Ceferin (links) glaubt an keine Versöhnung mehr mit Agnelli.

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Nyon – Trotz der privaten Verbindung sieht Uefa-Präsident Aleksander Ceferin sein Verhältnis zu Juve-Boss Andrea Agnelli als unwiderruflich zerstört an. "Es gibt keine Beziehung mehr", sagte der Chef der Europäischen Fußball-Union der Nachrichtenagentur AP. "Und es wird nie wieder eine Beziehung geben." Ceferin ist Pate von Agnellis Tochter. Der Slowene fühlt sich durch das Verhalten von Agnelli rund um die Gründung einer Super League hintergegangen.

Ceferin sah "reinen Verrat"

Noch kurz bevor die Pläne öffentlich wurden, habe der damalige Chef der Europäischen Club-Vereinigung ihm versichert, dass nichts an der geplanten Konkurrenz zur Champions League dran sei. Wenig später sei Agnelli nicht mehr ans Telefon gegangen. Der Chef von Juventus Turin war wichtiger Ansprechpartner von Ceferin für die Reform der Königsklasse der Uefa.

"Der schlimmste Tag war Samstag, weil ich dann realisierte, dass es der reine Verrat war, dass uns einige Leute seit Jahren angelogen hatten", sagte Ceferin. Er werde Menschen weiter vertrauen, weil diejenigen, bei denen er sicher gewesen sei, ihn nicht betrogen hätten – "außer Agnelli".

Nach dem schnellen Rückzug der sechs englischen Gründungsmitglieder, von Atletico Madrid und Inter Mailand aus der Super League sieht Ceferin das Projekt als erledigt an.

Rummenigge sah "Warnschuss"

Auch Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge sieht die Super League als "endgültig erledigt" an. "Das war ein Warnschuss", sagte der Vorstandsvorsitzende des deutschen Rekordmeisters der "Bild am Sonntag". Es sei letztendlich "vielleicht sogar gut gewesen", dass der Wirbel um die neue Liga die Welt innerhalb weniger Tage drastisch in Aufruhr versetzt habe.

So hätten auch die Geschäftsleute im Fußball verstanden, "dass der Fußball etwas anders tickt als nur geschäftlich", meinte Rummenigge.

In Italien fordern elf Serie-A-Clubs mittlerweile offizielle Konsequenzen für Juventus und die beiden Mailänder Clubs AC und Inter, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtet. Das Trio hätte im Geheimen an dem Super-League-Projekt gearbeitet und damit dem italienischen Fußball "offensichtlichen Schaden" zugefügt, hieß es in einem Brief an Liga-Präsident Paolo Dal Pino, der unter anderem von Vertretern der AS Roma, von Parma, Genoa, Bologna und Torino unterzeichnet wurde.

Rummenigge verteidigte indes die beschlossene Reform der Champions League, die ebenfalls kritisiert worden war. "Durch die neue Form der Vorrunde wird der ganze Wettbewerb viel spannender und emotionaler, auch weil es für die Großen viel schwieriger wird, sich durchzusetzen", sagte Rummenigge. In der Champions League werden nach der Reform ab 2024 36 statt 32 Teams spielen, jede Mannschaft wird zehn statt sechs Gruppenspiele absolvieren. (APA, dpa, red, 25.4.2021)