Winner.

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St. Petersburg – Nicht jede Statistik hat einen Sinn. Zum Beispiel hätte man es durchaus als völlig irrelevant abtun können, dass Polen seit 2002 nur eines seiner sechs Auftaktspiele bei Großereignissen gewonnen hatte. Warum soll es einen Robert Lewandowski scheren, wie Jerzy Dudek und Co. 2002 gegen Südkorea verloren? Nun ja, Relevanz hin oder her: Polen hat sein Auftaktspiel wieder nicht gewonnen, gegen die Slowakei setzte es eine 1:2-Niederlage.

Der Sieger von Österreichs Qualifikations-Gruppe ging als Favorit in die Partie, duschte aber schon in der 18. Minute eiskalt: Der slowakische Linksaußen Róbert Mak tanzte zwei Mann aus, wieselte per Gurkerl in den Strafraum und schoss wuchtig aufs kurze Eck. Von der Stange sprang der Ball an den Rücken von Polen-Torwart Wojciech Szczęsny, von dort ins Tor.

Polens Elf war durchaus bemüht, plagte sich aber gegen bestens eingestellte Slowaken. Ohne Großchance ging es zum Pausentee. Der dürfte aber geschmeckt haben. Mit dem ersten Angriff nach Wiederanpfiff glich Karol Linetty aus, der schlecht getroffene Flachschuss des Torino-Mittelfeldmanns holperte mit Müh und Not ins lange Eck. Goalie Martin Dúbravka fehlten ein bis zwei Handschuhgrößen für eine Rettungstat.

Polen war nicht dominant, aber im Aufwind. Minute 63: Grzegorz Krychowiak kommt gegen Jakub Hromada zu spät, steigt ihm auf den Fuß und sieht dafür Gelb-Rot. Die erste – zugegeben harte – Gelbe Karte kassierte der 31-Jährige in Halbzeit eins für ein vermeidbares taktisches Foul, auch die Nummer zwei muss man als "unnötig" kategorisieren.

Blutleere Polen

In Überzahl brauchten die Slowaken nur sechs Minuten für die Führung. Ein Eckball wurde zu Innenverteidiger Milan Škriniar verlängert, der stoppte die Kugel erstklassig und traf aus 13 Metern mit einem wuchtigen Schuss. Polen musste nun liefern, konnte aber nicht. Auch Weltfußballer Lewandowski blieb weitgehend unsichtbar, seinen größten Aufreger lieferte er in der 88. Minute: Bei einem Eckball von links kam der Bayern-Superstar zum Kopfball, scherzelte den aber am langen Eck vorbei.

Die Nachspielzeit brachte dann doch noch etwas Trubel. Erst schoss Jan Bednarek knapp vorbei, dann parierte Dúbravka einen schwach platzierten Schuss von Karol Świderski. Es half alles nichts, Polen muss nun gegen Spanien oder zumindest Schweden liefern.

Polen bleibt mit Eröffnungsspielen also auf Kriegsfuß, insbesondere Goalie Szczęsny. Bei der EM 2012 sah er Rot und wurde daraufhin zum Ersatzmann degradiert, 2016 verletzte er sich und machte kein Spiel mehr, 2018 kassierte er ein Steirergoal – und nun wurde er zum ersten Torwart, der bei einer Euro ein Eigentor schoss. (Martin Schauhuber, 14.6.2021)

Fußball-EM – Gruppe E, 1. Runde:

Polen – Slowakei 1:2 (0:1).
St. Petersburg, St. Petersburg Stadion, 34.500 Zuschauer, SR Hategan/ROU

Tore: 0:1 (18.) Szczesny (Eigentor)

1:1 (46.) Linetty

1:2 (69.) Skriniar

Polen: Szczesny – Bereszynski, Glik, Bednarek, Rybus (74. Puchacz) – Linetty (74. Frankowski), Krychowiak, Klich (85. Moder) – Jozwiak, Lewandowski, Zielinski (85. Swiderski)

Slowakei: Dubravka – Pekarik (79. Koscelnik), Satka, Skriniar, Hubocan – Haraslin (87. Duris), Kucka, Hromada (79. Hrosovsky), Mak (87. Suslov) – Duda (91. Gregus), Hamsik

Gelb-Rote Karte: Krychowiak (62./Foul)

Gelbe Karten: Keine bzw. Hubocan