Die Getränkequalität ist zwar mit den neuen Preisen gestiegen. Dafür sieht man jetzt ab und zu sogar ein Lächeln beim jungen Personal.

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Die Gentrifizierung unseres Grätzels in der Vorstadt schreitet munter voran. Das alte Kaffeehaus mit den lästigen Kellnerinnen ist jetzt einem gar nicht einmal so schicken Lokal wie befürchtet gewichen. In dem sind sehr schnell auch andere Leute wie der Kurti oder der Pepi gesessen. Die sind uns mit den ewiggleichen halblustigen Schwänken aus ihrem Leben sowieso schon lange auf die Nerven gegangen.

Die Getränkequalität ist zwar mit den neuen Preisen gestiegen. Dafür sieht man jetzt ab und zu sogar ein Lächeln beim jungen Personal. Das wurde in dieser Gegend bisher nicht für möglich gehalten. Der Altersdurchschnitt wurde erheblich gesenkt, ein Stückerl gutes altes Wien ist also weggestorben.

Immerhin aber läuft alles friedlich ab. Und für die Unverbesserlichen unter den Stammgästen existieren in Gehdistanz doch noch einige alte Trinkhütten. Ich sage nur, Café Dings. Das zweite Café Dings weiter stadtauswärts haben sie zwar zugesperrt. Der Wirt ist mit der jungen gachblonden Kellnerin schon vor Jahren in die Rente nach Thailand abgepascht.

Im neuen Bobolokal

Und die wie das Amen im Gebet nachfolgende dortige Kebaphütte erfreut uns alle höchstens olfaktorisch. Es ist aber nicht alles in der Gegend schlecht geworden. Lasst uns alle darauf hoffen, dass die guten alten Zeiten nie zu solchen werden.

Die Kundschaft im neuen Bobolokal betreibt im Umkreis irgendwelche Galerien, Ateliers und Bürogemeinschaften. Zumindest deren männliche, gut durchtätowierte Belegschaft sitzt auch streng durchgestylt mit Kiebererschnurrbart in kurzen Hosen und mit Lagerhauskapperln im Café herum.

Sie sind allerdings auf eine mild-desinteressierte Weise höflich, wenn Leute ins Lokal kommen, die die magische Altersgrenze von 30 überschritten haben. Mehr kann man nicht erwarten. Alles ist gut – und das ist gut so! Gerade scheint die Abendsonne zwischen den Bäumen durch. Zum Wohl! Ich möchte mich an dieser Stelle herzlich bei allen Lesern für ihre geneigte Aufmerksamkeit bedanken. Jemand anderer wird an dieser Stelle übernehmen. Alles Gute! (Christian Schachinger, 23.6.2021)