Ich habe mich für einen anderen Weg entschieden, weil mir die Gesundheit der Menschen das Wichtigste ist", hatte Wiens Bürgermeister Michael Ludwig seinem Parteifreund, dem roten burgenländischen Landeshauptmann Hans Peter Doskozil, vor einigen Wochen ausgerichtet, als dieser aus dem damals harten Lockdown der Ostregion ausscherte und sein Bundesland wieder ein wenig öffnete. Drei Wochen später sieht die Sache jetzt anders aus.

Am 19. Mai soll die Gastronomie bundesweit wieder ihre Tore öffnen.
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Das Burgenland leuchtet auf der Corona-Ampel als einziges Bundesland wieder orange, weil die Inzidenzahlen signifikant gesunken sind. Warum, ist noch nicht klar. War der frühe Öffnungskurs der Burgenländer also richtig? Nicht unbedingt. Im Nachhinein war die Öffnung im Burgenland ein Risiko – auch wenn es gutgegangen ist. "Dass es auch anders hätte kommen können, zeigt das Beispiel Vorarlberg", gibt auch der Komplexitätsforscher Peter Klimek zu bedenken.

Die Hauptstadt Wien hat mit dem längeren Lockdown sicher richtig gehandelt, um die Zahlen weiter nach unten zu drücken und jetzt die bundesweite Öffnung der Gastronomie, des Handels, der Kultur und des Sports am 19. Mai zu wagen.

Es bleibt dennoch weiterhin ein Risiko. Allen muss bewusst sein, dass das Aufsperren nicht "ein Leben wie früher" bedeutet. Sollte die Öffnung in diese Richtung missverstanden werden, sind wir bald wieder im nächsten Lockdown. (Walter Müller, 6.5.2021)