Der Impfstoff von Johnson & Johnson, der unter dem Namen Janssen vertrieben wird, wird demnächst wohl auch in Österreich verwendet werden können.

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Amsterdam/Wien – Während bei den mRNA-Impfstoffen von Moderna und Biontech/Pfizer alles nach Plan oder sogar noch besser läuft, gibt es bei den beiden in der EU zugelassenen Vektorimpfstoffen von Johnson & Johnson sowie Astra Zeneca immer wieder Probleme, zuletzt vor allem wegen seltener Fälle von Hirnvenenthrombosen. In den USA und auch in Europa war deshalb das Ausrollen des Vakzins von Johnson & Johnson vorläufig gestoppt worden, um die Fälle noch einmal im Detail zu prüfen.

Am späten Dienstagnachmittag legte die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) ihren Bericht über den möglichen Zusammenhang zwischen diesen Blutgerinnseln und der Verabreichung des Vakzins von Johnson & Johnson vor – und hielt am Impfstoff uneingeschränkt fest.

Der Impfstoff hatte in den USA Ende Februar eine Notfallzulassung erhalten und war bereits sieben Millionen Mal verimpft worden, ehe insgesamt acht Fälle dieser sogenannten Sinusthrombosen bekannt wurden, die in einem zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung standen und nun von der EMA untersucht wurden. Betroffen waren vor allem Frauen im Alter zwischen 18 und 48 Jahren, die an diesen lebensbedrohlichen Blutgerinnseln in der größten Vene des Gehirns erkrankten. Eine Frau starb, die anderen konnten rechtzeitig behandelt werden.

Zusammenhang mit Impfung

Diese acht Fälle in den USA ähneln jenen, die im Zusammenhang mit Astra-Zeneca-Impfungen in Europa aufgetreten sind. Die Blutgerinnsel traten nämlich jeweils als Folge einer sogenannten Thrombozytopenie auf, bei der es zu einem Abfall der Blutplättchen kommt, während andere verklumpen. Der genaue Auslöser dafür ist noch unklar. Er dürfte aber mit dem Virusvektor zu tun haben, denn bei mRNA-Impfstoffen sind solche Fälle in den USA nicht aufgetreten.

Die EMA kam bei ihrer Prüfung zwar zum Schluss, dass ein möglicher Zusammenhang zwischen Impfungen und den Blutgerinnseln besteht. Doch angesichts der Seltenheit der Fälle würden die Nutzen die Risiken überwiegen. Tatsächlich ist die Inzidenz in etwa zehnmal seltener als im Fall von Astra Zeneca, wo in etwa ein Fall pro 100.000 registriert wurde – ebenfalls vor allem bei Frauen jüngeren Alters. Und auch hier sprach sich die EMA für eine Fortsetzung der Impfungen ohne alle Einschränkungen nach Alter oder Geschlecht aus.

16.800 lagernde Impfdosen

In Österreich wird das Vakzin von Johnson & Johnson derzeit nicht verimpft. 16.800 Dosen, die in der Vorwoche eingetroffen sind, liegen noch beim Großhandel und wurden bisher nicht an die Impfstellen ausgeliefert. Ende der Woche wird sich das Nationale Impfgremium (NIG) mit den neuen EMA-Empfehlungen befassen. Es ist davon auszugehen, dass sich das NIG an die Einschätzungen der EMA halten und die Verimpfungen befürworten wird.

Österreich hat von der möglichen Impfstoffmenge des Vakzins nur 63,7 Prozent ausgeschöpft, das sind 2,5 Millionen statt knapp vier Millionen Dosen, die dem Land laut Bevölkerungsschlüssel zugestanden wären. Im zweiten Quartal werden wir demnach voraussichtlich nur gut 670.000 Dosen erhalten – statt über eine Million, die bei 100 Prozent Bestellmenge möglich gewesen wären. Das ist auch deshalb bitter, weil bei diesem Präparat nur eine einzige Injektion nötig ist, um für einen guten Immunschutz zu sorgen.

Probleme bei der Produktion

Nach der Entscheidung der US-Behörden hatte der Hersteller vorläufig die Lieferungen ausgesetzt, nach jener der EMA will er sie nun aber wieder aufnehmen. Auf europäischer Ebene spielt dieser Impfstoff durchaus eine wichtige Rolle bei der Impfstrategie. Die EU-Kommission hat 200 Millionen Dosen bestellt, davon sollen 55 Millionen noch bis Ende Juni ausgeliefert werden. Ob dieses Ziel eingehalten werden kann, ist noch unklar, gab es doch Probleme bei einem Werk von Johnson & Johnson in den USA, für das die US-Arzneimittelbehörde FDA nun einen Produktionsstopp gefordert hat.

Der US-Pharmakonzern Johnson & Johnson hatte Ende März bestätigt, dass eine Charge seines Impfstoffs in der Produktionsstätte in Baltimore "nicht den Qualitätsanforderungen" entsprochen habe. Laut der "New York Times" waren 15 Millionen Impfdosen unbrauchbar. Johnson & Johnson kündigte trotz der Panne an, im April 24 Millionen zusätzliche Dosen zu liefern. (tasch, 20.4.2021)