Touristen beobachten in einem Wildtierpark nahe Johannesburg ein Löwenjunges.

Foto: Reuters / Tim Cocks

Johannesburg – Südafrika sagt der umstrittenen Löwenzucht-Industrie im Land den Kampf an. Nachdem Umweltministerin Barbara Creecy entsprechende Empfehlungen für einen Stopp des millionenschweren Geschäfts mit der Zucht von Löwen in Gefangenschaft angekündigt hat, gibt es Beifall von Tierschützern. "Dies bedeutet auch das Ende von "Kuschel-Selfies" von Touristen mit Löwenbabys", schreibt die Tierschutzorganisation Humane Society International-Africa (HSI-Africa) in einer Erklärung.

Tiere "kommerziell verwertet"

Nach ihren Schätzungen werden in Südafrika landesweit knapp 11.000 in Gefangenschaft gezüchtete Löwen auf über 260 Löwenfarmen gehalten. "Diese Entscheidung ist ein großer Erfolg für die südafrikanischen Löwen", betont HSI-Afrika-Direktorin Audrey Delsink. Die Raubtiere würden von der Geburt bis zum Tod kommerziell verwertet – dazu gehören auch sogenannte Kuschel-Fotos mit sehr jungen Löwenbabys, für die Touristen zahlen. "Anschließend, sobald die Löwen erwachsen sind, werden sie Trophäenjägern angeboten, die sie in einem eingezäunten Gebiet erschießen und für den internationalen Handel mit Löwenknochen töten", kritisiert die Organisation. Deutschland gilt in der EU als eines der Hauptimportländer für Löwentrophäen aus Südafrika.

"Kein Angriff auf Jagdindustrie"

Ministerin Creecy hatte ihre Empfehlungen am Wochenende im Rahmen einer Überprüfung der bestehenden Richtlinien und Praktiken zum Umgang und Handel mit Elefanten, Löwen, Leoparden und Nashörnern verkündet. Sie will damit die Zucht von Löwen in Gefangenschaft und den kommerzielle Handel mit Löwenprodukten künftig verhindern. "Es ist wichtig zu betonen, dass sich die Empfehlungen nicht gegen die Jagdindustrie richten", hatte sie erklärt und betont: "Das Verhindern der Jagd auf Löwen in Gefangenschaft ist auch im Interesse der echten Wildtier-Jagdindustrie." (APA, 5.5.2021)