Bill Gates' Sprecher bestreitet einen Zusammenhang zwischen dem Microsoft-Abgang des Milliardärs und den Ermittlungen zu der Affäre.

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Bill Gates Rücktritt als Vorstandschef von Microsoft im März 2020 scheint nicht so freiwillig gewesen zu sein, wie der Milliardär zunächst glauben ließ. Einem Bericht des "Wall Street Journal" zufolge sind unmittelbar vor seinem Rückzug Untersuchungen zu einer zwanzig Jahre zurückliegenden Affäre Gates' mit einer Microsoft-Mitarbeiterin angestellt worden. Infolgedessen sollen einige Vorstandsmitglieder der Meinung gewesen sein, dass der langjährige Microsoft-Chef zurücktreten sollte, doch Bill Gates kam dem zuvor, noch bevor die Untersuchungen zur Affäre abgeschlossen werden konnten.

Affäre vor 20 Jahren

2019 habe der Vorstand von Microsoft eine Rechtskanzlei beauftragt, eine zwanzig Jahre zurückliegende Affäre zwischen Gates und einer Mitarbeiterin zu untersuchen, heißt es im Bericht. Die Ermittlungen in Gang gesetzt hatte ein Brief der besagten Mitarbeiterin, in dem diese behauptete, dass sie sich mehrere Jahre in einer sexuellen Beziehung mit Gates befunden habe.

Ein Sprecher von Microsoft bestätigte den Fall gegenüber dem "Wall Street Journal": Microsoft in der zweiten Hälfte des Jahres 2019 Informationen erhalten, dass "Bill Gates im Jahr 2000 eine enge Beziehung zu einer Mitarbeiterin des Unternehmens aufnehmen wollte". In der Erklärung heißt es auch, dass der Vorstand in weiterer Folge Ermittlungen eingeleitet und die betroffene Mitarbeiterin unterstützt habe. In den vergangenen Jahren hat sich Microsoft verstärkt für den Kampf gegen sexuelle Belästigung im Unternehmen eingesetzt, nachdem dutzende Mitarbeitende von Bedrängungen am Arbeitsplatz berichtet hatten.

Mitglieder wollten Rücktritt

Angesichts der Untersuchungen sollen einige Vorstandsmitglieder beschlossen haben, dass es "nicht mehr angemessen" sei, Bill Gates als Vorstandschef von Microsoft zu behalten. Noch bevor eine offizielle Entscheidung gefällt werden konnte, soll Gates bereits eigenständig zurückgetreten sein.

Bill Gates bestreitet jedoch, dass das Bekanntwerden der Affäre im Zusammenhang mit seinem Rückzug von Microsoft stehe. "Vor fast 20 Jahren gab es eine Affäre, die einvernehmlich endete", sagte ein Sprecher von Bill Gates. Den Wunsch, sich künftig verstärkt seinen philanthropischen Projekten widmen zu wollen, habe Gates bereits Jahre zuvor geäußert, ergänzte der Sprecher.

Kontakt zu Jeffrey Epstein

Seit der Scheidung zwischen Melinda und Bill Gates im April kommen vermehrt Details über das Leben des Milliardärs zum Vorschein. Wie die "New York Times" berichtete, soll Bill Gates' Kontakt zum verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein auch einen Scheidungsgrund für Melinda Gates dargestellt haben. Medienberichten zufolge soll diese die Scheidung eingeleitet haben, als die Verbindung zwischen Epstein und Gates publik gemacht wurde. Berichten zufolge hinterfragte auch Microsofts Vorstand diese Verbindung, diesem wurde jedoch versichert, dass sich die Beziehung rein auf Philanthropie konzentriere. (hsu, 17.5.2021)