Impfung unter schwierigen Vorzeichen: Sputnik V ist in der Slowakei umstritten.

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Nun also doch: Mehr als drei Monate nach dem umstrittenen Ankauf des russischen Corona-Impfstoffs Sputnik V durch die Slowakei hat die Regierung in Bratislava beschlossen, ihn tatsächlich einzusetzen. Nach Ungarn wird die Slowakei damit das zweite EU-Land, in dem Sputnik verimpft wird. Spätestens am 7. Juni soll es so weit sein, so lautet der Kabinettsbeschluss vom Mittwochnachmittag. Bis dahin soll Gesundheitsminister Vladimír Lengvarský die Voraussetzungen schaffen, damit die 200.000 Dosen, die bereits im Land lagern, zur Anwendung kommen können.

Einen Konsens darüber gibt es in der Regierung freilich auch diesmal nicht. Ganz im Gegenteil: Einmal mehr zeigt sich, wie sehr die Kaufentscheidung, die letztlich zum Rücktritt des damaligen Premiers Igor Matovič geführt hatte, nach wie vor die politische Debatte prägt.

Spektakulärer Alleingang

Zur Erinnerung: Am 19. Februar ließ Matovič mit einem spektakulären Alleingang aufhorchen. Obwohl sich sein eigenes Kabinett nur einen Tag zuvor gegen den – von der EU-Arzneimittelbehörde EMA bis heute nicht zugelassenen – russischen Impfstoff ausgesprochen hatte, vereinbarte er mit Moskau den Ankauf von zwei Millionen Sputnik-Dosen. Und als Anfang März die erste, bisher einzige Lieferung von 200.000 Dosen am Flughafen im ostslowakischen Košice ankam, nahm er diese dort persönlich in Empfang.

Der konservativ-populistische Politiker von der Partei Gewöhnliche Menschen und unabhängige Persönlichkeiten (Oľano), der seit einem Jahr im Amt war, hatte damit den Bogen überspannt. In der Vierparteienkoalition regte sich Widerstand. Jene, die Matovič schon länger einen unberechenbaren Führungsstil vorgeworfen hatten, legten sich quer, drei Wochen später trat er zurück. Neuer Premier wurde sein Parteikollege Eduard Heger. Matovič blieb ebenfalls im Kabinett, er wurde Finanzminister.

Und noch etwas blieb: die Debatte darüber, was mit dem Impfstoff geschehen soll, der nun schon mal im Land war. Dass dieser jetzt auch ohne Zulassung der EMA und trotz der Vorbehalte der slowakischen Arzneimittelbehörde ŠÚKL und mehrerer Regierungsmitglieder verimpft werden soll, gilt als später Triumph Matovičs – und Moskaus.

Ideologische Gründe

Matovič hatte vor allem damit argumentiert, dass viele seiner Landsleute sich eben nur mit Sputnik V impfen lassen würden. Dessen Anwendung sei daher auf jeden Fall positiv für die Durchimpfungsrate in der Slowakei. Andere kritisierten die Berücksichtigung politisch-ideologischer Gründe für die Bevorzugung eines Impfstoffs und wiesen auf offene medizinische Fragen hin. So etwa bemängelte das ŠÚKL, die Hersteller hätten nur unzureichendes Dokumentationsmaterial zur Verfügung gestellt. Getestete Chargen seien zudem nicht identisch mit denen, die in die Slowakei geliefert wurden. Doch die Zeit drängte: Der Impfstoff läuft im Sommer ab.

Gesundheitsminister Lengvarský trug den Mehrheitsbeschluss des Kabinetts am Ende mit und muss ihn nun umsetzen. Auf die Frage, ob er sich auch selbst mit Sputnik V impfen lassen würde, hatte er allerdings eine klare Antwort: nein. (Gerald Schubert, 27.5.2021)