Fratelli d’Italia!

Foto: Reuters/Lingria

Wien – Spielt es am Samstag das "Wunder von Wembley", stolpert also Italien im EM-Achtelfinale ausgerechnet gegen Österreich, hätte das wohl auch Auswirkungen auf Michael Svoboda und David Schnegg. Nach aktuellem Stand sind der 22-jährige Wiener und der gleichaltrige Tiroler Österreichs ganzer Beitrag zu kommenden Serie-A-Saison.

Die Verteidiger von Aufsteiger Venezia stellen sich in eine Reihe, die große Namen zieren. Unschwer lässt sich eine Elf nominieren, die man ebenso gern gegen Italien spielen sähe wie Franco Fodas aktuelle. Da hütete dann Michael Konsel das Tor, der Ende der 1990er bei AS Roma seinen Kosenamen "Pantera" pflegte. Die Abwehr bildeten György Garics (Napoli, Bergamo, Bologna), Michael Hatz (Reggiana, Lecce) und Hans-Dieter Mirnegg (Como). Im Mittelfeld geigte Herbert Prohaska, Meister mit Roma und Cupsieger mit Inter, mit Ernst Ocwirk, dem Kapitän der Weltauswahlen 1953 und 1955, der für Sampdoria spielte und die Genuesen auch trainierte.

Österreichische Traumelf in Italien.

Die Meter machten Markus Schopp, der bei Brescia Pep Guardiola traf, und Robert Gucher, der mit Frosinone in die Serie A aufstieg und aktuell in der Serie B zeitweilig Kapitän der Giallazzurri aus Latium ist.

Als Bindeglied zum Sturm und zum aktuellen Team diente Marko Arnautović, der Coach José Mourinho in seiner Zeit bei Inter Mailand zwar oft zum Lachen, aber selten dazu brachte, ihn auch einzusetzen. Drei Partien in der Serie A reichten Arnautović immerhin zu seinem bisher einzigen Meistertitel. Ohne Titel blieben in Italien Toni Polster und Walter Schachner, allerdings kam der eine für Torino in 27 Ligaspielen auf neun Tore. Der andere netzte in 191 Ligaspielen für Cesena, Torino, Pisa und Avellino gar 48 Mal.

Prödls Eindrücke

Dass die Legionärs-All-Stars Foda eine Spur zu offensiv wären, versteht sich von selbst. Für etwas Stabilität könnte Sebastian Prödl sorgen, allerdings war der Steirer nur auf dem Papier der letzte Österreicher in Italiens höchster Spielklasse. Prödl wechselte vergangenes Jahr von Watford zu Udinese, spielte aber keine Minute. Statt Einsatzminuten hat er Eindrücke gesammelt, das Umfeld in der Serie A sei "hochprofessionell". Dass die Liga im Vergleich zu den anderen Topligen einen schlechteren Ruf habe, liegt vor allem an der Infrastruktur, da hinkt Italien laut Prödl "um zehn Jahre hinterher."

Der österreichische Fußball spielt da, "wo die Zitronen blühen", keine große Rolle. Welche Österreicher konnten sich in den vergangenen Jahren durchsetzen? "Eigentlich nur Alex Manninger und György Garics. Vielleicht noch Robert Gucher", sagt Prödl. "Marko (Anm.: Arnautović) ist nicht aufgegangen, Valentino (Anm.: Lazaro, Inter) auch nicht, und bei mir hat es auch nicht funktioniert."

Dieses Schicksal ereilte noch etliche andere. Erwin Hoffer kam etwa auf acht Ligaeinsätze für Napoli, ohne ein Tor zu erzielen. Robert Ibertsberger schlug für nur vier Einsätze bei Venezia auf, Willi Huberts stürmte in den 1960ern genau keinmal für Roma. Vergleichsweise ein Dauerbrenner war Jürgen Säumel mit 19 Ligaspielen für Torino. Und zur erstaunlichen Karriere des Torhüters Manninger gehören ein Scudetto mit Juventus Turin ohne Einsatz (2012), aber 137 Serie-A-Spiele mit Fiorentina, Torino, Siena und Juve.

Zu Unrecht vergessen sind Antonio Powolny, der Mitte der 1920er 22 Ligatore für Inter schoss, und Engelbert König jun., der in den 1940er- und 1950er-Jahren für Fiorentina, Lazio Rom, Sampdoria Genua und Genoa stürmte. Dessen Vater lehrte über zwei Jahrzehnte in Italien Fußball. Den Anspruch, Österreichs Legionärs-All-Stars zu trainieren, hätte Hermann Felsner stellen können, der den FC Bologna zwischen 1925 und 1941 viermal zur Meisterschaft führte. (Andreas Hagenauer, Sigi Lützow, 24.6.2021)