In Großbritannien war der Durst nach dem Lockdown riesig. Jetzt gibt es zu wenig Bier.

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In Österreich sollen ab dem 19. Mai große Öffnungsschritte nach dem Lockdown erfolgen. In Großbritannien ist das angesichts des Impffortschritts schon seit Mitte April der Fall. Dort dürfen neben Fitnessstudios und Friseuren auch wieder Pubs durstige Gäste empfangen. Der Brite Barry Stevens besitzt ein kleines Pub in Wien-Landstraße. Er ist gerade aus London zurückgekehrt – und hat mit eigenen Augen gesehen, wie groß der Durst auf der Insel nach dem Lockdown war.

STANDARD: In Großbritannien wird das Bier knapp. Sie waren vor Ort. Wie schlimm ist die Lage?

Stevens: Die Bierkarten sind kleiner, das ist wirklich ungewöhnlich für Großbritannien. So etwas habe ich noch nicht gesehen. Die einzige Erklärung, die ich dafür habe, ist, dass es nach dem Ende des Lockdowns nicht genügend Bier von jeder Sorte und Marke gibt. Die Brauereien sind jetzt gefordert. Aber Sie dürfen nicht vergessen: In Großbritannien waren Pubs länger geschlossen als in Österreich.

STANDARD: Abgesehen von der Bierknappheit, wie war die Stimmung in England nach den Öffnungen?

Stevens: Die Stimmung ist sehr gut. Die Menschen sind einfach glücklich, Freunde zu treffen, die sie lange nicht mehr gesehen haben. In Großbritannien ist das wieder unter sicheren Umständen möglich. Auch das Wetter war wunderbar. Den Briten geht es wieder richtig gut, auch psychisch. Immerhin gehören Pubs zur britischen Kultur.

Barry Stevens blickt mit Zuversicht auf die Zeit nach dem Lockdown.
Foto: privat

STANDARD: In Österreich soll die Gastronomie am 19. Mai öffnen. Wird man dann auch Ihr Pub besuchen können?

Stevens: Nein, leider nicht. Wir haben nur einen kleinen Gastgarten. Solange wir auch nicht drinnen aufmachen dürfen, zahlt es sich nicht aus. Aber das ist okay, solange wir möglichst bald – wenn es sicher ist – ganz öffnen können. Dann werden wir einen guten Sommer haben.

STANDARD: Rechnen Sie hierzulande mit einem Ansturm auf Restaurants und Pubs wie in Großbritannien?

Stevens: Möglich. Ich hoffe natürlich, dass unsere Brauereien darauf vorbereitet sind.

STANDARD: Haben Sie genügend Bier auf Lager?

Stevens: Ich habe ein paar geschlossene Fässer auf Lager. Ich muss nur prüfen, ob die noch okay sind. Wenn die Fassbiere gut sind, dann habe ich sehr viel Bier.

STANDARD: Werden wir im Sommer so feiern können wie vor der Pandemie?

Stevens: Wenn es Einschränkungen gibt, dass wir nur bis 21 oder 22 Uhr offen haben dürfen, wird es schwierig. Sollten wir aber bis 23 Uhr offen halten dürfen, wird das Geschäft schon gut gehen. Dann können wir auch die Spiele der Fußball-Europameisterschaft zeigen. (Matthias Balmetzhofer, 3.5.2021)