VW-Betriebsratschef und Aufsichtsratsmitglied Bernd Osterloh verlässt die Konzernzentrale und wird Personalvorstand bei der Nutzfahrzeugtochter Traton

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Wolfsburg/München – VW-Betriebsratschef und Aufsichtsratsmitglied Bernd Osterloh verlässt die Konzernzentrale und wird Personalvorstand bei der Nutzfahrzeugtochter Traton. Der Schritt solle bereits kurzfristig zum 1. Mai erfolgen, hieß es am Freitag in Wolfsburg. Es habe ein entsprechendes Angebot gegeben, das der 64-Jährige nun "rechtzeitig" vor der Vorbereitung der nächsten Wahlen für die Belegschaftsvertreter im obersten Kontrollgremium sowie im Betriebsrat des Autobauers annehmen wolle.

Cavallo folgt auf Osterloh

Die Wahlen stehen beide 2022 an – daher werde jetzt ein "Generationswechsel" vollzogen. Osterlohs Nachfolgerin soll die bisherige Vizechefin des Konzern- und Gesamtbetriebsrats, Daniela Cavallo (46), werden. Das gelte auch für die Aufsichtsratsfunktion: "Nötige Schritte für ihre Bestellung über das Registergericht sind bereits eingeleitet."

Cavallo solle das Mandat "so schnell wie möglich" mit übernehmen. Das Kontrollgremium wird vom früheren VW-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch geführt, Stellvertreter ist Jörg Hofmann, Chef der Industriegewerkschaft Metall. "Diesen Mai steht schon die Nominierungsrunde für die Wahlen der Belegschaftsvertreter im Aufsichtsrat an, die dann 2022 kommen", sagte Osterloh der Deutschen Presse-Agentur. "Wenn ich jetzt nicht gehen würde, stünde ich dort wieder auf der Kandidatenliste. Außerdem wollte Traton die Position des Arbeitsdirektors jetzt neu besetzen."

Harte Auseinandersetzungen mit VW-Chef

Der einflussreiche IG-Metaller Osterloh leitet seit 2005 nicht nur die Mitarbeitervertretung, er ist ebenso Mitglied im innersten Machtzirkel der Volkswagen-Kontrolleure. Auch der wichtige Posten im Aufsichtsratspräsidium muss daher jetzt neu vergeben werden.

"Ich habe in den vergangenen Wochen intensiv nachgedacht, denn nach all den Jahren fällt mir dieser endgültige Schritt natürlich nicht leicht", erklärte Osterloh. Er trat immer wieder auch als scharfer Kritiker von Vorstandschef Herbert Diess auf. So lieferten sich beide in den vergangenen Jahren harte Auseinandersetzungen um das Umbau- und Sparprogramm "Zukunftspakt" oder um die Arbeitsbedingungen beim teils stockenden Anlauf wichtiger Modelle wie dem Golf 8 oder ID.3.

Osterloh hat zum "nachhaltigen Wandel beigetragen"

Diess ließ am Freitag erklären, Osterloh habe "maßgeblich zum nachhaltigen Wandel von Volkswagen zur E-Mobilität und zum softwaregetriebenen Mobilitätskonzern beigetragen". Der gebürtige Österreicher Pötsch – auch Chefkontrolleur bei Traton – äußerte sich ähnlich: "Er hat wichtige strategische Schritte mit vorangetrieben." Osterloh deutete an, der Betriebsrat werde auch nach seinem Wechsel dem VW-Management kritisch auf die Finger schauen: Cavallo sei "führungsstark, empathisch und so strategisch denkend, dass sich viele noch wundern werden".

Traton bestätigte die Top-Personalie am Freitag ebenfalls. Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in München und ist im größten europäischen Autokonzern mit Marken wie MAN oder Scania für die schweren Nutzfahrzeuge zuständig. Osterloh hatte schon zuvor Angebote erhalten, auf die Seite des Managements zu wechseln. Ende 2015 hätte er VW-Personalvorstand werden können, schlug das damals aber aus. (APA, dpa, 23.4.2021)