Die gute Nachricht zuerst: Rund drei Viertel der jungen Menschen sind zufrieden oder sehr zufrieden mit ihrem Leben. Dennoch schürt die Pandemie Unsicherheit, und die Zufriedenheit hat im Vergleich zur Zeit vor Corona nachgelassen. Das ist eines der Ergebnisse der Studie "Junge Deutsche/Schweizer:innen/Österreicher:innen 2021", die der Trend- und Jugendforscher Simon Schnetzer erstmals auch in Österreich durchgeführt hat. Die repräsentative Online-Umfrage will ein differenziertes Bild über die Lage und Bedürfnisse der jungen Generation bieten, 1.001 Personen in Österreich zwischen 14 und 39 Jahren haben teilgenommen.

Ein Aspekt, der laut den Studienautoren wesentlich zur Unzufriedenheit beitrage, ist, dass sich die Jungen von der Politik weder in ihren Interessen berücksichtigt fühlen, noch bei der konkreten Gestaltung ihrer Zukunft beteiligt werden. Am stärksten zeigt sich dies in Bezug auf die finanzielle Situation (26 Prozent), psychischen Gesundheit (21 Prozent) und Balance zwischen Arbeit oder Ausbildung und Freizeit (19 Prozent).

Hier zeigen sich Unterschiede zwischen den Altersgruppen: Im Vergleich zur Generation Z (Jahrgänge 1995 bis 2009) sind ältere Angehörige der Generation Y (Jahrgänge 1980 bis 1994) zufriedener mit ihrer schulisch-beruflichen Situation, mentalen Gesundheit und Work-Life-Balance. Die Generation Z blickt hingegen positiver auf die Zukunft und die Möglichkeiten, das Leben selbst zu gestalten.

Das Grundbedürfnis finanzielle Sicherheit bestimmt in Zeiten der Krise die Lebenssituation junger Menschen stärker.
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Finanzielle Sicherheit

Die wichtigsten Motivatoren bei der Arbeit sind Geld (43 Prozent), Spaß (38 Prozent), der Wunsch, etwas Sinnvolles zu tun, Leidenschaft und das Gefühl, gute Arbeit zu leisten (jeweils 29 Prozent). Wenig überraschend ist, dass finanzielle Sicherheit als Grundbedürfnis in Zeiten der Krise die Lebenssituation stärker bestimmt. Karriere zu machen ist für die Jungen als Wert nachrangig.

Was einen guten Arbeitsplatz ausmacht, hat sich jedoch durch die Corona-Pandemie kaum verändert: Die beiden wichtigsten Aspekte sind eine gute Arbeitsatmosphäre (68 Prozent) und eine gute Work-Life-Balance (57 Prozent). In Hinblick auf Generationenunterschiede ist den älteren Befragten ein gutes Verhältnis zu Vorgesetzten und den Jüngeren, das Gefühl, einer sinnvollen Tätigkeit nachzugehen, jeweils etwas wichtiger. Die Sicherheit des Arbeitsplatzes (54 Prozent) ist ein entscheidender Faktor für beide Gruppen. Obwohl sich die absolute Bedeutung der Arbeitsplatzsicherheit im Gegensatz zu den Vorjahren nicht verändert hat, steht sie heuer im Vergleich zu anderen Kriterien dennoch weiter oben auf der Liste.

Berufliche Orientierung

Und wie sieht der ideale Arbeitsplatz für die Jungen aus? Am liebsten arbeiten sie laut der Erhebung mit anderen Menschen zusammen (59 Prozent), vorzugsweise in einem Büro (42 Prozent) und in ihrer Heimat oder Region (38 Prozent) beziehungsweise an einem fixen Standort (30 Prozent). Für ihren Job entscheiden sie sich, weil er sicher ist und gute berufliche wie auch finanzielle Perspektiven bietet. Die berufliche Orientierung der Jungen an dem Wert Sicherheit könne als Trendwende zu dem Anspruch vieler Eltern gesehen werden, ihre Kindern entsprechend ihrer Wünsche und unabhängig von materiellen Perspektiven zu fördern.

In puncto Arbeitsplatz-Attraktivität zählen die Aspekte Heimat und Regionalität zu den großen Krisengewinnern. Die Studienautoren sehen darin eine Reaktion der Jungen, um in Zeiten der Unsicherheit berufliche Pläne umsetzen zu können und wieder mehr Kontrolle über das eigene Leben zu gewinnen. Die Bereitschaft, künftig überregional oder gar international zu arbeiten, ist bei der jüngeren Generation, die positiver in die Zukunft blickt, wesentlich höher. (Anika Dang, 22.4.2021)