Dichte Rauchwolken über Kapstadt.

Foto: Reuters / Mike Hutchings

Ein Feuersturm am Fuß des Tafelbergs in Kapstadt hatte bereits am Sonntag auf die renommierte Universität der Stadt, die UCT, übergegriffen und mehrere Gebäude, darunter eine Bibliothek mit einmaligen historischen Schätzen, zerstört. 4.000 Studierende mussten ihre Wohnheime verlassen, weit über hundert Feuerwehrleute und drei Hubschrauber kamen zum Einsatz. Dennoch gelang es nicht, den Großbrand unter Kontrolle zu bringen. Am Montag breitete sich das Feuer in Richtung nahegelegener Wohnsiedlungen aus, hunderte Familien wurden evakuiert.

Weil der Wind im Lauf des Montags immer stärker wurde, konnten auch keine Hubschrauber mehr eingesetzt werden. Die Stadtverwaltung rechnet damit, dass das Feuer frühestens in drei Tagen unter Kontrolle gebracht werden kann.

Menschliche Opfer des Brandes waren bislang keine zu beklagen, außer dass vier verletzte Feuerwehrleute ärztlich behandelt werden mussten. Die Polizei nahm am Montagmorgen einen 34-jährigen Obdachlosen fest, dem sie vorwirft, den Brand mit seinem Lagerfeuer ausgelöst zu haben. An den Hängen des Tafelbergs übernachten vor allem im hiesigen Sommer zahlreiche Obdachlose in natürlichen Unterschlüpfen.

Zeugen sprechen von Brandstiftung

Einige Anwohner wollen allerdings mehrere Menschen gesehen haben, die das Feuer an verschiedenen Stellen absichtlich gelegt hätten. Der Brand wurde durch die in dieser Jahreszeit übliche Trockenheit – aber auch durch außergewöhnliche Temperaturen von bis zu 36 Grad – noch angefacht.

Das ganze Ausmaß des Schadens, den das Feuer in der fast 200 Jahre alten Kapstädter Universität angerichtet hat, steht zur Stunde noch nicht fest. Sicher ist lediglich, dass der Brand ein Restaurant am ehemaligen Denkmal des britischen Kolonialisten Cecil Rhodes zerstört sowie drei alte Universitätsgebäude beschädigt hat, darunter den Leseraum der historischen "Jagger-Bibliothek".

In dem Gebäude ist die "Africa Studies Collection" der Hochschule untergebracht, die einzigartige Dokumente, alte Bücher sowie Filmaufnahmen enthält. Glücklicherweise hätten sich die eisernen Rollläden zum Feuerschutz automatisch geschlossen, teilte die Bibliotheksdirektorin der Hochschule, Ujala Satgoor, über Twitter mit: "Auf diese Weise wurden unsere wichtigsten Schätze vermutlich gerettet." Dennoch sei vom Verlust zahlreicher wichtiger Sammlungen auszugehen, fügte Satgoor hinzu. Der wahre Schaden könne erst ermittelt werden, wenn das Gebäude abgesichert sei.

Feuer vorerst nicht unter Kontrolle

Zerstört wurde auch eine dem UCT-Campus nahegelegene historische Windmühle: Die Mostert's Mill war mit ihren 225 Lebensjahren die älteste noch funktionierende Windmühle Südafrikas. Im Laufe des Montags rückte das Feuer in Richtung des Stadtteils Vredehoek vor, angefacht vom zunehmenden Nordostwind, der schließlich auch den Einsatz von Hubschraubern unmöglich machte. Die inzwischen auf 250 Brandbekämpfer angewachsene Feuerwehrtruppe rechnete unter den gegebenen Windbedingungen nicht damit, den Brand in den nächsten zwei Tagen unter Kontrolle zu haben.

Brände kommen am Tafelberg und den ihn umgebenden Höhenzügen regelmäßig vor. In der Sommersaison des vergangenen Jahres wurden in der Region mehr als hundert Brände gemeldet. Das einmalige Feinbusch-Biotop am Kap der Guten Hoffnung besteht aus widerstandsfähigen kleinen Büschen, die mit fortgeschrittenem Alter immer trockener und härter werden. Gelegentliche Feuer schaffen dann wieder Platz für junge Pflanzen. Im aktuellen Fall brach der Brand jedoch in der Nähe eines einst künstlich angelegten Kiefernwäldchens aus. Die alten Bäume, die hier eigentlich gar nichts zu suchen haben, brannten wie Zunder.

Über 60 Prozent der Brände werden nach Angaben der Stadtverwaltung von Lagerfeuern verursacht. Diese zündeten meist die am Berghang campierenden Obdachlosen an – um zu kochen, etwas Licht zu haben oder sich gegebenenfalls zu wärmen. In 90 Prozent der Fälle seien die Brände spätestens nach 90 Minuten gelöscht, teilte die Stadtverwaltung ferner mit. Der jüngste Fall wird die Bilanz allerdings gründlich verhageln. (Johannes Dieterich, 19.4.2021)