Goretzka zeigte dem ungarischen Fanblock nach seinem Siegestreffer ein Herz.
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München – Deutschland hat sich am Mittwoch in letzter Sekunde ins Achtelfinale der Fußball-EM geschossen. Der DFB-Auswahl reichte dafür ein 2:2 (0:1) gegen den klaren Außenseiter Ungarn, der zweimal in Führung lag. Kai Havertz (66.) und Leon Goretzka (84.) sicherten schließlich Platz zwei in Gruppe F, der der Elf von Joachim Löw nun einen echten Klassiker beschert: Gegner am Dienstag im Londoner Wembley Stadion ist Gastgeber England.

Adam Szalai (11.) hatte die stark kämpfenden Ungarn früh in Führung gebracht, Andras Schäfer (68.) das 1:1 der Deutschen postwendend wieder beantwortet. Am Ende reichte es in der Hammergruppe hinter Frankreich, Deutschland und Portugal aber nicht zum Weiterkommen wie 2016, sondern nur zu Platz vier.

Schock

Deutschland wählte fast die identische Aufstellung wie beim 0:1 gegen Frankreich und dem 4:2 über Portugal, nur Thomas Müller (Kapselverletzung am Knie) nahm auf der Bank Platz – für ihn kam Bayern-Kollege Leroy Sane. Joshua Kimmich prüfte bereits in der 3. Minute Ungarn-Goalie Peter Gulacsi, Antonio Rüdiger köpfelte danach daneben (7.). Wenig später der Schock: Szalai schloss einen Konter der Ungarn gegen eine entblößte Restverteidigung per Flugkopfball perfekt ab, die Maßflanke lieferte Freiburg-Legionär Roland Sallai.

Es folgte ein deutsches Powerplay gegen die dicht gestaffelten Ketten der Ungarn, der Ausgleich lag in der Luft. Serge Gnabry kam nach Tempodribbling und Stanglpass von Kai Havertz einen Hauch zu spät an den Ball (17.), Mats Hummels köpfelte nach Kimmichs Ecke an die Latte. Und in der nächsten Aktion kam Matthias Ginter im Fünfer nicht in richtig gute Schussposition, Gulacsi griff zu (21.).

Regen.
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Starkregen

Der Regen über München wurde nach einer halben Stunden noch stärker, Deutschland ließ hingegen etwas nach. Die disziplinierten und flinken Ungarn starteten drei gefährliche Konter, einmal knallte Andras Schäfer den Ball dabei aus der Ferne über das Tor (38.), Manuel Neuer musste zudem bei einem Fernschuss von Adam Szallai (20) eingreifen. Die erste Hälfte endete mit einem Havertz-Schuss neben das Tor (45.).

Zu Wiederbeginn versuchte Deutschland sofort wieder Druck aufzubauen, eine erste Welle verebbte aber ergebnislos. Lange waren echte Chancen Fehlanzeige, auf der Gegenseite musste Neuer bei einem Laszlo-Kleinheisler-Freistoß wegfausten (59.). Mit einem Patzer von Gulacsi schien die Partie nach fast 66 Minuten schließlich zu kippen. Der Leipzig-Legionär flog an einer Kimmich-Flanke vorbei, Havertz köpfelte zum 1:1 ein.

Gegenreaktion

Die vermeintliche Trendwende wurde vorerst aber zum Rohrkrepierer. Denn weniger als 20 Sekunden nach dem Anstoß und einem finalen Doppelpass zwischen Adam Szalai und Schäfer stand es nach dessen Kopfball aus rund zwölf Metern wieder 2:1 für die Gäste. Zu diesem Zeitpunkt war Deutschland durch das 2:2 im Parallelspiel zwischen Frankreich und Portugal ausgeschieden.

Die Hausherren intensivierten ihre Bemühungen, Ungarn hatte mit dem hohen Aufwand sichtlich zu kämpfen. Ein Kopfball von "Joker" Müller über das Tor (78.) sowie ein Schuss von Toni Kroos knapp am langen Eck vorbei (81.) blieben vorerst die einzige Ausbeute, ehe Goretzka heranrauschte: Der Bayern-Akteur legte nach Vorlage des ebenfalls eingewechselten Jamal Musiala auf Timo Werner ab, dessen Schuss geblockt wurde und schließlich vor Goretzkas Füße fiel. Er schoss sein Team an einem durchwachsenen Abend schließlich nach Wembley und die Ungarn aus dem Turnier.

Regenbogen.
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Flitzer bei der ungarischen Hymne

Vor Anpfiff hatte ein ein Flitzer für Aufsehen gesorgt. Der junge Mann, der ein Deutschlandtrikot trug, lief mit einer Regenbogenfahne aufs Spielfeld, legte sich während des Abspielens der ungarischen Nationalhymne vor den Mannschaften auf den Rasen und wurde kurz darauf von Ordnern abgeführt.

Im Vorfeld hatte die Uefa einen Antrag der Stadt München abgelehnt, die Arena im letzten Gruppenspiel der DFB-Elf in Regenbogenfarben zu erleuchten. Damit sollte gegen ein Gesetz protestiert werden, das die Informationsrechte von Jugendlichen in Hinblick auf Homosexualität und Transsexualität in Ungarn einschränkt und vor kurzem vom ungarischen Parlament gebilligt wurde. (APA, 23.6.2021)

Fußball-EM – Gruppe F:
Deutschland – Ungarn 2:2 (0:1).
München, Allianz Arena, 14.500, SR Karasew/RUS.

Tore: 0:1 (11.) Ad. Szalai, 1:1 (66.) Havertz, 1:2 (68.) Schäfer, 2:2 (84.) Goretzka

Deutschland: Neuer – Ginter (82. Volland), Hummels, Rüdiger – Kimmich, Gündogan (58. Goretzka), Kroos, Gosens (82. Musiala) – Havertz (67. Werner), Sane – Gnabry (68. Müller)

Ungarn: Gulacsi – Nego, Botka, Orban, At. Szalai, Fiola (88. Nikolics) – Kleinheisler (88. Lovrencsics), A. Nagy, Schäfer – Ad. Szalai (82. K. Varga), Sallai (75. Schön)

Gelbe Karten: Gündogan, Sane bzw. Ad. Szalai, Botka

Achtelfinal-Paarungen:

Belgien – Portugal
Italien – ÖSTERREICH
Schweiz – Frankreich
Kroatien – Spanien
Schweden – Ukraine
England – Deutschland
Niederlande – Tschechien
Wales – Dänemark