Ein Bild des britischen Kriegsschiffs im Schwarzen Meer, aufgenommen von einem russischen Militärflugzeug.

Foto: REUTERS/RUSSIAN DEFENCE MINISTRY

Moskau/Kiew – Nach dem militärischen Zwischenfall vor der Krim hat Russland Großbritannien der Lüge bezichtigt und vor Provokationen gewarnt. Großbritanniens Premierminister Boris Johnson erklärte dagegen am Donnerstag, das britische Schiff habe sich rechtmäßig in internationalen Gewässern bewegt. Russland hatte am Mittwoch erklärt, ein britisches Kriegsschiff sei in russische Gewässer eingedrungen und habe erst nach Warnschüssen beigedreht. Großbritannien hatte dies dementiert.

"Wir glauben, dass es eine absichtliche und vorsätzliche Provokation war", sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. Sollte sich dies wiederholen und die Provokationen zu weit gehen, "können keine Optionen mit Blick auf die Verteidigung russischer Grenzen ausgeschlossen werden". Eine Sprecherin des Außenministeriums warf London "klare Lügen" vor. Ihr Haus bestellte die britische Botschafterin Deborah Bronnert zu einer formellen diplomatischen Rüge ein.

Johnson: Annexion der Krim nicht anerkannt

Die Agentur Interfax hatte unter Berufung auf das Verteidigungsministerium berichtet, der britische Zerstörer HMS Defender sei bis zu drei Kilometer tief in russische Gewässer eingedrungen. Ein russisches Kriegsschiff habe Warnschüsse abgefeuert, und ein Militärjet habe Bomben zur Warnung abgeworfen. Der Vorfall habe sich an der Krim-Küste im Schwarzen Meer ereignet. Russland hat die Halbinsel Krim 2014 von der Ukraine annektiert und betrachtet Gebiete um die Küste dort als russische Gewässer. Westliche Länder sehen die Krim indes als Teil der Ukraine und lehnen Russlands Anspruch auf die sie umgebenden Hoheitsgewässer ab.

Johnson sagte, der wichtige Punkt sei, dass Großbritannien Russlands Annexion der Krim nicht anerkenne. "Das sind ukrainische Gewässer, und es war vollkommen richtig, sie zu nutzen, um sich von A nach B zu bewegen."

Das britische Verteidigungsministerium hatte erklärt, es seien keine Schüsse in Richtung des Schiffs abgegeben und auch keine Bomben auf dessen Weg abgeworfen worden. Vielmehr gehe man davon aus, dass die russische Seite eine Waffenübung abgehalten und es eine Vorwarnung gegeben habe. Das britische Schiff sei zudem im Einklang mit dem Völkerrecht unterwegs gewesen.

Reporter an Bord beschreibt dramatische Lage

Ein Reporter des britischen Senders BBC berichtete, er sei zu dem Zeitpunkt des Vorfalls an Bord der HMS Defender gewesen – und es habe eine dramatische Lage gegeben. Mehr als 20 Flugzeuge und zwei russische Schiffe seien teils nur 100 Meter entfernt von dem britischen Schiff gewesen, und es habe Vorbereitungen auf eine mögliche Konfrontation gegeben.

Militärexperten erklärten, unabhängig davon, was tatsächlich passiert sei, bedeute der Zwischenfall eine Zuspitzung des Streits zwischen dem Westen und Russland über die Seewege. (Reuters, 24.6.2021)