Ein Paar am Wolfgangsee. Die Lust auf Urlaub scheint nach Monaten des Eingesperrtseins heuer noch stärker ausgeprägt als im vergangenen Jahr.

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Die Sommerfrische scheint heuer vorverlegt. Kein warmer Mairegen wie sonst um diese Jahreszeit, stattdessen eine ausgeprägte Tiefdruckzone, die quer über Europa hängt. Den Touristikern geht es, bildlich gesprochen, derzeit ähnlich. Nach sechseinhalb Monaten verordneter Schließung dürfen Hotellerie und Gastronomie unter Einhaltung strenger Sicherheitsauflagen ab Mittwoch wieder Gäste empfangen. Aber nicht für alle wird es sich wirtschaftlich rechnen, zumindest nicht vom Start weg.

"Wir sperren auf, aber noch mit ein wenig Bauchweh", sagt Ines Dombois, Direktorin des Hotels Herzoghof in Baden bei Wien. "Die Auslastung ist noch nicht so, wie wir sie bräuchten. Aber wir müssen ja irgendwann ein Zeichen setzen, dass es uns noch gibt. Deswegen öffnen wir am Mittwoch und hoffen, dass sich die Situation entspannt."

Durststrecke für Stadthotellerie

Während die Ferienhotellerie und die Gastronomie abseits touristischer Hotspots durchwegs guten Mutes sind, dass die Kassen rasch wieder klingeln, stellt sich insbesondere die Stadthotellerie auf eine längere Durststrecke ein. Gäste aus dem asiatischen Raum, die zuletzt in steigender Zahl nach Europa aufgebrochen sind und dabei auch in Städten wie Wien oder Salzburg haltgemacht haben, dürften wohl für längere Zeit Überseereisen meiden. Dies auch deshalb, weil beispielsweise Länder wie China, wo Corona vor eineinhalb Jahren den Ausgang nahm, das Virus nicht wieder reimportiert sehen möchten und deshalb bremsen. So kommt es, dass manche Hotels mit einem hohen Anteil an internationalen Gästen sukzessive, aber nicht unbedingt schon diesen Mittwoch öffnen.

Auch in der Stadthotellerie laufen die Vorbereitungen für die Wiedereröffnung auf Hochtouren. Auf internationale Gäste, da ist man sich einig, wird man noch länger warten müssen.
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Die zum Verkehrsbüro gehörenden Austria Trend Hotels beispielsweise gehen diesen Weg. Neun Hotels der Gruppe, die während des Lockdowns für Geschäftsreisende durchgehend offen geblieben sind, bleiben dies auch weiterhin. Noch in dieser Woche kommen acht Hotels hinzu, darunter das Hotel Europa und das Parkhotel Schönbrunn in Wien, das Radison Blu Altstadt Salzburg sowie das Sporthotel Fontana in Fieberbrunn, Tirol. Bis Ende Juni sollen dann schrittweise sieben weitere Hotels der Gruppe aufsperren, darunter das Astoria, das Savoyen und das Hotel Wilhelminenberg in Wien sowie das Hotel Salzburg Mitte in der Mozartstadt.

Mehrheit der Österreicher bleibt in Österreich

Die Reiselust jedenfalls scheint ungebrochen und sogar noch stärker ausgeprägt als in den vergangenen Jahren. Das zeigt eine repräsentative Umfrage von Karmasin Research unter 1.000 Personen in Österreich, die am Montag zum Auftakt der Österreichischen Tourismustage präsentiert wurde. Demnach planen 45 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher für heuer einen Sommerurlaub, das sind um 15 Prozentpunkte mehr als vor einem Jahr zur selben Zeit.

58 Prozent dieser "Urlaubsplaner" wollen ihren Sommerurlaub im Inland, sprich in Österreich verbringen. Kurzurlaube sind dabei weniger gefragt. 81 Prozent der Urlaube werden fünf Tage oder länger dauern, geht aus der im Auftrag der Österreich Werbung erstellten Umfrage hervor.

Sicherheit oberste Priorität

Ein entscheidendes Kriterium für die Urlaubs- und Quartierwahl sei heuer das Vertrauen in die Gastgeber beim Umgang mit der Pandemie. "Für 71 Prozent ist Sicherheit vor Corona während des Österreich-Urlaubs wichtig oder sehr wichtig. Und mit 70 Prozent haben fast genauso viele Befragte hohes oder sehr hohes Vertrauen in die Branche, die Schutzmaßnahmen verlässlich umzusetzen", sagt Sophie Karmasin vom gleichnamigen Institut. Die Akzeptanz für die in Österreich angedachten Maßnahmen sei generell hoch: Umfangreiche kostenlose Testangebote in den Tourismusorten und das Grüne Zertifikat als "Eintrittskarte" für Getestete, Geimpfte und Genesene werte die große Mehrheit als sinnvolle und überzeugende Maßnahmen.

Kurz verspricht Normalität im Sommer

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) stellte am Montag ein schrittweises Zurückfahren der strengen Auflagen mit zunehmendem Impffortschritt in Aussicht: "Wir werden im Sommer zur Normalität zurückkehren können."

Das hofft auch die abtretende Chefin der Österreich Werbung, Petra Stolba, vor allem hinsichtlich der Reisefreiheit. Dazu brauche es dringend einheitliche, europaweit gültige Ein- und Ausreiseregeln. Bei deutschen Gästen, die in Normaljahren 50 Prozent der heimischen Auslandsnächtigungen ausmachen, stehe Österreich jedenfalls hoch im Kurs – nach Italien und Spanien auf Platz drei.

Das kann auch Ines Dombois vom Vier-Sterne-Hotel Herzoghof in Baden bestätigen: "Die ersten Deutschen bewegen sich schon – Gott sei Dank. Die brauchen wir auch." (Günther Strobl, 17.5.2021)