Um "Zoom-Fatigue" zu vermeiden, könne es schon helfen, die Selbstansicht auszuschalten.

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Die Pandemie hat das Arbeits- und Privatleben vor die Bildschirme verlagert. Dass Videokonferenzen erschöpfen, wurde früh thematisiert. Empirische Daten dazu fehlten aber. In einer noch nicht peer-reviewten Studie haben Forscherinnen und Forscher der Universität Stanford nun mögliche Gründe für die sogenannte "Zoom-Exhaustion" und "-Fatigue" identifiziert.

Mit dem Begriff beschreibt der Kommunikationswissenschafter und Co-Autor der Studie, Jeffrey Hancock von der Universität Stanford, die Erschöpfung und Müdigkeit, die durch Videokonferenzen verursacht wird. Mit seinem Team hat Hancock mehr als 10.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer über ihre Erfahrungen mit Diensten wie Zoom, Teams und Skype befragt.

Um herauszufinden, was an den Videokonferenzen erschöpft, haben die Wissenschafterinnen und Wissenschafter eine Skala entwickelt, die die psychologischen Effekte bei der Teilnahme an Onlinekonferenzen messen soll. Das Hauptergebnis ihrer Studie: Frauen waren durch die Konferenzen häufiger gestresst als Männer.

Selbstbezogene Aufmerksamkeit

So gab eine von sieben Frauen an, sich nach Videokonferenzen "sehr" bis "extrem" erschöpft zu fühlen. Bei den Männern war es nur einer von 20. Jüngere Personen, egal welchen Geschlechts, fühlten sich schneller müde als ältere.

Dass Frauen stärker an "Zoom-Fatigue" leiden könnten, vermuteten die Forscherinnen und Forscher bereits. Der Grund dafür, so schreiben sie, liege an einem Phänomen, das in der Psychologie als "Selbstaufmerksamkeit" bezeichnet wird.

Darunter verstehe man eine erhöhte Aufmerksamkeit dafür, wie man auf andere wirkt, sagt Hancock. Da man sich bei Videokonferenzen ständig auch selbst sieht, führe das zu einer multiplen Selbstbespiegelung, was Stress auslösen kann.

Um diesen Effekt zu messen, wurden Teilnehmern und Teilnehmerinnen etwa folgende Fragen gestellt: Wie ablenkend ist es für Sie, sich während einer Videokonferenz selbst zu sehen? Wie sehr konzentrieren sie sich bei Videokonferenzen auf das Gefühl, sich selbst zu sehen?

Frauen beantworteten die Fragen auf der Skala mit höheren Scores als Männer. Die Ergebnisse der Untersuchung, so die Studienautorinnen und -autoren, würden sich damit in die bestehende Studienlage zum Thema einreihen, wonach Frauen stärker dazu neigen, abzuschätzen, wie sie auf andere Personen wirken, als Männer.

Frauen machen seltener Pausen

Zusätzlich trug zur Erschöpfung unter Frauen auch das Gefühl bei, sich während Videokonferenzen nicht aus dem Blickfeld der Kamera bewegen zu können. Während Männer und Frauen gleich viele Videokonferenzen am Tag hatten, dauerten diese bei Frau tendenziell länger. Sie machten auch weniger Pausen zwischen den Meetings.

Neben Geschlecht und Alter stellten die Forscherinnen und Forscher auch einen Zusammenhang zwischen der Häufigkeit von "Zoom-Fatigue" und Persönlichkeitstypen fest: Extrovertierte Menschen berichteten von geringeren Leveln an Erschöpfung als introvertierte Menschen. Vorläufige Analysen zeigten zudem, dass People of Colour einen etwas höheren Level an Erschöpfung aufweisen als weiße Teilnehmer und Teilnehmerinnen.

Was gegen "Zoom-Fatigue" hilft

Die Forscherinnen und Forscher schreiben, dass es bereits helfen könnte, die Standardeinstellungen der Programme zu ändern – und die Selbstansicht auszuschalten.

Um ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu entlasten, sollten Unternehmen einen Videokonferenz-freien Tag in der Woche einführen. Ist eine Videoübertragung für Konferenzen nicht notwendig, sollte es auch für alle verpflichtend sein, die Videoübertragung auszuschalten. Denn niemand dürfe sich gedrängt fühlen, mit Video an Besprechungen teilzunehmen.

Grenzen der Aussagekraft

Die Studie baut auf einem Paper auf, das kürzlich im Fachmagazin "Technology, Mind and Behavior" veröffentlicht wurde, und weist einige Limitationen auf – wie die Autorinnen und Autoren selbst schreiben.

So wurden für die Befragung Teilnehmerinnen und Teilnehmer etwa über Social Media und Veröffentlichungen zum Thema der "Zoom-Fatigue" rekrutiert. Das Sample ist somit nicht repräsentativ, da man davon ausgehen muss, dass sich vor allem Probanden meldeten, die bereits Erfahrung mit dem Thema hatten.

Zudem waren die Forscher auf die Selbstangaben der Befragten angewiesen. Menschen aber neigen dazu, ihre eigene Mediennutzung zu überschätzen. (ek, 22.4.2021)