Der Eingangsbereich des Mobile World Congress 2021: Ein Besucheransturm sieht anders aus.

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In der vergangenen Woche fand in Barcelona die weltweit wichtigste Messe der Mobilfunkbranche, der Mobile World Congress (MWC), statt. Wie bitte, das haben Sie nicht mitbekommen? Damit sind Sie nicht allein. Denn österreichische Vertreter sind der Messe 2021 weitgehend ferngeblieben, und auch internationale Unternehmen haben ihre Präsenz entweder deutlich reduziert oder gar komplett abgesagt: Unter anderem verzichteten Ericsson, Nokia, Google, Samsung und Sony dieses Jahr auf eine physische Teilnahme. Laut Angaben der Nachrichtenagentur Reuters verzeichnete der Mobile World Congress 2021 nur ein Drittel der üblichen Besucherzahl, rund 30.000 Menschen sollen dieses Jahr zu dem Event gekommen sein. Teils wirkten die Hallen menschenleer.

Das versetzt externe Beobachter in die obskure Situation, dass der MWC 2021 ein wenig wie Schrödingers Katze wirkt: Solange er nicht beobachtet wurde, kann er jeden erdenklichen Zustand annehmen – die Messe kann tot und lebendig zugleich sein.

Elon Musk als virtueller Stargast

Klar ist nur, dass die Nachrichtenlage rund um die Messe relativ dünn war. Als Stargast war zwar Elon Musk anwesend – allerdings auch nur virtuell, via Videokonferenz. In diesem Kontext merkte der Tesla- und Space-X-Chef an, dass sein Satelliten-Internet noch 20 bis 30 Milliarden Euro Investitionen benötige. DER STANDARD berichtete.

Elon Musk war auch auf dem Mobile World Congress – zumindest virtuell.
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Ansonsten nutzte auch Samsung eine – virtuelle! – Pressekonferenz, um eine "Unified Platform" vorzustellen, die gemeinsam mit Google entwickelt wurde und unter anderem auf der kommenden Samsung Galaxy Watch 4 laufen soll. Die Plattform soll einen fließenderen Übergang zwischen den Anwendungen der Smartwatches und den auf dem dazugehörigen Smartphone installierten Apps ermöglichen. Ebenso stellte Lenovo auf dem MWC 2021 neue Android-Tablets – allen voran das Yoga Tab 13 – vor.

Wieder andere Unternehmen nutzten den Kontext, um spezifische Pläne für lokale Märkte im Rahmen von – erraten: ebenfalls virtueller – Präsentationen zu verkünden. So stellte der chinesische Konzern Huawei etwa jene Geräte mit dem neuen Betriebssystem Harmony OS vor, die künftig in Österreich verfügbar sein sollen.

5G als treibendes Thema

Neben den Geräten ist freilich auch die dahinterliegende Mobilfunktechnolgie stets ein Dauerthema des MWC. Und somit dürfte es auch diesmal wieder um das Thema 5G gegangen sein. Das geht zumindest aus einer Mitteilung hervor, die die Veranstalter zum Beginn des Events veröffentlichten. Demnach gab es beim letzten Mobile World Congress im Februar 2019 weltweit nur drei 5G-Netzwerke (alle davon in Südkorea), während es nun weltweit 165 Netzwerke in 65 unterschiedlichen Ländern sind.

Hier kommen auch die Österreicher ins Spiel. Denn auch die heimischen Telcos ließen sich durch ihre Nichtpräsenz auf dem MWC 2020 nicht davon abbringen, die eigenen Mobilfunkpläne zu kommunizieren. Äußerst engagiert ging hier Magenta vor, das mit den "Telekom Tech Grounds" einen virtuellen Event auf die Beine stellte: In der browserbasierten Anwendung konnten sich User ähnlich wie in einem First-Person-Shooter frei bewegen und Video-Talks auf virtuellen Bühnen lauschen.

Auch auf dem MWC 2021 gilt: Maskenpflicht.
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Inhaltlich kommuniziert man bei Magenta, dass man künftig auf ein offenes Radio Access Network (Open RAN) setzen werde, das die Flexibilität erhöhen soll. Auch in Österreich ist ein Feldversuch mit dieser Technologie geplant, wie es seitens von Magenta gegenüber dem STANDARD heißt. Ähnlich verkündete Mitbewerber Drei bei einem Hintergrundgespräch mit Journalisten (in Wien, nicht in Barcelona), dass man als erster hiesiger Anbieter auf "5G Standalone" setze – also ein Konzept, bei dem auch das Kernnetz auf 5G anstatt wie sonst üblich auf 4G läuft.

Auf Gadget-Seite wiederum heißt es seitens von Magenta, dass man in Kooperation mit Samsung ein grünes Smartphone für den Massenmarkt plane. Und A1 verkündete am Freitag, dass man in Österreich derzeit 5G-Smartphones mit Null-Euro-Tarifen anbiete – namentlich das Nokia X10 (bei anschließenden monatlichen Kosten von 49,90 Euro / Monat), das Samsung Galaxy S21+ 5G und das iPhone 12 (PRODUCT)RED (jeweils 59,90 Euro / Monat) sowie das Oneplus 9 Pro 5G (79,90 Euro / Monat).

Corona-Fälle auf dem Mobile World Congress

Bleibt abschließend noch zu erwähnen, dass die Veranstalter des Mobile World Congress zwar rigorose Sicherheitsvorkehrungen gegen das Coronavirus gesetzt hatten – einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters zufolge sollen aber dennoch Fälle identifiziert worden sein. Diese seien zwar aussortiert worden, bevor sie das Gelände betreten konnten, wie es von den Veranstaltern heißt. Die Situation vor Ort macht aber dennoch deutlich, dass eine Ansteckung mit dem Virus bei Messen und Großevents auch im Sommer 2021 noch immer möglich ist. (Stefan Mey, 2.7.2021)