Foto: Getty Images

Reden wir über die Liebe. Oder vielleicht wäre Verehrung das bessere und Obsession überhaupt das treffendere Wort. In der Sprache der Popkultur gibt es zwei interessante Begriffe, die "jemanden über die Maßen toll finden" bedeuten, einmal ohne romantischen Beigeschmack, einmal mit. Erstens "stan" beziehungsweie "to stan". Mehr als 20 Jahre ist es her, dass Eminem seinen Hit Stan veröffentlichte, in dem es um einen Superfan, eigentlich Stalker, geht.

EminemVEVO

Das vom Namen des fiktiven Protagonisten abgeleitete Verb, also "to stan", verlor im Laufe der Jahre seinen negativen Beigeschmack. Wenn man also heute "I stan Beyoncé", sagt, bedeutet das nicht, dass man die Frau stalkt und sich und seine schwangere Freundin umbringt, weil sie einem nicht zurückschreibt (so passiert es im Song und Video zu Eminems Stan), sondern dass man sie einfach sehr großartig findet.

Unmännliche Minne

Ein zweites Wort, dass in den letzten zwei Jahren auf der App Tiktok einen Siegeszug antrat, ist "simp" – als Verb "to simp". Das Wort an sich existiert schon jahrhundertelang, leitet sich wohl von "simpleton", dem Dummkopf, ab. Im Gegensatz zu Stan wird es als Beleidigung für einen Mann verwendet, der der Frau seiner Träume viel zu viel Aufmerksamkeit (emotional, finanziell) schenkt, obwohl die Frau nichts von ihm wissen will.

Verwendungsbeispiel: Mann A: "Ich habe Anna tausend Rosen geschickt, aber sie ghostet mich!" Mann B: "Du Simp!" Woken Leserinnen und Lesern wird schon aufgefallen sein, dass der Begriff einen sexistischen Unterton hat, weil er die hohe Minne der Bewunderer als unmännlich darstellt. Tatsächlich war er, wie die New York Times (ja, auch die beschäftigen sich mit sowas) recherchiert hat, in den 2010er-Jahren unter Männerrechtlern beliebt, um jene zu bezeichnen, die unterm Joch des Feminismus eingeknickt sind.

Von dort schwappte er dann auf Tiktok, wo er zwar immer noch als Beleidigung verwendet wird, aber nicht mehr ausschließlich. Zahlreiche Accounts versuchen Simp zu einem positiven Begriff zu machen, damit also einen netten Typen zu beschreiben, der sich für die Angebetete ins Zeug legt. Nicht ausgeschlossen, dass auch der "simp", wie der "stan" vor ihm, von seiner negativen Konnotation befreit wird. (Amira Ben Saoud, 21.5.2021)