Idriss Déby riss die Macht 1990 an sich, nun ist er gestorben.

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Der seit 31 Jahren amtierende und soeben wiedergewählte Präsident des zentralafrikanischen Staats Tschad ist bei einem Truppenbesuch an der Front ums Leben gekommen. Ein "Militärrat" tschadischer Generäle teilt am Dienstag im Staatsfernsehen mit, der 68-jährige Idriss Déby Itno habe "seinen letzten Atemzug bei der Verteidigung der Souveränität der Nation auf dem Schlachtfeld" getan.

Die tschadische Armee kämpft derzeit gleich gegen zwei Rebellentruppen, die am 11. April, dem Tag der Wahlen im Tschad, von Libyen aus in Richtung der Hauptstadt N'Djamena vorstießen. Die Regierung hatte am Samstag einen "vernichtenden Schlag" gegen eine der aufständischen Gruppen bekanntgegeben: Bei der Schlacht in der Nähe des 200 Kilometer nördlich N'Djamenas gelegenen Städtchens Mao sollen 300 Rebellen getötet und 150 gefangen genommen worden sein. Die Regierungstruppen hätten lediglich fünf Opfer zu beklagen, sagte ein Militärsprecher.

Sohn folgt Vater

Über die genaueren Umstände des Todes Débys wurde bislang nichts bekannt – auch der genaue Zeitpunkt und der Ort seines Todes wurden nicht genannt. Einem Bericht von "Africa Report" zufolge könnte die Rebellengruppe Front für Veränderung und Eintracht im Tschad (Fact) hinter dem Angriff stehen.

Als Nachfolger bestimmte der Militärrat, dem 14 ranghohe und als Déby-loyal bekannte Generäle angehören, den Sohn des Verstorbenen, Mahamat Idriss Déby: Der 37-jährige Viersternegeneral, der bisher die Eliteeinheit der tschadischen Streitkräfte geleitet hat, soll das Land bis zu den in 18 Monaten geplante Wahlen regieren. Die Verfassung des Tschad sieht im Fall des Ablebens des Präsidenten eigentlich die Nachfolge durch den Parlamentssprecher vor: Insofern handelt es sich bei der Ankündigung der Generäle um einen Staatsstreich.

Westliche Staatsbürger verlassen Tschad

Die Regierung und die Nationalversammlung seien bereits aufgelöst worden, verkündete der Militärrat. Anstelle der bisher gültigen Verfassung werde in Kürze eine nationale Übergangscharta verkündet. Zudem wurde eine 14-tägige Staatstrauer verhängt. Luft- und Landgrenzen wurden bis auf weiteres geschlossen, eine Ausgangssperre gilt zwischen 18.00 Uhr und 5.00 Uhr Ortszeit. Die Beisetzung Débys soll laut dem Protokollchef im Präsidialamt am Freitag in seinem Geburtsort Amdjarass im engen Familienkreise stattfinden. Zuvor würden ihm letzte Ehren in der Moschee der Hauptstadt erwiesen.

Über die aktuelle Lage im Tschad liegen widersprüchliche Berichte vor. Während die Regierung die Rebellen bei Mao vernichtend geschlagen haben will, sprach Mahamat Mahadi Ali, der Chef der Front für Wandel und Eintracht im Tschad, von einem "strategischen Rückzug" seiner Truppen. Die US-Botschaft im Tschad geht Berichten aus N'Djamena zufolge von einem weiteren Vormarsch der Rebellen aus: Inzwischen wurden alle Mitglieder der US-Vertretung außer Landes geflogen. Auch London und Berlin riefen ihre Staatsbürger zum Verlassen des Landes auf.

Paris betrauert "Freund"

Bei westlichen Regierungen gilt der Tschad als einer der wichtigsten afrikanischen Verbündeten im Kampf gegen extremistische Islamisten, gegen die tschadische Truppen sowohl in der Sahelzone wie am Tschadsee kämpfen. Kürzlich sicherte Präsident Déby Frankreich die Bereitstellung von 1.500 Soldaten zu: Sie sollen die 5.100 Soldaten der "Operation Barkhane" unterstützen.

Am Dienstagabend bestätigte Paris den Tod von Frankreichs "mutigem Freund" und "wichtigem Partner" in der Bekämpfung des islamistischen Terrorismus in der Sahel-Zone. Die neue Führung rief der Élysée-Palast zu einer raschen und friedlichen Rückkehr zur zivilen Ordnung auf.

Einen Tag vor der Bekanntgabe seines Todes wurde Déby am Montag zum Wahlsieger erklärt: Der Präsident soll bei der Abstimmung am 11. April fast 80 Prozent der Stimmen bekommen haben. Die Mehrzahl der Oppositionsparteien boykottierte den Urnengang allerdings. Der in Frankreich zum Hubschrauberpiloten ausgebildete Déby war vor 31 Jahren durch einen Putsch an die Macht gekommen. (red, Johannes Dieterich, 20.4.2021)