Ein größerer Run auf Massenspeicher könnte die Preise empfindlich steigen lassen.

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Die gute Nachricht: Eine junge Kryptowährung, Chia (XCH), verspricht, einige Probleme zu lösen, die der Platzhirsch Bitcoin und andere etablierte Coins mit sich bringt. Darunter etwa den stetig steigenden Energieverbrauch, der auch durch die immer schwerer werdenden kryptografischen Rechnungen verursacht wird, die für Transaktionsvalidierungen gelöst werden müssen. Denn dieser Umstand trägt dazu bei, dass Miner massenhaft Grafikkarten aufkaufen und somit den durch den allgemeinen Chipmangel verursachten Preisanstieg mit antreiben.

Die schlechte Nachricht: Wer am Chia-Netzwerk teilhaben will, kommt zwar ohne Grafikkarten-Arrays aus, benötigt aber viel Speicherplatz. Beobachter befürchten, dass dies mit steigender Popularität der Kryptowährung insbesondere bei SSDs zu Preisanstiegen führen könnte. In China kann dieses Phänomen bereits beobachtet werden.

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Speicherplatz statt Rechenleistung

Ins Leben gerufen wurde Chia im Jahr 2017 von Bram Cohen, Miterfinder des Bittorrent-Protokolls. Online ist das Netzwerk (Mainnet) seit etwa anderthalb Monaten, die Blockchain wird aber erst am 3. Mai für Transaktionen geöffnet. Bis dahin lassen sich Überweisungen zwar anlegen, sind aber eingefroren. Das Vorbereiten des Minens von Chia ist während der Übergangszeit aber bereits möglich, wobei dieser Prozess hier "Plotting" genannt wird. Und zwar aus gutem Grund.

Denn wer an neue Coins kommen möchte, benötigt "Farmland", genannt "Plots". Statt des vom Bitcoin genutzten "Proof of Work"-Verfahrens, das auf stetig wachsender Rechenperformance aufbaut, setzt man hier auf "Proof of Space and Time". Sehr vereinfacht ausgedrückt: Das Netzwerk belohnt Nutzer auf Basis des Speicherplatzes, den sie zur Verfügung stellen. Je mehr Platz man anbietet, desto größer die Wahrscheinlichkeit und Höhe einer Belohnung durch das Netzwerk, wenn ein neuer Block für die Blockchain generiert wird. Auch Schreib- und Lesezeiten spielen eine Rolle. Dem System liegt der Gedanke zugrunde, dass Datenträger für Nutzer wesentlich zugänglicher sind, als es etwa Grafikkarten sind.

https://nomics.com/assets/xchiou-chia-iou
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Investoren müssen dem Netzwerk für einen "Plot" mindestens 101 Gigabyte an Speicher bereitstellen, der zum Schreiben und Lesen von rund zwei Terabyte an Daten dient, erklärt The Block. Danach wird eine Datei generiert und in einem normalen Verzeichnis gespeichert, das fortan als "Grundstück" dient und Anteile abwerfen kann. Dieses orientiert sich allerdings am Gesamtplatz, über den das Mainnet verfügt, der XCH-Ertrag pro Plot sinkt also, wenn das Netzwerk wächst.

Erste Datenträger verteuern sich

In China hat seit dem Start des Mainnet ein Run auf Chia begonnen, dokumentiert die "South China Morning Post". Personen und Firmen, die groß ins Farming einsteigen wollen, kaufen massenhaft Festplatten und SSDs auf. Der erwartete Einstiegskurs pro XCH ist – Stand 28. April – von knapp über 1.000 Dollar auf einen Schnitt von 1.300 bis 1.500 Dollar gestiegen. Die aktuelle Tendenz lässt sogar einen dauerhaften Anstieg über 2.000 Dollar möglich erscheinen.

Die Preise für große Western-Digital-Festplatten bei JD.com am 28. April.
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Deutlich gewachsen sind aber auch die Preise einiger Datenträger in China. Eine 12-TB-Festplatte von Western Digital kostete beim beliebten Onlinehändler JD.com vor einigen Tagen noch umgerechnet 370 Dollar, mittlerweile liegt das günstigste Modell bereits bei 540 Dollar. Festplatten anderer Anbieter legten teilweise noch deutlicher zu, und auch bei einigen SSDs konnte ein Preisschub beobachtet werden. Das Schlagwort "Festplattenverteuerung" landete sogar in den Trends des chinesischen Social Networks Weibo.

Sollte Chia auch international auf ähnliche Resonanz stoßen, könnte sich diese Entwicklung fortsetzen. Zu bedenken ist auch, dass die Lebensdauer von Festplatten mechanisch begrenzt ist und auch Flashspeicher, wie sie in SSDs zu finden sind, nur begrenzt überschreibbar sind.

Zusätzlich zur Anteilsteigerung durch den Ankauf von neuen Speichermedien steigt durch die Lese- und Schreiboperationen für das Netzwerk auch der Verschleiß an Datenträgern, die von den "Farmern" ersetzt werden müssen. Ob die Ökobilanz von Chia aufgrund des niedrigeren Energiebedarfs damit langfristig besser ist als bei Bitcoin und Co, bleibt abzuwarten. (Georg Pichler, 28.4.2021)