Eine Schwangere bei der Covid-Impfung in Pennsylvania.

Foto: Reuters/Hannah Beier

Nachdem am späten Mittwochnachmittag das Nationale Impfgremium Schwangeren grünes Licht für eine Covid-Impfung gegeben hatte, konnten sich in Wien die ersten von ihnen schon wenige Stunden später für eine Impfung vormerken lassen.

Keine Auffälligkeiten in begrenzten Daten

Das Gremium hebt in seiner Empfehlung vor allem die positiven Erfahrungen mit mRNA-Impfstoffen (Biontech/Pfizer und Moderna sind hier in Österreich zugelassen) hervor. Es lägen zwar nur begrenzte Erfahrungen mit der Anwendung von Covid-19-Impfstoffen bei Schwangeren vor, aber: "Diese ließen ausnahmslos keine Auffälligkeiten erkennen. Insbesondere zu mRNA-Impfstoffen wurden mittlerweile Daten publiziert, weshalb bei der Impfung von Schwangeren mRNA-Impfstoffe zu bevorzugen sind."

Auch Partner und Partnerinnen priorisiert

Schwangere liegen bei der Priorisierung des Impfgremiums nun in der dritten Priorität ("erhöht") – und zwar "insbesondere im 2. und 3. Trimenon (Nutzen-Risiko-Evaluierung und Aufklärung!)", wie es in dem Dokument heißt. Auch enge Haushaltskontakte von Schwangeren fallen in diese Kategorie, "wegen des potenziell schweren Krankheitsverlaufs bei Schwangeren". Partner bzw. Partnerinnen von Schwangeren wurden auch bisher schon in einigen Bundesländern priorisiert, etwa in Wien und der Steiermark. In der dritten Priorität befinden sich unter anderen auch 70 bis 74 Jahre alte Menschen und Patienten mit durch Vorerkrankungen erhöhtem Risiko sowie deren Angehörige.

Ältere Forderung der Fachgesellschaften

Das Nationale Impfgremium folgt mit der Empfehlung für Schwangere nun der Österreichischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (OEGGG), die das schon vor mehreren Wochen forderte und damit auch den internationalen Fachgesellschaften wie dem American College of Obstetricians and Gynecologists (ACOG), der Society for Maternal-Fetal Medicine (SMFM) und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) folgte: Schwangeren solle die Möglichkeit der Impfung nicht grundsätzlich vorenthalten werden; da diese eine besonders vulnerable und schützenswerte Personengruppe darstellten, sei es selbstverständlich, dass hier streng Nutzen und Risiko abzuwägen seien, hieß es da.

Höheres Risiko bei schweren Verläufen

Ein Großteil der Frauen, die sich während der Schwangerschaft mit dem Coronavirus infizieren, haben einen symptomlosen Verlauf oder nur milde Symptome. Und auch das Baby bleibt meist von einem schweren Krankheitsverlauf verschont. Die OEGGG betonte in ihrer Stellungnahme allerdings, dass Schwangere, bei denen es zu einem schweren Verlauf kommt, ein höheres Risiko für Krankenhausaufenthalte und schwere Erkrankungen haben als Frauen gleichen Alters, die nicht schwanger sind. Außerdem bestehe bei infizierten Schwangeren ein erhöhtes Risiko für eine Frühgeburt.

In den USA ergab eine Untersuchung von allen 400.000 Schwangerschaften zwischen April und November 2020, dass das Risiko für einen Herzinfarkt bei an Covid-19 erkrankten Schwangeren um das 27-Fache, für den Tod der Mutter um das 28-Fache anstieg.

Antikörper für das Baby

Aus Israel und den USA gibt es Studien, dass geimpfte Schwangere – sie wurden alle mit Biontech oder Moderna geimpft – die Antikörper an ihr Baby weitergeben. "Diese Nachrichten von herausragender Impfwirksamkeit sind sehr ermutigend für schwangere und stillende Frauen, die in die anfänglichen Impfstoffstudien nicht einbezogen waren", sagte Andrea Edlow vom Massachusetts General Hospital.

Studien in Arbeit

Mittlerweile arbeiten die Impfstoffhersteller auch an Studien mit Schwangeren: Biontech/Pfizer starttete im Februar mit einer Studie mit 4000 Freiwilligen, um die Sicherheit und Wirksamkeit ihres Impfstoffs bei gesunden schwangeren Frauen ab 18 Jahren zu bewerten. Ein Teil der Frauen erhält zwischen der 24.und 34. Schwangerschaftswoche den Impfstoff, ein Teil nur eine Placebo-Impfung. Die bisherigen Erfahrungswerte zur Impfung von Schwangeren gibt es vor allem, weil es bei den Zulassungsstudien dennoch zu Schwangerschaften gekommen ist.

Große Gruppe

Wie viele Frauen könnten durch die neue Empfehlung des Impfgremiums nun geimpft werden? 2020 gab es österreichweit 83.000 Geburten, 19.000 davon in Wien. Auch wenn ein Teil davon abgezogen wird, weil die Impfung vor allem im zweiten und dritten Trimenon (Schwangerschaftsdrittel) empfohlen wird und sich bestimmt nicht alle impfen lassen wollen, bleibt die Gruppe noch recht groß – insbesondere wenn man die Partner dazurechnet.

Internationaler Vergleich

In Deutschland gibt es noch keine Empfehlung, Schwangere zu impfen – aber auch hier fordert die Fachgesellschaften der Frauenärzte, das rasch zu ändern. In den USA rät die Gesundheitsbehörde CDC nicht von einer Impfung ab, in einigen Bundesstaaten werden Schwangere schon seit längerem bevorzugt geimpft. Das ist unter anderem auch in Frankreich, Kanada und Israel der Fall.

Empfehlung bei Kinderwunsch

Eine Empfehlung zur Impfung gibt es von Ärztinnen und Ärzten auch für Frauen mit Kinderwunsch. "Frauen mit Kinderwunsch, die derzeit die Möglichkeit haben, sich impfen zu lassen, sollten dies auch tun", empfiehlt Miriam Mottl von der Klinik für Gynäkologie, Geburtshilfe und Gynäkologische Endokrinologie am Kepler-Universitätsklinikum Linz. "Das bedeutet aber nicht, dass all jene, die noch nicht die Möglichkeit einer Impfung haben, ihren Kinderwunsch aufschieben sollten." Aus Gründen der Vorsicht wird derzeit empfohlen, die Impfung etwa einen Monat vor einer geplanten Schwangerschaft durchführen zu lassen.

Die Entscheidung über Nutzen und Risiko der Covid-Schutzimpfung während einer Schwangerschaft sollte jedenfalls individuell und gemeinsam mit dem betreuenden Arzt gefällt werden. (lhag, 29.4.2021)