Bei Zalando laufen die Geschäfte prächtig.

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Europas größter Online-Modehändler Zalando will den Schub in der Coronakrise nutzen, um erstmals die Umsatzmarke von 10 Mrd. Euro zu knacken. Die Erlöse würden 2021 um 26 bis 31 Prozent zulegen und damit auf 10,1 bis 10,5 Mrd. Euro klettern, kündigte das in Berlin ansässige Unternehmen am Donnerstag an, das nach einem guten Jahresauftakt seine Prognose anhob.

"Zalando hat im ersten Quartal 2021 sein bisher stärkstes Wachstum seit dem Börsengang 2014 erzielt", sagte Finanzvorstand David Schröder. Inzwischen zählt Zalando 41,8 Millionen Kunden – vor Beginn der Pandemie waren es 31 Millionen.

Die Analysten von Bernstein sprachen davon, dass Zalando auf dem Weg zu einem "überdimensionalen" Jahr sei. Am Aktienmarkt fand diese Erwartung zunächst keinen Widerhall. Das im MDax notierte Papier bewegte sich kaum. Zalando wird inzwischen als aussichtsreicher Kandidat für den deutschen Leitindex Dax gehandelt.

Boom

Zalando profitiert ähnlich wie die Konkurrenten AboutYou aus Hamburg sowie Asos und Boohoo aus Großbritannien davon, dass immer mehr Menschen im Lockdown ihre Kleidung online kaufen. Zudem zahlt sich aus, dass die europäische Nummer eins sich stärker als Plattform-Anbieter etabliert, über den andere Händler, Modemarken oder stationäre Geschäfte ihre Waren verkaufen und dafür wie auch für Logistik-Dienstleistungen Provisionen an Zalando zahlen.

Von Jänner bis März legte der Umsatz um fast 47 Prozent auf 2,2 Mrd. Euro zu und lag damit im Rahmen der im April veröffentlichten vorläufigen Zahlen. Das bereinigte Betriebsergebnis (Ebit) betrug 93,3 Mio. Euro nach einem Verlust von fast 100 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum. Zalando kam zu Gute, dass weniger Kunden ihre Waren retournierten. Im Gesamtjahr soll das bereinigte Ebit auf 400 bis 475 Mio. Euro klettern. Bisher waren maximal 425 Mio. Euro prognostiziert worden.

Aktuell ist der Modehändler, der inzwischen auch Second-Hand-Mode und Kosmetik verkauft, mit rund 14.000 Mitarbeitern in 17 Ländern aktiv. Das weitere Wachstum soll sich auch aus der Expansion in acht neue Länder speisen. So will Zalando noch in diesem Jahr sein Geschäftsgebiet um Estland, Kroatien, Lettland, Litauen, Slowakei und Slowenien ausweiten.

Ausbau

Um das zu bewältigen, wird das bestehende Logistiknetzwerk auf 15 von derzeit zehn Zentren ausgebaut werden. Neue Lager in Madrid und Rotterdam gehen in Kürze an den Start, bis 2023 sollen zudem neue Zentren in Deutschland, Frankreich und Polen eröffnet werden. Mit diesem Logistiknetzwerk könnten dann Waren im Umfang eines Bruttowarenvolumens (GMV) – der Wert aller verkauften Waren – von 18 Mrd. Euro abgewickelt werden, sagte Schröder. Im vergangenen Jahr lag der GMV bei 10,7 Mrd. Euro und soll bis 2025 auf mehr als 30 Mrd. Euro klettern.

Dieses Jahr soll er die Marke von 14 Mrd. Euro überspringen. Schröder rechnet damit, dass das Geschäft mit der Lockerung von Lockdowns in Europa in der zweiten Jahreshälfte "zu einer neuen Normalität" zurückkehrt.