Ein Tesla fährt Nachts durch die Häuserschluchten von Shanghai.

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Konsumentenproteste haben in China eine lange Tradition – insbesondere wenn es gegen ausländische Konzerne geht. Derzeit bekommt der amerikanische Autobauer Tesla einen Vorgeschmack, was das heißen kann. Während ein Großteil der westlichen Welt Corona-bedingt seine Wirtschaft auf das Nötigste heruntergefahren hat, boomt der chinesische Markt.

So fand dieser Tage auch die Automesse in Schanghai statt. Mehrere Zehntausend Besucher ließen sich das Spektakel auch heuer nicht entgehen. Angeblich nicht geplant aber war der Auftritt einer jungen Frau, die am vergangenen Montag auf das Dach eines Tesla-Autos sprang und dort mehrfach ausrief, die Bremsen ihres Autos funktionierten nicht und Tesla habe ihre Kritik einfach ignoriert.

Ordner holten die Frau kurze Zeit später vom Dach des Autos herunter und übergaben sie der Polizei, die die Frau fünf Tage inhaftierte. Begründung: "Störung der öffentlichen Ordnung". Schnell aber kursierten Videos von dem Vorfall überall im chinesischen Internet.

Kritik an Tesla

Bald begannen aber auch die chinesischen Staatsmedien in die Kritik an Tesla mit einzustimmen. Tesla würde "die chinesischen Konsumenten nicht ausreichend respektieren und dafür jetzt einen hohen Preis zahlen", schrieb die für ihre nationalistischen Töne bekannte Zeitung "Global Times".

Messebesucher nehmen einen Tesla genau unter die Lupe.
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Tesla bat zwar um Entschuldigung, doch die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua kommentierte: Dies sei nicht aufrichtig. Am Mittwoch forderte die chinesische Marktaufsicht Tesla auf, "höhere QualitätsStandards zu gewährleisten". Das Versicherungsunternehmen Ping An gab außerdem bekannt, keine Tesla-Fahrzeuge mehr zu versichern. Im März hatte die chinesische Regierung bereits untersagt, mit den Fahrzeugen in die Nähe von militärischen Anlagen zu kommen. Die Kameras in den Autos könnten zur Spionage genutzt werden.

Ofer einer Politik

Tatsächlich dürfte Tesla Opfer einer Politik werden, unter der schon zahlreiche westliche Konzerne gelitten haben, wenn sie zu einflussreich wurden. Ausländische Unternehmen sind in China immer dann willkommen, wenn sie Arbeitsplätze schaffen und einen Technologietransfer leisten. Was nicht passieren darf: dass die heimische Konkurrenz vom Markt gedrängt wird. Das haben in den vergangenen Jahren vor allem amerikanische Internetkonzerne zu spüren bekommen, die allesamt China verlassen mussten.

In der chinesischen Autobranche war dies bisher nicht der Fall. Trotz zahlreicher Versuche durch eigene Projekte wie Qoros und Joint-Venture-Projekte mit ausländischen Autoherstellern ist bisher keinem chinesischen Autobauer gelungen, ein konkurrenzfähiges, massentaugliches chinesisches Auto zu bauen. Nach wie vor ist das Land auf ausländische Automobilunternehmen und ihr Know-how sowie deren Zulieferern angewiesen.

Tesla stellte seine Autos in Shanghai aus.
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Elektroboom

Mit dem Boom von Elektroautos aber beginnt sich die Situation zu ändern. Der chinesische Elektroautohersteller Nio will schon bald 10.000 Fahrzeuge im Monat verkaufen. Im ersten Quartal dieses Jahres waren es 20.000. Dabei stand das Unternehmen aus Schanghai 2019 noch vor der Pleite und konnte nur mit Staatsgeldern gerettet werden.

Die Kapazität des Tesla-Werkes in Schanghai liegt derzeit bei 500.000 Fahrzeugen im Jahr. Warum man Tesla überhaupt so groß werden ließ, liegt zum einen daran, dass die Schanghaier Stadtregierung als relativ liberal im Vergleich zu Peking gilt. Zudem gilt Tesla auch in China als Standard, an dem sich die heimische Konkurrenz orientieren und messen soll.

Für Tesla kommt der Zeitpunkt der Vorwürfe allerdings ziemlich ungünstig. Denn in den USA sind kürzlich zwei Menschen bei einem Tesla-Unfall gestorben. Die Polizei untersucht derzeit, ob das Auto im Selbstfahrmodus war. (Philipp Mattheis aus Shanghai, 26.4.2021)