In der Chefetage im 21. Stock der OMV-Zentrale in Wien wird kommendes Jahr ein Platz frei.

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Die OMV ist ein Koloss. 25.000 Mitarbeiter (mit Borealis), 17 Milliarden Umsatz, fast ein Drittel, exakt 31,5 Prozent, im Besitz der Republik. Nach dem am Montag bekannt gewordenen Abgang des zuletzt sehr umstrittenen Rainer Seele längstens Mitte 2022 muss rasch eine Nachfolgelösung gefunden werden. Klimawandel und geforderte Gegenmaßnahmen setzen den Öl- und Gaskonzern unter Zugzwang.

Welche Eigenschaften müsste die Person haben, um die Transformation von einem auf Kohlenwasserstoffe bauenden in ein mit sauberen Energien operierendes Unternehmen zu schaffen? DER STANDARD hat sich umgehört und unter Zusicherung der Anonymität interessante Sachen erfahren.

OMV-Generaldirektor Rainer Seele hat am Montag bekannt gegeben, seinen am 30. Juni 2022 auslaufenden Vertrag nicht mehr zu verlängern.
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Fachliche Kompetenz sei wichtig und mache etwa 50 Prozent des Anforderungsprofils aus. Ob die Person soziale Kompetenz mitbringe, Menschen mitnehmen, inspirieren und auch in einem Team arbeiten könne, werde viel zu selten überprüft, lautet eine Kritik. Und warum ist das so? Auch dafür gibt es Gründe.

Das Problem sei, dass Aufsichtsräte und die von ihnen beauftragten Berater auf Nummer sicher gehen wollten. Deshalb werde in erster Linie darauf geachtet, dass der Lebenslauf der fraglichen Person herzeigbar ist. "Der hat diese Vergangenheit, hat dort gearbeitet, folglich wird er schon die neue Aufgabe können," heiße es oft. Gerade das aber sei schlecht, weil oberflächlich.

Einige interne Kandidaten

Zudem stünden Berater häufig in einem Interessenkonflikt. Sie müssten Leute für eine Spitzenposition suchen, von denen es nicht so viele gebe. "Die muss man interessieren und motivieren, sich zu bewerben," erzählt ein Headhunter. Klopfe man die so mühsam rekrutierten Kandidaten genauer auf irgendwelche Risiken ab, die möglicherweise in ihren Biografie stecken, schieße man sie selbst wieder ab.

So sei das möglicherweise bei der Bestellung von Seele 2015 gewesen, wird gemunkelt. Hätte man sich die Vergangenheit des Deutschen bei Wintershall genauer angeschaut, wäre der als brachial beschriebene Führungsstil von Seele in der OMV nicht so überraschend gewesen.

In einem großen Unternehmen wie der OMV sei es wahrscheinlich, dass es auch intern Personen mit dem Potenzial gibt, den Konzern zu leiten. Die externe Lösung sei nicht immer die beste. Leute, die in ihrem Umfeld ganz gut seien, kämen mit einer neuen Unternehmenskultur oft nicht zurecht und scheiterten.

Ein Leben für die OMV: Johann Pleininger hat als Lehrling begonnen und ist derzeit Vize-Chef des Konzerns.
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Die neue Person an der Spitze der OMV müsste nicht nur integrativ wirken, um die verschiedenen Fraktionen miteinander zu versöhnen, sondern den Fokus auch stärker Richtung sauberen Wasserstoff, Solarenergie und Geothermie lenken. Sollte es auf eine interne Lösung hinauslaufen, wird öfter der Name Johann Pleiniger (59) genannt. Er ist Vize-CEO und für das Upstream-Geschäft (Öl- und Gasförderung) zuständig. Sein Vorteil: Er kennt die OMV in- und auswendig.

Von Borealis zur OMV: Alfred Stern ist seit Anfang April im Konzern für den Chemiebereich zuständig.
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Im Gespräch ist auch Alfred Stern (56), ein gebürtiger Steirer. Der Ex-Borealis-Chef ist seit Anfang April im OMV-Vorstand für den neu geschaffenen Bereich Chemicals & Materials verantwortlich. Sein Nachteil: Er kennt die OMV noch nicht so gut. Vielleicht wird aber auch jemand von außen geholt.

Neu wäre eine Frau an der Spitze der OMV. Wenige, dafür starke Frauen haben es bisher zumindest bis in die Vorstandsetage geschafft. Dazu gehörte in den 1950er Jahren Margarethe Ottilinger und in den 1980er Jahren Maria Schaumayer.

(Günther Strobl, 28.4.2021)