Krisen sind das Hauptthema. Beim G7-Gipfel stehen zwei Aufgaben im Mittelpunkt: die Bekämpfung der Pandemie und der Klimaschutz. Während die Impfkampagnen in den teilnehmenden Staaten mehr oder weniger gut angelaufen sind, haben die Staats- und Regierungschefs der G7-Staaten am Wochenende beim Klima noch Rede- und vor allem Handlungsbedarf.

Immerhin soll das Treffen im britischen Cornwall den Weg zum UN-Klimagipfel im November – der ebenfalls in Großbritannien stattfinden wird – ebnen. Mit am Tisch sitzen Spitzenpolitiker aus den USA, Deutschland, Großbritannien, Kanada, Frankreich, Italien und Japan sowie Vertreter der EU. Darüber hat Premier Boris Johnson einige Regierungsspitzen anderer Länder als Beobachter eingeladen.

Finanzierung von Kohlekraft im Visier

Bereits vor der Veranstaltung haben die Umweltminister der Industrienationen angekündigt, dass sie im Klimaschutz mehr vorantreiben wollen: Zum einem sollen die jeweiligen nationalen Klimaambitionen dem 1,5-Grad – und nicht nur dem 2-Grad-Ziel – entsprechen. Darüber hinaus wollen die Staaten die direkte Finanzierung von Kohlekraft im Ausland mit Ende 2021 einstellen.

Bereits im Vorfeld des Gipfels fanden in Cornwall Proteste gegen den Klimaschutzkurs der G7-Staaten statt.
Foto: Reuters/Tom Nicholoson

Die Reaktionen auf die Ankündigungen waren eher verhalten. Denn Klimaversprechen seitens der G7-Staaten gab es in der Vergangenheit viele, die tatsächlich umgesetzten Maßnahmen konnten sie aber wiederholt nicht erfüllen. Das zeigt unter anderem eine vor wenigen Tagen erschienene Analyse des kanadischen Forschungsinstituts International Institute for Sustainable Development (IISD) der NGO Tearfund und weiterer Organisationen.

Zwar hat der Großteil der G7-Staaten zuletzt höhere Klimaziele angekündigt, ihre Politik aber nicht entsprechend ausgerichtet. So haben die Staaten dem Papier zufolge zwischen Jänner 2020 und März 2021 rund 147 Milliarden US-Dollar (rund 120 Mrd. Euro) in nachhaltige Energieformen gepumpt; fossile Energieträger wie Kohle, Öl und Gas zugleich aber mit mehr als 189 Milliarden Dollar unterstützt. Jene Investitionen in Kombination mit Maßnahmen, die die fossile Industrie unterstützen, seien mit den Netto-null-Versprechen der Länder nicht vereinbar, heißt es in dem Papier. In den G7-Staaten leben zehn Prozent der globalen Bevölkerung, die Staaten sind zugleich für ein Viertel der Gesamtemissionen verantwortlich.

Kein grüner Aufbau

Auch die bisherigen Corona-Aufbaupläne der G7-Länder seien nicht grün genug, steht in der Analyse. Demnach flossen mehr als acht von zehn Dollar in fossile Infrastruktur, ohne dass "grüne Bedingungen" daran geknüpft worden seien. Zugleich sei nur einer von zehn Dollar erneuerbaren Energieträgern und und dem Ausbau der Energieeffizienz zugutegekommen. Vor allem jene Mittel, die im Verkehrssektor landeten – insbesondere bei Fluglinien –, hätten verdeutlicht, dass von einem nachhaltigen Aufschwung nach der Pandemie kaum etwas zu sehen sei.

Nicht nur Aktivisten begehren auf. Auch Wissenschafter und zahlreiche Nobelpreisträger haben sich in einem gemeinsamen Schreiben an die Gruppe der Sieben gewandt.
Foto: Ben STANSALL / AFP

Um die G7-Regierungsspitzen zum Handeln zu bewegen, haben sich auch 126 Wissenschafter und zahlreiche Nobelpreisträger in einem gemeinsamen Schreiben an die Gruppe der Sieben gewandt. "Die Menschheit nimmt enorme Risiken für unsere gemeinsame Zukunft in Kauf", heißt es in der Erklärung, in der eine Halbierung der Treibhausgasemissionen bis 2030 gefordert wird.

Oxfam wies in einer vor wenigen Tagen erschienenen Analyse zudem auf die wirtschaftliche Notwendigkeit des Klimaschutzes hin: Ohne diesen könnte die Gruppe der sieben langfristig erheblich geschwächt werden, ist dort zu lesen. Laut Oxfam wäre der klimabedingte Verlust am Bruttoinlandsprodukt doppelt so hoch wie infolge der Corona-Pandemie.

Wenig Unterstützung

Ein großes Thema auf dem Gipfel wird voraussichtlich die Klimafinanzierung ärmerer Länder sein, damit sich diese besser vor den Folgen der Erderwärmung schützen und sich an diese anpassen können. Die bisherige Unterstützung lässt laut der Oxfam-Analyse noch zu wünschen übrig: Die Industriestaaten hatten sich im Rahmen des Pariser Abkommens dazu verpflichtet, die Klimafinanzierung bis zum Jahr 2020 auf 100 Milliarden Dollar pro Jahr zu steigern. Nach Angaben der Organisation wurde dieser Wert bisher deutlich verfehlt.

Auch deshalb wird der Gipfel am Wochenende von zahlreichen Protestaktionen begleitet werden. Die Klimaschutzbewegung rund um Extinction Rebellion hat zu einem sechstägigen Klimamarsch im Zuge des Gipfeltreffens aufgerufen. In Cornwall selbst fanden bereits in den vergangenen Tagen Demonstrationen statt, die sich über das Wochenende ziehen sollen. Mit dem Motto "Drowning in Promises" – dt. "in Versprechen untergehen" – wollen Klimaschützer nicht nur auf die leeren Worte der Vergangenheit aufmerksam machen: Der durch die Klimakrise steigende Meeresspiegel könnte dem britischen Badeidyll schon bald zum Verhängnis werden. (Nora Laufer, 11.6.2021)