Klopp war gegen die Super League und kritisiert nun auch die Champions-League-Reform.

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London/Liverpool – FC Liverpools Trainer Jürgen Klopp (53) findet es zwar "absolut großartig", dass die Einführung der Super League gescheitert ist. Vor dem Ligaspiel gegen Newcastle (1:1) wünschte er sich jedoch, dass die hitzige Stimmung rund um das binnen zweier Tage spektakulär gescheiterte Projekt wieder abnehme. "Ihr alle müsst euch wieder beruhigen", sagte er zu BT Sport.

Erinnerung an Pandemie

Dass Fans, etwa jene von Arsenal am Freitag, vor dem Stadion protestieren, gefiel dem Deutschen nicht. Denn: "Wir sind noch immer in einer Pandemie", sagte er. "Leute sind ohne Schutzmaske draußen und brüllen ihre Meinung heraus".

Klopp nahm dabei auch Journalisten und TV-Experten in die Pflicht. Diese würden es mit der Berichterstattung über die Super League übertreiben: "Gestern habe ich auf Sky drei Journalisten gesehen, wie sie einen ganzen Tag lang drüber gesprochen haben. Das wiegelt die Leute auf."

Klopps Arbeitgeber gehörte zu den zwölf Gründungsmitgliedern der Super League. Massive Fan-Proteste aus England hatten das Projekt vorerst zum Scheitern gebracht. Auch die Politik intervenierte.

Für Klopp müsse man nun wieder in die Zukunft schauen. Es sei mittlerweile klar, dass niemand die Super League gewollt habe – bis eben auf die Besitzer. Hier wünscht sich Klopp eine differenzierte Berichterstattung: "Unsere Besitzer haben einen Fehler gemacht, das habe ich oft genug gesagt. Wir sind die Gesichter des Vereins, und wir wussten nichts davon. Vergessen Sie das nicht."

Der berühmte englische TV-Experte und Ex-Nationalspieler Gary Lineker war mit Klopps Worten nicht einverstanden. "Eine Handvoll Vereinseigentümer will unsere Sportart auseinandernehmen und uns wird gesagt, wir sollen uns beruhigen", so Lineker auf Twitter. Er wünscht sich mehr Verständnis für die Fans.

Kritik an Champions-League-Reform

Auch für die Reform der Champions-League hatte Klopp deutliche Kritik über. "Die Uefa hat uns nicht gefragt, die Erfinder der Super League haben uns nicht gefragt. Niemand hat uns gefragt. Es heißt immer nur, wir sollen mehr Spiele machen. Wir müssen einfach nur liefern. Was ist der Grund? Geld!", sagte Klopp.

Die Uefa hatte am Montag die Champions-League-Reform verabschiedet. Nun sollen 36 statt 32 Teams teilnehmen, die Anzahl der Spiele insgesamt steigt von 125 auf 225 – das bringt den Vereinen und Verbänden höhere Einnahmen durch die Fernsehübertragungen.

Klopp wisse nicht, ob jemand dieses Konzept gelesen und für perfekt befunden habe. "Wer sagt mir jetzt, dass es nicht um Geld geht? Das ist ein Witz", sagte Klopp und beklagte, dass die einzigen, die nie gefragt werden würden, Spieler, Trainer und Fans seien.

Zugleich monierte der Deutsche wie Manchester-City-Coach Pep Guardiola die noch höhere Anzahl an Spielen. "Mehr Spiele sind unmöglich. Die Strukturen sind für mehr Spiele nicht ausgerichtet", sagte der frühere BVB- und Mainz-Coach. Ex-Bayern-Coach Guardiola prophezeite mehr Verletzungen: "Die Uefa weiß es, kümmert es sie? Absolut nicht", sagte der Spanier (50).

Gesamtbild des Fußballs: "Katastrophal"

Unterstützung erhielt Klopp dabei von einem Landsmann. Axel Hellmann, Vorstandssprecher des Bundesligisten Eintracht Frankfurt, kritisierte ebenfalls die Reform der Königsklasse. "Was mich daran am meisten stört, ist nicht so sehr, dass man auf eine 36er Tabelle einschwenkt, das kann man noch nachvollziehen. Aber wenn es den Weg der nichtsportlichen Qualifikation gibt, also der Zugang über Koeffizienten für historisch erbrachte Leistungen oder Wildcards erfolgt, dann ist das der Einstieg in einen 'closed shop'", meinte Hellmann in einem Interview der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Der Jurist ist seit Juni 2012 Vorstandsmitglied der Eintracht Frankfurt Fußball AG. Das Gesamtbild des europäischen Spitzenfußballs sei in den vergangenen Tagen "katastrophal" gewesen. Man müsse "erstaunt sein, mit welcher Unprofessionalität die Clubs, die die Super League angestoßen haben, vorgegangen sind", kritisierte der Jurist. (APA, dpa, red, 24.4.2021)