Der Weg ins Wembley-Stadion könnte schon demnächst wegen Covid-19 verbaut sein.

Foto: AP / Frank Augstein

Wegen der raschen Ausbreitung der Delta-Variante und der strengen Quarantäneregeln in England könnte der europäische Fußballverband Uefa die heiße Phase des Turniers aus London in eine andere Stadt verlegen. Das berichtet auch schon die Tageszeitung Times. Budapest stünde als Alternative bereit.

Frage: Welche Spiele sollen im Wembley-Stadion noch stattfinden?

Antwort: Neben Englands beiden restlichen Vorrundenspielen – am Freitag (nach Blattschluss) gegen Schottland und am Dienstag gegen Tschechien – sind insgesamt fünf K.-o.-Spiele in der Londoner Arena geplant. Am 26. und 29. Juni sind zwei Achtelfinalduelle angesetzt, in einem von beiden könnten die Österreicher aufschlagen. Zudem sind beide Halbfinale (6. und 7. Juli) sowie das Finale (11. Juli) an London vergeben. Betroffen von der Verlegung wären vermutlich nur die Halbfinale und das Endspiel.

Frage: Wie steht die Uefa zu den Spekulationen?

Antwort: Die europäische Fußballunion lässt sich derzeit alle Optionen offen. "Es gibt immer einen Notfallplan", wurde aus der Uefa-Zentrale in Nyon mitgeteilt. Man sei aber "zuversichtlich, dass die letzte Woche in London stattfinden wird". Derzeit laufen Gespräche mit der englischen Regierung. Die Vergangenheit zeigt, dass die Uefa im Zweifel der Sicherheit den Vorzug gibt und auch finanzielle Einbußen hinnimmt. So wurde etwa das Finale der Champions League knapp zwei Wochen vor dem anvisierten Termin von Istanbul nach Porto verlegt.

Frage: Wie viele Zuseher wären für die Spiele im Wembley zugelassen?

Antwort: Ursprünglich betrug die erlaubte Auslastung 25 Prozent, also 22.500 Zuseher im bis zu 90.000 Menschen fassenden Nationalstadion. Noch am Dienstag hatten die lokalen Behörden bekanntgegeben, dass die K.-o.-Spiele vor jeweils 40.000 Zusehern stattfinden können, die Auslastung also auf etwas unter 50 Prozent angehoben werde. Am selben Tag verschob Premier Boris Johnson aber weitere Öffnungsschritte für Großbritannien um mehr als einen Monat auf 19. Juli. Ein Anstoß für die aktuellen Zweifel am Spielort London war der Einfall der schottischen Anhänger für das Spiel gegen die Engländer am Freitag. Trotz aller Appelle, nur mit Eintrittskarte anzureisen, kamen mehr als 20.000 Fans der Schotten in die Hauptstadt. Nur 3.000 von ihnen durften ins Stadion, der Rest versammelte sich in Pubs oder im Hyde Park, obwohl dort kein Public Viewing geboten wird.

Frage: Welche Alternativen sind für London denkbar?

Antwort: Budapest stünde mit der Puskás Aréna bereit. Schon bisher gestatteten die lokalen Behörden die volle Auslastung von bis zu 68.000 Zusehern. Dazu kommt, dass die ungarische Regierung die Reisebeschränkungen für Menschen aus Schengenländern ab 24. Juni aufhebt. Dass im Budapester Stadion wie eh und je gefeiert wird – ohne Masken und dem Vernehmen nach ohne strenge Zutrittskontrollen –, sorgt selbst innerhalb Ungarns für Diskussionen. Diskussionen, die die Uefa nicht wirklich brauchen kann.

Frage: Welchen Ersatzort für London legen die aktuellen Corona-Zahlen nahe?

Antwort: Da böte sich München an, die Sieben-Tage-Inzidenz in München-Stadt liegt bei etwas mehr als zwölf. Allerdings haben sich die Bayern vor der EM auf eine Maximalauslastung von 20 Prozent oder 14.000 Zusehern in der Allianz-Arena festgelegt. Rein nach der Inzidenz wäre Baku ein noch besserer Ersatzort. Rom hat nur geringfügig höhere Werte als die Hauptstadt von Aserbaidschan.

Frage: Wie schnell muss eine Entscheidung getroffen werden?

Antwort: Das Virus hat gezeigt, dass flottes Handeln stets ein gutes Rezept (gewesen) wäre. Steigen die Infektionszahlen deutlich an, ist ein zügiges Ende dieser Entwicklung nicht zu erwarten. Das spricht gegen London, wo gegenwärtig täglich mehr als 1000 Neuinfektionen verzeichnet werden. Großbritannien verzeichnet Europas höchste Sieben-Tage-Inzidenz. Die Halbfinale steigen in weniger als drei Wochen. (Sigi Lützow, 18.6.2021)