Boris Johnson und Joe Biden als menschgewordene Karikaturen bei einer Demonstration am Rande des G7-Gipfels.

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Ein Bekenntnis zu mehr Klimaschutz: Damit ging das Treffen der führenden westlichen Industrienationen am Sonntag zu Ende. Die Spitzen der G7 haben sich erstmals allesamt zur Klimaneutralität bis 2050 bekannt. Aber nicht nur das: Man will künftig auch pro Jahr gemeinsam 100 Milliarden Dollar für die Finanzierung des Klimaschutzes in ärmeren Ländern aufbringen.

Das ist alles grundsätzlich richtig. Jedes Kohlekraftwerk, jeder Langstreckenflug, jede Ölheizung führt dazu, dass sich die Erdatmosphäre immer weiter mit Treibhausgasen anreichert und der Planet immer wärmer wird. Wenn wir unseren Lebensstandard halten und die Ökosysteme der Erde gleichzeitig vor dem Kollaps bewahren wollen, müssen riesige Anstrengungen unternommen werden. Man muss von fossilen Energieträgern so gut wie möglich wegkommen und gleichzeitig möglichst viel CO2 binden.

Unerreichbare Klimaziele

Wichtig ist auch, dass die reichen Staaten der Erde in ärmere Länder investieren und den Klimaschutz dort voranbringen. Das ist nicht nur im Interesse der G7. Finge etwa Afrika an, in großem Stil fossile Energien zu erschließen, wären die globalen Klimaziele wohl unerreichbar. Dass die G7 einen Teil ihres Wohlstands für das kollektive Gut investieren will, gibt ihr Glaubwürdigkeit: Sie meint es ernst, und das schafft – hoffentlich – in der weniger wohlhabenden Welt auch Bereitschaft, beim Klimaschutz mitzuziehen.

Wenn die G7-Vertreter nun sagen, 2021 sei ein Wendepunkt für die Klimapolitik, kommt das reichlich spät. Es drängt sich das Bild eines Kranken auf, der trotz schlimmer werdender Symptome nicht zum Arzt geht, weil er die Diagnose mehr fürchtet als die wachsenden Beschwerden. Man hätte sich viel früher auf gemeinsame Anstrengungen im Kampf gegen den Klimawandel einigen müssen.

Kosten und Schäden für unbeteiligte Dritte

Wissenschafter beobachten bereits seit Jahrzehnten, dass die CO2-Konzentration in der Atmosphäre laufend zunimmt. Der Treibhauseffekt wurde 1824 zum ersten Mal beschrieben, vor fast 200 Jahren. Und in der Volkswirtschaftslehre weiß man bereits seit rund 100 Jahren, dass externe Effekte am besten mit staatlicher Intervention beseitigt werden. Der Klimawandel ist eine Externalität wie aus dem Ökonomielehrbuch: Das Wirtschaften Einzelner verursacht Kosten und Schäden für unbeteiligte Dritte beziehungsweise für die Allgemeinheit.

Was die G7 nun vorschlägt, sind zum Teil Lehrbuchlösungen für Marktversagen wie externe Effekte. In einer gemeinsamen Erklärung spricht sie sich etwa für einen integrierten CO2-Handel und eine gemeinsame CO2-Bepreisung aus. Emissionen sollen teurer werden. Konzerne sollen verpflichtet werden, auch über die Umwelteffekte ihrer Tätigkeit zu berichten. Die Energieversorgung in den G7-Staaten soll in den 2030er-Jahren größtenteils aus klimafreundlichen Quellen stammen. Außerdem soll viel Geld in klimafreundliche Innovation fließen.

Der Ansatz ist richtig: Man muss Märkte nicht gleich abschaffen, wie es von klimaaktivistischer Seite manchmal gefordert wird, man muss Märkte bloß in richtige, klimaneutrale Bahnen bringen. Jetzt kommt es darauf an, ob den Worten der G7 auch Taten folgen und ob der Rest der Welt mitzieht. Die Argumente für globale Anstrengungen liegen auf dem Tisch. Schon sehr, sehr lange. (Aloysius Widmann, 13.6.2021)