Während die Bevölkerung eingesperrt ist, dürfen sich Touristen in der Türkei frei bewegen.

Foto: REUTERS/Murad Sezer

Istanbul – "Turkey unlimited. Now available without Turks", frei übersetzt: "Kommen Sie in die Türkei. Jetzt auch ohne Türken", heißt es in einer Fake-Tourismuswerbung in den sozialen Medien, die sich über den Anblick ausländischer Touristen lustig macht, die durch ruhige Straßen streifen, während die meisten Türken aufgrund des neuen, harten Lockdowns zu Hause bleiben müssen.

Tatsächlich hat die Regierung ausländische Urlauber von der zweieinhalbwöchigen Sperre ausgenommen. Seitdem regt sich Widerstand im Land: In den sozialen Medien kursieren Bilder von feiernden Touristen an der Mittelmeerküste oder Berichte von Einheimischen, die mit Geldstrafen belegt wurden, weil sie sich im Freien aufhielten, während sich ausländische Besucher nach Belieben frei bewegen können.

Verständnis und ...

"Das ist jetzt eine großartige Zeit für Touristen, weil die Türken nicht ausgehen können", sagt der Touristenführer Kadir, gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, während er vor Istanbuls Topkapi-Palast aus dem 15. Jahrhundert nach Kunden Ausschau hält. Er kann die Frustration der Einheimischen nicht nachvollziehen. "Die Touristen haben immerhin dafür bezahlt", meint er und: "Der Tourismus ist wichtig für die Türkei, das Wirtschaftsleben muss weitergehen."

Die Einnahmen aus dem Tourismus sind im vergangenen Jahr um zwei Drittel auf zehn Milliarden Euro eingebrochen. Die Branche hat einen Anteil von zwölf Prozent an der türkischen Wirtschaftsleistung. Man hofft, dass die aktuellen Maßnahmen die Saison retten werden.

Dass die Touristen ausbleiben spürt auch Kadir: Derzeit besuchen nur rund 1.000 Menschen täglich den Palast, üblicherweise sind es sonst etwa 15.000. Die Besucher kämen hauptsächlich aus der Ukraine, Russland und Lateinamerika sowie britische Pakistaner auf dem Rückweg von Reisen nach Pakistan, sagt er.

Außerhalb der Blauen Moschee aus dem 17. Jahrhundert auf dem nahegelegenen Sultanahmet-Platz haben die Touristen gemischte Gefühle bezüglich ihres Urlaubs, da die Türkei darum kämpfe, die neue Coronawelle in den Griff zu bekommen, die das Land weltweit den vierten Platz bei der Anzahl der täglichen Fälle gebracht hat. "All diese Orte sind auf Touristen angewiesen. Wenn sie nicht hier wären, würde alles schließen", sagt etwa Faisal Cheema ein Gastronom aus Manchester, der auf der Rückreise von einem Besuch in Pakistan für zehn Tage in der Stadt ist. "Aber es ist auch nicht gut für die Touristen", meint er: "Wenn man abriegelt, sollte man richtig abriegeln."

... Frustration

Andernorts in der normalerweise geschäftigen Metropole mit 15 Millionen Einwohnern richtete die Polizei Kontrollpunkte an den Hauptstraßen ein, um zu überprüfen, ob diejenigen, die unterwegs sind, dafür auch eine Erlaubnis haben. Den Einheimischen ist es immer noch erlaubt, die wichtigsten Einkäufe in den örtlichen Lebensmittelgeschäften zu erledigen, und Millionen von Menschen, die in der Industrie und in Schlüsselsektoren tätig sind, dürfen ihrer Arbeit nachgehen. Dennoch wurden Tausende wegen Verletzung des Lockdowns mit Geldstrafen belegt.

Die Frustration über die Restriktionen wurde angeheizt, als diese Woche ein Video in den sozialen Medien kursierte, das eine große Menge ausländischer Touristen beim Feiern in einem Hotel in der mediterranen Touristenhochburg Antalya zeigte. Der Vorfall wurde in den türkischen Medien ausführlich behandelt, was den Gouverneur von Antalya dazu veranlasste, eine Erklärung herauszugeben, in der es hieß, dass das gezeigte Hotel nun seinen Betrieb für die Dauer der Pandemie einzustellen habe. (Reuters, red, 5.5.2021)