Wer jetzt nach San Marino reist, schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe. Der malerische Zwergenstaat, der seine Bevölkerung schon komplett geimpft hat, lockt Touristen mit einem Sonderangebot. Urlauber, die in einem der dortigen Hotels auslüften wollen, können sich mit der Buchung gleich für die Impfung mit dem russischen Sputnik-Vakzin anmelden.

Nicht nur die heimische Gastronomie und Hotellerie warten schon ungeduldig auf den Startschuss für die Öffnungen. Griechenland hat bereits am Freitag die Urlaubssaison eröffnet. "Wir lassen die dunklen Wolken der Angst und Unsicherheit hinter uns", verhieß Tourismusminister Harry Theoharis vor dem antiken Poseidontempel am Kap Sunion ein bisschen pathetisch. Italien kündigte das Quarantäneende für Besucher aus der EU, Großbritannien und Israel an. Auch auf der spanischen Urlaubsinsel Mallorca öffnen immer mehr Hotels ihre Pforten.

Silberstreif am Horizont

Reyes Maroto ist der Optimismus in Person. Egal wo die spanische Ministerin für Industrie, Handel und Tourismus auftritt, verspricht sie die Rückkehr der internationalen Urlauber ab Juni, redet viel vom Impfausweis und fordert die Spanier auf, "schon mal den Sommerurlaub zu reservieren". Die Tourismusbranche, die vor der Pandemie zwölf Prozent des spanischen BIPs ausmachte, werde sich, so Maroto, deutlich erholen. "Diesen Sommer werden wir wieder die Hälfte des Geschäftes machen, wie im Spitzenjahr 2019", sagt die sozialistische Politikerin. Nach dem Komplettzusammenbruch 2020, der der Branche einen Verlust von 116 Milliarden Euro bescherte, ein Silberstreif am Horizont.

Ein Hauch von Normalität in Venedig.
Foto: Filippo Ciappi/LaPresse via AP

Während Brüssel daran arbeitet, die Reisebedingungen innerhalb der Union weiter zu lockern, und gar davon die Rede ist, geimpfte US-Bürger einreisen zu lassen, hat Maroto vor allem den britischen Markt – und damit Reisende von außerhalb der EU – im Auge. Vor der Pandemie kamen knapp 84 Millionen Besucher pro Jahr, das ist fast doppelt so viel wie die Bevölkerung Spaniens, 18 Millionen davon Briten. Sie führen vor Deutschland und Frankreich die Besucherstatistik. Auch über 900.000 Österreicher reisten 2019 nach Spanien.

Das Land auf der Iberischen Halbinsel ist die Nummer vier in der Gunst der alpenländischen Reisenden nach Italien, Deutschland und Kroatien. Für die Bürger der EU soll es der Impfausweis richten, für die Briten die Statistik. Doch das hat einen Haken. Zwar liegt das Vereinigte Königreich mit weniger als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner alle 14 Tage deutlich unter den 150, ab der eine Einreise nach Spanien nur in dringenden Fällen und unter erschwerten Bedingungen möglich ist, doch umgekehrt ist das nicht so. Spanien weist einen 14-Tage-Wert von 174 auf. London rät deshalb nach wie vor von Reisen nach Spanien ab. Wer dennoch fährt, muss nach der Rückkehr in Quarantäne und zwei Tests über sich ergehen lassen. Die spanische Regierung hofft auf rasche Besserung der Lage im Land dank der Impfung. Regierungschef Pedro Sánchez verkündete kürzlich, dass Ende August die Herdenimmunität erreicht sei.

Lust auf Urlaub

"Wir setzten darauf, dass sich die spanische Nachfrage nach Ende des Alarmzustands Stück für Stück erholt und die Auslandsnachfrage ab Juli zunimmt", erklärt José Luis Zoreda, Vizepräsident des Tourismusverbandes Exceltur. Die Spanier haben nach Ende des sechsmonatigen Alarmzustands mit Reiseverbot im Land am 9. Mai tatsächlich Lust auf Urlaub. Ob sie bei der hohen Zahl von Kurzarbeitern und Arbeitslosen auch das Geld haben, wird sich zeigen. Auch hier sprüht Ministerin Maroto vor Optimismus: "Tatsächlich kann ich euch ankündigen, dass die Reservierungen in die Höhe schnellen", erklärte sie im März in einem Fernsehinterview.

Einsame Strände, das haben zwar manche Touristen gerne, aber die Tourismuswirtschaft lechzt nach Gästen.
Foto: : EPA / Kai Foersterling

Zumindest im Herbst werden die Hotelbetreiber einheimische Kundschaft haben. Dann läuft das Programm Imserso wieder an. Dabei handelt es sich um von der Sozialversicherung organisierte günstige Reisen für Rentner. Dieses Programm füllt von jeher die Hotels an den Stränden Spaniens in der Nebensaison. Da die älteren Menschen so gut wie alle geimpft sind, wird die Imserso-Kampagne wohl fast so normal verlaufen wie vor der Pandemie.

Der Weg zurück zur Normalität wird mindestens bis 2022 dauern. Noch befinden sich 750.000 Menschen aus der Tourismusbranche in Kurzarbeit. Sie werden langsam an ihre Arbeitsplätze zurückkehren. Die Regierung wird die Kurzarbeitsprogramme Ende Mai ein weiteres Mal bis Ende September verlängern. Außerdem wird das Tourismusministerium der Branche mit 3,4 Milliarden bei der Modernisierung unter die Arme greifen.

Die Flugpreise in Europa sind jedenfalls nach einer Auswertung des Vergleichsportals Idealo derzeit stabil. Das könnte sich ändern. Nach Österreich will auch Deutschlands Finanzminister Olaf Scholz gegen Billigflüge vorgehen. Unterstützung bekommt der SPD-Mann von der grünen Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock, die im Fall einer Regierungsübernahme ebenfalls Flugreisen teurer machen will. (Reiner Wandler aus Madrid, 17.5.2021)