Tigrinische Flüchtlinge aus der Stadt Samre.

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New York – Die USA, Irland und Großbritannien haben eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats zu dem Konflikt in der äthiopischen Region Tigray beantragt. Das Treffen könnte am Freitag stattfinden, hieß es aus Diplomatenkreisen am Montag. Seit dem Beginn des Konfliktes im vergangenen November gab es noch keine öffentliche Sitzung des UN-Gremiums, weil mehrere Mitglieder, darunter Russland, China und mehrere afrikanische Staaten, ihn als interne Angelegenheit Äthiopiens sehen.

Am Montag erklärte die Regierung von Ministerpräsident Abiy Ahmed laut Staatsmedien eine einseitige Waffenruhe. Zuvor hatten Aufständische offenbar weitgehend kampflos die Regionalhauptstadt Mekele im Norden Äthiopiens erobert.

Guterres: Keine militärische Lösung

UN-Generalsekretär António Guterres teilte mit, er sei nach einem Gespräch mit Regierungschef Abiy "hoffnungsvoll, dass es zu einer wirksamen Einstellung der Feindseligkeiten kommt". Die jüngsten Entwicklungen seien "extrem besorgniserregend". Sie zeigten, dass es keine militärische Lösung für die Krise gebe.

Die Waffenruhe soll laut der Regierung den Bauern in der Region die Arbeit auf ihren Äckern ermöglichen sowie die Bereitstellung von Hilfsgütern garantieren. Die in Tigray aktive Volksbefreiungsfront TPLF solle so "den Weg des Friedens wieder einschlagen" können.

Äthiopische Regierungstruppen hatten im November die in Tigray regierende Volksbefreiungsfront TPLF angegriffen. Abiy, der 2019 den Friedensnobelpreis erhalten hatte, begründete den Einmarsch damit, dass Aufständische zuvor Militärbasen angegriffen hätten. Kurz darauf erklärte er die TPLF für besiegt. Doch auch Monate später gingen die Kämpfe weiter. Immer wieder gab es Berichte über Gewaltexzesse und zahlreiche zivile Opfer.

Die mehr als fünf Millionen Einwohner der Region wurden außerdem fast vollständig von der Außenwelt abgeschnitten. Hilfsorganisationen zufolge leiden infolge der Kämpfe 350.000 Menschen in Tigray unter einer Hungersnot. (APA, 29.6.2021)