Huawei könnte in den Niederlanden Telefonate von ehemaligen Ministerpräsidenten und Ministern abgehört oder mitgelesen haben.

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Der niederländische Telekommunikationsanbieter KPN soll in der Vergangenheit Huawei freien Zugang zu seinem Mobilfunknetz überlassen haben. Das berichten mehrere niederländische Medien unter Berufung auf einen internen Bericht aus dem Jahr 2010.

Enge Partnerschaft

KPN bezieht bereits seit 2009 die Technik des chinesischen Telekommunikationsausrüsters, Huawei stellte gleich sechs Mitarbeiter in der Zentrale des Unternehmens in Den Haag ab, berichtet "Golem". Um die potenziell damit einhergehenden Risiken zu analysieren, beauftragte KPN die IT-Consulting-Firma Capgemini. Diese kam zu einem fatalen Urteil: Denn die Huawei-Angestellten konnten unbegrenzt und ohne jegliche Kontrolle Mobilfunknummern abhören. Einerseits aus dem Hauptsitz des Anbieters, aber auch aus China. Unklar bleibt jedoch, ob und wie oft diese Zugriffsmöglichkeit genutzt wurde. Unter anderem hätten dabei allerdings auch Ministerpräsident Jan Peter Balkenende, verschiedene Minister und chinesische Dissidenten abgehört werden können. Huawei habe außerdem gewusst, welche Nummern von Polizei oder Geheimdiensten abgehört wurden.

Die Schlussfolgerungen erwiesen sich als so alarmierend, dass der interne Bericht geheim gehalten wurde. "Der Fortbestand von KPN Mobile ist ernsthaft gefährdet, da Genehmigungen widerrufen werden können oder die Regierung und Unternehmen ihr Vertrauen in KPN aufgeben können, wenn bekannt wird, dass die chinesische Regierung KPN-Mobiltelefonnummern belauschen und das Netzwerk schließen kann", findet sich im Bericht von "De Volkskrant".

Huawei und KPN dementieren

Auf der Grundlage des Capgemini-Berichts beschloss der Mobilfunker deshalb, die vollständige Wartung des mobilen Kernnetzwerks nicht mehr auszulagern. Bis heute erhält das Unternehmen mithilfe westlicher Zulieferer sein mobiles Kernnetz selbst.

Gegenüber "Golem" sagte Gert-Jan van Eck, Chief Operating Officer von Huawei Niederlande, außerdem: "Die Behauptung, dass der Premierminister von uns abgehört werden könnte, ist völlig unwahr und eine Unterschätzung der Sicherheit der Abhörumgebung. Es ist einfach nicht möglich." Auch KPN teilte mit, dass nie festgestellt worden sei, dass Huawei Kundendaten gestohlen oder angezapft hätte.

Huaweis Telekommunikationsinfrastruktur kommt auch in Österreich zum Einsatz, unter anderem hat das Unternehmen eine enge Partnerschaft mit A1. (red, 20.04.2021)