Der Kaiserpinguin ist der größte Pinguin und wird in der Roten Liste gefährdeter Arten als "potentiell gefährdet" eingestuft.

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Obwohl sie in – zumindest aus Sicht des Menschen – meist recht lebensfeindlichen Regionen zuhause sind, reagieren Pinguine auf Wetterunbillen bisweilen ziemlich empfindlich. Vor allem starker Regen kann dramatische Folgen für die Küken von Kaiser- und Adeliepinguine haben. Das Gefieder der Küken ist nämlich noch nicht wasserdicht, weshalb sie erfrieren können, wenn es wieder kälter wird. Daher ist es für diese flugunfähigen Vögel keine gute Nachricht, dass Regen und Nieselregen entlang den Küsten der Antarktis bis zum Ende des Jahrhunderts häufiger werden dürften, wie aus einer Untersuchung von Schweizer Wissenschaftern hervorgeht.

Mehr und heftiger

Laut der Studie der École Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL) werden die Anzahl der Tage sowie die Intensität der antarktischen Niederschläge deutlich zunehmen, insbesondere in Küstengebieten und auf Schelfeis. Diese Entwicklung könnte eine Bedrohung für die dort lebenden Pinguine darstellen, so Studienautor Alexis Berne. Auch das Abschmelzen der Gletscher könnte sich demnach beschleunigen, insbesondere auf dem Ronne-Filchner- und Ross-Schelfeis.

Ein vom Regen durchnässtes Adeliepinguinküken in einer Brutkolonie an der argentinischen Küste.
Foto: REUTERS/Dee Boersma

Um 240 Prozent mehr Regen

Für ihre im Fachmagazin "Geophysical Research Letters" präsentierte Studie analysierten die Wissenschafter meteorologische Berichte von zehn Stationen in der Antarktis. Demnach regnete oder nieselte es an der ostantarktischen Küste durchschnittlich etwa vier Tage im Jahr, im nordwestlichen Teil der Antarktischen Halbinsel an mehr als 50 Tagen.

Anhand von Klimasimulationen rechnen sie damit, dass Regen und Nieselregen bis zum Ende des Jahrhunderts durchschnittlich um 240 Prozent zunehmen könnten, wenn weiterhin hohe Treibhausgasmengen in die Atmosphäre gelangen. Die Forschenden erwarten, dass die Niederschläge auch neue Regionen des Kontinents betreffen werden.

Nicht nur die Häufigkeit, auch die Intensität der Regenereignisse in der Antarktis nimmt zu.
Foto: EPFL

Gutes Gehör

Aber nicht nur mehr Nässe, auch Geräusche können Pinguinen zu schaffen machen, was ihren guten Ohren geschuldet ist. Humboldtpinguine etwa seien an der Luft für bestimmte Frequenzen ähnlich sensibel wie Menschen, berichtet ein nun Forscherteam um Michael Dähne vom Deutschen Meeresmuseum in Stralsund. Bei dem Projekt untersuchten Wissenschafter das Hörvermögen von Pinguinen an Land sowie unter Wasser und analysierten die Hörorgane anhand von Computerscans von Pinguinschädeln aus der Sammlung des Naturkundemuseums Berlin.

Für Verhaltenstests wurden Tiere zum Teil aufwendig trainiert: So wurde in Stralsund vier Humboldtpinguinen beigebracht, in einer schalldichten Box stillzustehen und mit dem Schnabel eine bestimmte Fläche zu berühren, wenn sie einen Ton hörten. "Wir haben im Projekt nachgewiesen, dass Pinguine unter Wasser auf Schall reagieren", sagt Bioakustiker Dähne. Bei den Untersuchungen zur Hörschwelle unter Wasser sei man allerdings nicht so vorangekommen wie angestrebt. (red, APA, 24.4.2021)