Armin Laschet konnte sich durchsetzen, der CDU-Chef steht als Kanzlerkandidat im Zentrum der Unionskampagne.

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Jene Worte, auf die alle dann schon gewartet haben, fallen am Dienstag um 12.03 Uhr. In München tritt der bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder in der Parteizentrale vor ein Mikrofon und sagt: "Die Würfel sind gefallen. Armin Laschet wird Kanzlerkandidat der Union."

Er klingt in diesem Moment freundlich, fast schon demütig. Doch nur Sekunden darauf wird deutlich, dass er schon noch ein paar Giftpfeile im Köcher hat. Da zählt Söder nämlich lang und breit auf, wer ihn alles unterstützt hat: "Nahezu alle Ministerpräsidenten der CDU, die Jungen und Modernen, die auf Zukunft aus sind, die vielen, vielen Orts- und Kreisverbände der CDU." Das, sagt er, "hat mich gefreut, es hat mich bewegt und etliches auch gerührt".

"Kandidat der Herzen"

Doch die CDU hat dann bekanntlich eine andere Wahl getroffen. "Wir akzeptieren es. Ich respektiere es", betont Söder, und sein neben ihm stehender Generalsekretär Markus Blume schaut nicht besonders glücklich drein. Später preist er seinen Chef – also Söder – noch als jenen, der "erkennbar der Kandidat der Herzen war".

Sie tun sich sichtbar nicht leicht in München, aber nach den Ereignissen des Montags blieb Söder gar nichts anderes übrig. Er werde weichen, wenn sich in der CDU eine "breite" Mehrheit für Laschet finde, hatte Söder am Montag noch einmal betont. Daraufhin berief Laschet für den Montagabend eine virtuelle Sitzung des CDU-Vorstands ein.

Hoch her ist es bei dieser gegangen, 60 Wortmeldungen wurden verzeichnet. Laschet musste sich einiges anhören an Kritik und an Zustimmung für den Rivalen Söder: dass dieser so gute Umfragewerte habe und bei der Basis punkte.

Laschet verlangte Abstimmung

Als besonders überraschend wurde der Beitrag von Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) gewertet, der ein Vertrauter von Kanzlerin Angela Merkel ist. Dieser sagte laut Bild: "Wenn wir in die Basis reinhören, ist es anders ausgegangen, als wir vielleicht dachten." Und dass die deutliche Unterstützung im CDU-Teil der Bundestagsfraktion für Söder "viele überrascht" habe.

Laschet ließ sie alle reden und kritisieren, und dann verlangte er eine Abstimmung. Eine solche war vor einer Woche, beim ersten Treffen der CDU-Granden, noch nicht erfolgt. Das Resultat: 31 Stimmen für Laschet, neun für Söder, sechs Enthaltungen. Damit war aus CDU-Sicht klar: Laschet wird’s.

Doch es galt noch das Wort Söders in München abzuwarten. Spekuliert wurde zunächst, dass er das Votum womöglich nicht akzeptieren könnte, weil ihm die Unterstützung für Laschet nicht "breit" genug sei. Doch dies war dann nicht der Fall. Als Söder vor die Presse trat, hatte er Laschet schon angerufen und ihm gratuliert. In seinem Statement betonte der Bayer auch: "Nur eine geschlossene Union kann erfolgreich sein. Wir wollen keine Spaltung." Daher werde er Laschet nun in diesem "außerordentlich schwierigen Bundestagswahlkampf ohne Groll unterstützen".

Entscheidung gegen Basis

Doch ganz ohne Groll geht es nicht. Nicht alle wollen die Entscheidung so hinnehmen. So bezeichnet Thüringens CDU-Landeschef Christian Hirte die Wahl für Laschet als "Entscheidung gegen die CDU-Basis".

Auch der bayerische Finanzminister Albert Füracker (CSU) meint: "Fünf Monate vor der Bundestagswahl einen Beschluss gegen die eigene Basis zu fassen ist schon sehr bemerkenswert." Am Nachmittag erscheint dann auch Laschet in der CDU-Zentrale in Berlin und dankt Söder für den "großen Vertrauensbeweis". Er schickt auch mahnende Worte an alle, die jetzt mit dem Ergebnis hadern: "Die CDU gewinnt diese Wahl nicht ohne die CSU und umgekehrt." Die Transparenz des Auswahlverfahrens wünscht sich der CDU-Chef auch künftig für Sachentscheidungen. Denn: "Durch Diskussion entsteht Lebendigkeit."

Besonders gut getan hat die Debatte der Union aber augenscheinlich nicht. Eine Umfrage des renommierten Instituts Forsa, die Dienstagabend erschien, zeichnet für die Konservativen in düsteres Bild. Die Grünen sind dort erstmals seit langer Zeit deutlich in Führung. 28 Prozent würden demnach für die Umweltpartei stimmen, nur 21 Prozent für die Union. Die SPD käme auf 13, die FDP auf 12, die AfD auf 11 und die Linken auf 7 Prozent. Von einer Mehrheit für Grün-Rot-Rot, dem Schreckgespenst der deutschen Konservativen, wäre man nicht mehr weit entfernt. Freilich, es ist nur eine Momentaufnahme. Darauf wird man auch bei der Union hoffen müssen.

Gratulationen kommen dennoch auch von Kanzlerin Angela Merkel, die sich in die Kandidatensuche öffentlich nicht eingemischt hatte: "Herzlichen Glückwunsch, lieber Armin Laschet, zur neuen Aufgabe als Kanzlerkandidat der Union. Ich freue mich auf die kommenden Monate unserer Zusammenarbeit."

Eigennütziges Lob

Und noch einer gratuliert: Friedrich Merz, der aller Wahrscheinlichkeit nach mit einem Direktmandat wieder in den Bundestag einziehen wird. Er hat sich im Machtkampf klar gegen Söder und für Laschet positioniert – weil er gerne ein Ministeramt möchte, wie in Berlin gemunkelt wird.

Über Laschets Wahl freut sich übrigens auch AfD-Fraktionschef Alexander Gauland: "Laschet ist für uns sehr viel einfacher als Söder." Schließlich habe Laschet Kanzlerin Merkel in der Asylpolitik unterstützt. (Birgit Baumann aus Berlin, 20.4.2021)