In den Vereinigten Arabischen Emiraten wurden Autobahnen mittels Drohnen desinfiziert. Eine Maßnahme, die keinerlei Wirkung im Kampf gegen das Coronavirus zeigte.

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Seit über einem Jahr hält die Corona-Pandemie die gesamte Welt in Atem. Dabei scheint kein Land der Welt vor den Auswirkungen des neuartigen Sars-CoV-2-Virus und seinen zahlreichen Mutationen gefeit. Im Umgang mit der Pandemie und ihren Folgen unterscheiden sich die Staaten aber offenbar sehr stark voneinander.

Während einige beispielsweise verstärkt auf die Eigenverantwortung der Bürgerinnen und Bürgern setzen, gehen und gingen andere mit strikten Kontrollen und scharfen Verboten gegen Covid-19 vor.

An einigen Stellen hat die Pandemie auch außergewöhnlich sonderbare Blüten getrieben, wie der Krisenfrühwarn-Experte A3M feststellt. Hier sind neun spezielle Auswüchse der Corona-Krise:

Thailand und Spanien

In Thailand und einigen Regionen Spaniens erließen die örtlichen Behörden sehr schnell Rauchverbote für die Bevölkerung – teilweise sogar draußen an der frischen Luft. Was zunächst ein wenig abstrus schien, ließ sich bereits kurze Zeit später wissenschaftlich bestätigen: Forscher fanden tatsächlich heraus, dass Zigarettenrauch unter Umständen die Ansteckungsgefahr durch das Virus erhöhen kann.

Vereinigte Arabische Emirate

Die Vereinigten Arabischen Emirate besitzen die siebtgrößten Ölvorkommen der Welt – ein Umstand, der dem kleinen Staat im Osten der Arabischen Halbinsel unglaublichen Wohlstand bescherte, der mitunter außergewöhnliche Formen angenommen hat. Die Idee, zur Eindämmung des Virus die Autobahnen im Land flächendeckend mithilfe von Drohnen aus der Luft desinfizieren zu lassen, erscheint jedoch selbst für Dubai und Co außergewöhnlich. Den Behörden war der Aufwand dennoch einen Versuch wert – die Umsetzung der Maßnahme verlief jedoch erfolglos.

Georgien

Auch Georgien präsentierte sich in puncto Flächendesinfektion zur Bekämpfung des Virus kreativ: Anstatt auf moderne Technik setzten die Behörden vor Ort auf den klassischen Besen und ließen damit den Teer in der Hauptstadt Tiflis auf Hochglanz polieren. Dank des Einsatzes zahlreicher Gemeindemitarbeiter strahlten die öffentlichen Plätze in der Millionenmetropole so schön wie nie zuvor. Trotz aller Bemühungen blieb das Konzept im Kampf gegen das Virus allerdings weitestgehend wirkungslos.

Turkmenistan

Schon Mitte Juli 2020 erließ die Regierung Turkmenistans für ihre Bürger eine ausdrückliche Empfehlung zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes in der Öffentlichkeit. Das autoritäre Regime begründete die Maßnahme allerdings nicht mit dem dadurch verminderten Risiko, sich mit dem Virus zu infizieren, sondern verwies auf eine erhöhte Staubkonzentration in der Luft. Offensichtlich ein Vorwand: Denn die Behörden Turkmenistans hatten bis zu diesem Zeitpunkt ganz offiziell noch keinen einzigen Corona-Fall registriert.

Tansania

Äußerst ungewöhnlich handelte auch die Führung Tansanias im Osten Afrikas, die bereits im April 2020 aufgehört hatte, die Zahl der Neuinfektionen zu registrieren. Die Regierung verschloss die Augen vor dem Virus und stürzte das Land damit in eine Katastrophe. Mindestens zehn bislang unbekannte Mutationen sollen in Tansania grassieren und sich weiterhin ausbreiten können. Die eigene Verweigerungshaltung bezahlten in den letzten Monaten sowohl der Vizepräsident von Sansibar als auch der tansanische Staatspräsident John Magufuli mit dem Leben.

Bolivien

Viele Länder entwickelten im Laufe der Krise spezielle Lockdownmodelle, um das öffentliche Leben zu regulieren und so die Ausbreitung des Virus nachhaltig zu reduzieren. Einige südamerikanische Staaten setzen dabei auf ganz besondere Strategien: In Bolivien beispielsweise entschieden kurz nach Beginn der Pandemie die letzten Ziffern des Personalausweises darüber, wer zu welchem Zeitpunkt einkaufen gehen durfte und wer nicht. Das Land befindet sich weiterhin in einem Lockdown, die Maßnahme ist aber mittlerweile aufgehoben.

Panama

Auch in Panama tüftelten die örtlichen Behörden kurz nach Ausbruch der Pandemie an einer einfachen, sehr außergewöhnlichen Lockdownlösung, um die Bewegungen der Bürgerinnen und Bürger im öffentlichen Leben zu begrenzen. Der Staat führte eine außerhalb der eigenen vier Wände geltende, flächendeckende Geschlechtertrennung ein. Männer und Frauen durften jeweils nur an unterschiedlichen Tagen das Haus verlassen.

Usbekistan

In Zeiten von Reisebeschränkungen und Flugverboten ist es für beinahe alle Länder dieser Welt schwer, Touristen anzulocken. Manche Staaten schlugen deswegen auch in diesem Segment ungewöhnliche Wege ein: Usbekistan zum Beispiel versprach allen Reisenden 3.000 US-Dollar, sollten sich diese im Land mit Corona anstecken. Dabei handelte es sich konkret um die Zusage, dass im Falle einer Infektion die Kosten der Behandlung in einem usbekischen Krankenhaus gedeckt sind. Die Maßnahme rief zwar ein großes Medienecho hervor, dennoch gingen die Besucherzahlen in Usbekistan im letzten Jahr um 77 Prozent zurück.

Deutschland

Nicht zuletzt lohnt hinsichtlich abstruser Pandemieblüten auch ein Blick nach Deutschland: Wenn es um die Namensgebung der einzelnen Corona-Maßnahmen geht, ist die Bundesrepublik nämlich ganz vorne mit dabei. Vom "Lockdown light" über den "Wellenbrecher-Lockdown" und die "Osterruhe" (Österreich kann ein Lied davon singen) bis zur "Bundesnotbremse" ließen sich die Behörden immer wieder neue Namen für entsprechende Maßnahmen und Konzepte einfallen. Dass das auch unkomplizierter geht, zeigt beispielsweise Paraguay – dort setzte die Regierung von Anfang an auf eine "Cuarantena Inteligente", was zumindest dem Namen nach zu urteilen nach einer vernünftigen Lösung klingt. (red, 5.5.2021)