Anlässlich der Europareise von US-Präsident Joe Biden und seiner Frau Jill hat das Pew Research Center eine Umfrage zum Ansehen der USA in zwölf größeren Staaten Europas, Nordamerikas und der Pazifikregion veröffentlicht.

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Die große Euphorie wie einst unter Barack Obama ist es vielleicht nicht, wohl aber die Reparatur eines Imageschadens: Seit Joe Biden im Weißen Haus residiert, haben die USA in den Augen der Bewohnerinnen und Bewohner anderer Industrienationen wieder deutlich an Ansehen gewonnen. Nach Umfragen des Pew Research Center, eines renommierten Meinungsforschungsinstituts in Washington, vertrauen 75 Prozent der Bevölkerung in zwölf größeren Staaten Europas, Nordamerikas und der Pazifikregion darauf, dass der US-Präsident weltpolitisch die richtigen Entscheidungen trifft. Vor einem Jahr, als Donald Trump im Oval Office regierte, hatte der Anteil derer, die es so sahen, nur bei 17 Prozent gelegen.

Die größten Sprünge verzeichnen die Experten des Pew-Instituts in Europa. In Deutschland etwa genoss Trump vor zwölf Monaten gerade mal bei zehn Prozent der Befragten Vertrauen, während Biden nun auf 78 Prozent kommt. In Frankreich waren es elf, in Italien 16 und in Großbritannien 19 Prozent, die Trump zutrauten, das Richtige zu tun. Im Vergleich dazu, in Bezug auf Biden, die heutigen Werte: 74, 75 und 72 Prozent. Ein ähnlicher Effekt ließ sich im Jahr 2009 beobachten, nachdem George W. Bush in der Machtzentrale an der Pennsylvania Avenue von Obama abgelöst worden war.

In den vergangenen zwei Dekaden, schreiben die Verfasser des Berichts, habe jeder Wechsel im Weißen Haus stark beeinflusst, wie das Ausland auf die USA blicke. Fast zwei Drittel der Menschen in den zwölf ausgewählten Nationen haben knapp fünf Monate nach Bidens Vereidigung eine positive Meinung von den USA. Ein Jahr zuvor war es nur etwas mehr als ein Drittel gewesen. Die Entscheidung des neuen Präsidenten, dem Pariser Klimaabkommen wieder beizutreten, wird mit besonders klaren Mehrheiten begrüßt, beispielsweise von 91 Prozent der Franzosen, die Trumps Ausstieg aus der Vereinbarung lediglich zu acht Prozent für gut befunden hatten.

America first

Gleichwohl ist es ein differenziertes Bild, das die Forscher des Pew-Instituts zeichnen. Demnach hat Bidens Amtsantritt nur wenig an der weit verbreiteten Auffassung geändert, dass sich die USA in internationalen Angelegenheiten vor allem um ihre eigenen Interessen kümmern. Fast überall sind mehr als die Hälfte der Befragten der Ansicht, dass Washington die Interessen ihrer Staaten nicht in Betracht zieht, wenn außenpolitische Entscheidungen anstehen. Ausnahmen bilden Deutschland und Japan, wo knappe Mehrheiten dies anders sehen.

Die Frage, ob Amerika ein Partner ist, auf den man sich verlassen kann, wird nur von wenigen mit einem eindeutigen Ja beantwortet. Lediglich elf Prozent halten das Land für sehr verlässlich, während ihm 56 Prozent eine gewisse Verlässlichkeit attestieren.

Die von der US-Wählerschaft seit langem beklagte Politikblockade in ihrer Hauptstadt, wo Demokraten und Republikaner nur noch selten zu Kompromissen bereit sind, spiegelt sich auch in dem Bild, das sich andere machen. Eine Mehrheit von 57 Prozent stimmt der These zu, nach der die amerikanische Demokratie früher einmal ein gutes Beispiel war, in der jüngeren Vergangenheit aber nicht mehr. Lediglich 17 Prozent halten sie für ein Modell, von dem man lernen könne. Wobei die Skepsis bei den Jüngeren ausgeprägter ist als bei älteren Jahrgängen. In Deutschland etwa gaben 41 Prozent der 18- bis 29-Jährigen an, die US-Demokratie habe in ihren Augen nie als Vorbild getaugt. (Frank Herrmann aus Washington, 11.6.2021)