Reiseaktivitäten – mit oder ohne Delta Air Lines – könnten im Sommer zu einer Verbreitung der unangenehmen Mutante beitragen.

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Angesichts der weiter sinkenden Infektionszahlen und der steigenden Zahl der Geimpften spricht eigentlich alles für die nun verkündeten Öffnungen. Es gibt nur ein kleines Aber, von dem unklar ist, wie rasch es auch hier größer wird: die Delta-Variante B.1.617.2, die früher einmal als "indische" Variante bezeichnet wurde. Sie ist laut bisherigen Studien um rund 60 Prozent ansteckender als die hierzulande dominante Alpha-Variante und sorgt für in etwa doppelt so viele schwerere Covid-19-Erkrankungen.

Verschobene Öffnungen

In England musste deshalb der für Montag geplante "Tag der Freiheit" um vier Wochen verschoben werden: Dort steigen wegen der Delta-Variante, die bereits mehr als 95 Prozent aller Fälle ausmacht, nicht nur die Infektionszahlen seit Wochen, sondern auch die Zahl der Covid-19-Patienten, die im Krankenhaus behandelt werden müssen.

Könnte diese Mutante im Sommer auch bei uns noch zum Partycrasher werden? Im Moment sieht es noch nicht danach aus: Die am Donnerstag aktualisierte Übersicht der Ages über die Virusvarianten in Österreich wies bis inklusive der Vorwoche insgesamt nur 71 nachgewiesene Delta-Infektionen aus. Doch die neuesten Daten im aktuellen Bericht der Corona Kommission zeigen nun, dass in der Vorwoche allein 77 Verdachtsfälle identifiziert wurden, davon 49 in Wien. Das sind bereits 6,7 Prozent der Infektionsfälle.

"Rückstand" auf Großbritannien

Damit sind wir Großbritannien ziemlich genau zwei Monate hinten nach, wie Ulrich Elling vom Imba der ÖAW bestätigt, der mit seinem Team die meisten österreichischen Virusproben sequenziert. Er hofft, dass wir diesen "Rückstand" auf Großbritannien im Idealfall noch weiter vergrößern.

Mitentscheidend dafür sei ein möglichst gutes Contact-Tracing: "Wir müssen etwaige Cluster der Delta-Variante möglichst schnell im Keim ersticken." Im Falle solcher Cluster sollten dann möglichst schnell auch lokale Maßnahmen verhängt werden.

Das Risiko der Reisen

Eine weitere Gefahr sieht der Experte durch die Urlaubsreisen, da die Variante nicht nur in Großbritannien, sondern auch in etlichen anderen Ländern bereits weit verbreitet ist und so in großer Fallzahl nach Österreich eingetragen werden könnte. Elling verweist in dem Zusammenhang auf eine neue Studie im Fachblatt "Nature", die zeigt, wie sehr sich im Sommer 2020 durch die europäischen Reiseaktivitäten die "spanische" Variante ausbreitete, die nicht einmal infektiöser war. Als Gegenmaßnahme schlägt Elling daher verbindliche PCR-Tests für alle Reiseheimkehrer vor. "

Insgesamt geht es darum, Zeit zu gewinnen, damit wir keinen viralen ,Indian Summer‘ erleben", sagt Elling – also keinen durch die "indische" Variante beeinträchtigten Spätsommer.

Andreas Bergthaler zur Delta-Variante
DER STANDARD

Impfen, impfen und impfen

Zudem sollten wir den Sommer für möglichst viele Impfungen nützen, wünscht sich Elling. Denn zwei Impfungen schützen auch vor der Delta-Variante gut: Astra Zeneca zu 60 Prozent, Biontech/Pfizer zu 80 Prozent. Und beide jeweils zu über 90 Prozent vor schweren Verläufen. (Klaus Taschwer, 17.6.2021)

Anm. der Red.: Der Text wurde um 9:40 um die neuen Fallzahlen aus dem Bericht der Corona Kommission aktualisiert.