Marcel Sabitzer ist begehrt, der Leipzig-Legionär strebt wohl einen Tapetenwechsel an.

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Wer aus dieser Position ein Kopfballtor erzielt, weckt Begehrlichkeiten: Sasa Kalajdzic.

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Österreichs Fußballer haben die Castingshow EM mit Bravour absolviert und Begehrlichkeiten geweckt. Ab sofort dreht sich das berühmte Transferkarussell. Es ist ja nicht so, dass die deutsche Bundesliga, in der die meisten ÖFB-Kicker engagiert sind, eine Hobbymeisterschaft ist. Aber Teamchef Franco Foda hat nach dem fulminanten Scheitern im Achtelfinale an Italien (1:2) einen Wunsch geäußert, eine Empfehlung abgegeben. "Es wäre wichtig, den nächsten Schritt zu setzen, um sich weiterzuentwickeln." Soll heißen: englische Premier League oder italienische Serie A. Spaniens La Liga gilt natürlich auch, sie ist eine Topadresse. Der 29-jährige David Alaba hat schon vor der EM gehandelt und bei Real Madrid einen Fünfjahresvertrag unterzeichnet. Er war ablösefrei von Bayern München zu haben, die Königlichen schlugen zu. Foda: "Mehr ist im Fußball fast unmöglich."

Als heißeste Aktie wird Marcel Sabitzer gehandelt. Der 27-Jährige ist zwar bis 2022 an RB Leipzig gebunden, allerdings legte er bisher kein Bleibegelübde ab. Dabei dürfte es bleiben. Sabitzer hat eine Ausstiegsklausel, um kolportierte 50 Millionen Euro wäre er zu haben. Das ist in der mitunter kränkelnden Welt des Fußballs überhaupt keine abschreckende Summe. Mehrere englische Klubs und vor allem der AC Milan sollen ihre Fühler ausgestreckt haben. Vor der EM wollte Sabitzer "keine Wasserstandsmeldungen" abgeben. Seine Leistungen verursachten quasi Hochwasser.

Griss herrscht auch um Mittelstürmer Sasa Kalajdzic. Der VfB Stuttgart will ihn unbedingt behalten (Vertrag bis 2023), was aber nichts zu bedeuten hat. Wobei sparsame Schwaben zu hohen Schmerzgrenzen neigen. Der 23-Jährige wurde 2019 um 2,5 Millionen von der Admira erworben, sein Marktwert hat sich zumindest verzehnfacht.

Artistisches Argument

Er wurde in Deutschland mit 16 Treffern sechster der Schützenliste, so oft hat kein Einheimischer genetzt. Auch der zwei Meter große Kalajdzic wird mit Milan im Zusammenhang gebracht. Sein artistisches Kopftor gegen Italien war ein zusätzliches Argument.

Bei Marko Arnautović liegen die Dinge anders. Der 32-Jährige hält China nicht aus, was in erster Linie mit Corona zu tun hat. Er konnte seine Familie monatelang nicht sehen, vermisst seine beiden Töchter. Im Trainingslager in Seefeld wurde er emotional, brach auf Nachfrage in Tränen aus. Nun ist Arnautović beim FC Bologna gelandet, er nimmt finanzielle Einbußen hin. Die Freigabe von Schanghai Port ist nach übereinstimmenden Medienberichten eingelangt. Foda begrüßt die Rückkehr nach Europa. "Er ist durch seine Präsenz unverzichtbar. Auf dem Platz und abseits davon."

Florian Grillitsch (25) könnte von Hoffenheim in die Premier League übersiedeln, sein Klubkollege Christoph Baumgartner (21) hegt noch keine Abwanderungsgedanken. Offen ist die Lage bei Alessandro Schöpf (27) und Louis Schaub (26). Schöpf wird vom Absteiger Schalke nicht gebraucht, er ist auf Vereinssuche. Schaub hängt ebenfalls in der Luft. Er gehört bis 2022 dem 1. FC Köln, allerdings tendiert das gegenseitige Interesse Richtung null. Zuletzt war er an den FC Luzern verliehen. Ob die Schweizer die Kaufoption ziehen, ist offen, Schaub würde es begrüßen.

Den umgekehrten Weg, jenen der sportlichen Verschlechterung, ist Aleksandar Dragovic gegangen. Von Bayer Leverkusen nicht verlängert, hat er sich vor der EM für Roter Stern Belgrad entschieden. Die serbische Liga ist vom Niveau her unter der österreichischen einzustufen. Der 30-jährige Innenverteidiger überzeugte bei der EM vollauf und schickt sich an, Rekordinternationaler zu werden. Mit 94 Einsätzen hat er nur Toni Polster (95) und Andreas Herzog (103) vor sich.

Foda sieht diesen sportlichen Abstieg entspannt. "Dragovic ist so gut, dass es egal ist, wo und ob er spielt. Auf ihn ist immer Verlass." (Christian Hackl, 29.6.2021)