Apure, 31. Mai: Verteidigungsminister Vladimir Padrino empfängt die freigelassenen Soldaten.

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Frischlackierter M706-Spähpanzer in La Guaira. Das Fahrzeug stammt aus einer US-Hilfslieferung des Jahres 1969.

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Seit die venezolanische Armee im März eine Offensive gegen kolumbianische Guerillakämpfer, die in der Grenzregion den Drogenschmuggel kontrollieren, gestartet hat, kommt die Region Apure nicht zur Ruhe. Mittlerweile dauern die Gefechte über drei Monate an, ohne dass es der Armee gelungen wäre, nennenswerte Fortschritte zu erzielen.

Anfang April besuchte eine hochrangige Militärdelegation einen Armeestützpunkt. Ein Team des venezolanischen Fernsehsenders Telesur filmte einen Offizier, der anhand einer Landkarte erklärt, wie die Kolumbianer zurückgedrängt werden sollen, als diese plötzlich das Feuer auf die Militärbasis eröffnen.

Angriff auf den Militärstützpunkt in La Victoria, Apure.

Im Mai gelang es den Aufständischen, zehn Soldaten gegangen zu nehmen. Was den Kolumbianern dafür geboten wurde, dass sie acht davon freiließen, bleibt unbekannt. Zwei Offiziere befinden sich jedenfalls weiter in der Gewalt der Guerilla. Den acht im Rahmen der "Operation Jahrundertadler" freigelassenen Soldaten wurde ein triumphaler Empfang bereitet.

"Helden des Vaterlandes"

Laut Angaben des Verteidigungsministeriums verfügt die nach einem getöteten Guerillakommandanten benannte "Martín-Villa-Front" über lediglich 200 Kämpfer. Allerdings haben diese im jahrzehntelangen kolumbianischen Bürgerkrieg Erfahrungen gesammelt und können sich dank Millioneneinnahmen aus dem Kokainhandel leicht auf dem internationalen Schwarzmarkt Waffen beschaffen.

Veraltetes Kriegsgerät

Venezuelas Militär hingegen war seit 1903 an keinen größeren Gefechten beteiligt, die Ausrüstung besteht großteils aus US-Kriegsmaterial, das nach dem Vietnamkrieg günstig beschafft wurde, und russischen Waffen aus Sowjetzeiten. Der Einsatz gegen die kampferfahrenen Kolumbianer verlief bisher weitgehend erfolglos.

Luftangriffe und Artilleriebeschuss zeigten gegen die Guerillakämpfer, die Überraschungsangriffe starten und sich dann schnell zurückziehen, kaum Wirkung, bei der Verfolgung geraten die Soldaten oft in Minenfelder.

Da es an Nachschub mangelt, wird nun altes Kriegsgerät reaktiviert und in die Konfliktzone gebracht. Selbstgebaute Minenräumfahrzeuge sollen den Truppen den Weg freimachen, auf Schützenpanzern montierte Raketenwerfer und Mörser die Feuerkraft verstärken.

Nicht durchdacht: Die Besatzung dieses Panzers muss zum Nachladen aussteigen.

Bisher wurden Armeechef Domingo Hernández Lárez zufolge 174 gepanzerte Fahrzeuge wieder einsatzfähig gemacht. Auf Twitter schreibt der oberste Kommandant, es sei egal, wie alt das Kriegsmaterial sei, und spricht von einem "gepanzerten Hurrikan für das Vaterland".

Der 2019 entlassene General Rodolfo Camacho Rincones sagte dem "Wall Street Journal", die Armee habe wohl damit gerechnet, dass sich die Kolumbianer angesichts ihrer Übermacht zurückziehen würden: "Hier zeigt sich deutlich die Unfähigkeit der Führungsebene, eine Offensive einzuleiten." (Bert Eder, 16.6.2021)