigen Projekte, bei denen die Orbán-Regierung mit der seit Ende 2018 oppositionell geführten Budapester Stadtverwaltung Einvernehmen erzielt hatte.

Doch jetzt sieht es so aus, dass die Studentenstadt der chinesischen Uni weichen muss. Der links-grüne Budapester Oberbürgermeister Gergely Karácsony kündigte Widerstand an. "Zum Schaden von tausenden ungarischen Studenten will die Orbán-Regierung die wirtschaftspolitischen Interessen Chinas bedienen", schrieb er am Samstag in einer Mitteilung.

Schon zuvor hatte Karácsony damit gedroht, wegen der Uni ein anderes Prestigeprojekt Orbáns, den Bau eines Megastadions für die Leichtathletik-WM 2023, zu torpedieren. "Wir werden keinen Quadratmeter der Studentenstadt hergeben", bekräftigte er Samstag. (Gregor Mayer aus Budapest, 19.4.2021)