Eine wissenschaftliche Studie zu wiederholen, also zu replizieren, klingt wie ein langweiliges und müßiges Verfahren. Spannender ist es, 100 psychologische Studien erneut durchzuführen und festzustellen, dass man in nur 39 Fällen auf die gleichen Ergebnisse kommt. Das internationale Forschungsteam der Open Science Collaboration löste damit 2015 die hitzige Diskussion zur "Replication Crisis" in den Verhaltenswissenschaften aus.

Gründe für die fehlende Replikation sind vielfältig. Eine Ursache ist sicher, dass nicht signifikante Ergebnisse viel seltener in wissenschaftlichen Journalen publiziert werden. Somit sind veröffentlichte Studien immer die, die besonders eindeutig waren; viele andere wandern in die Schublade. Zudem sind auch Forschende nicht frei von Urteilsverzerrungen und wollen ihre Hypothesen bewiesen sehen. Dies kann dazu führen, dass Analysen oder gar ganze Studien so lange wiederholt werden, bis sich die vorhergesagten Effekte einstellen.

Mehr Transparenz und Replikationsmöglichkeiten halten Einzug in die Forschung.
Foto: Getty Images/sturti

Transparente Forschung

Seit der Veröffentlichung der Studie der Open Science Collaboration in 2015 ist viel passiert. Nicht nur die Psychologie, auch die Medizin oder die Wirtschaftswissenschaften haben ein neues Verständnis der wissenschaftlichen Praxis etabliert. Immer mehr Studien werden vor der Durchführung des eigentlichen Experiments und der statistischen Auswertung öffentlich registriert. Abweichungen von diesem Plan müssen kenntlich gemacht und begründet werden. Dies führt zu mehr Transparenz und erhöht die Replizierbarkeit.

Wir sprechen in der aktuellen Folge mit Susann Fiedler, einem Gründungsmitglied der Open Science Collaboration, über die Herausforderungen und Vorteile transparenter Forschung, "Pre-Registrations" und darüber, wie es sich anfühlt, eine Krise auszulösen. (Philipp Benedikt Becker, 17.6.2021)