Der Mobilfunkstandard 5G ist seit ein paar Jahren das treibende Thema der Branche.

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Schnellere Übertragung, kürzere Latenzzeiten und die Möglichkeit, die Bandbreite via "Network Slicing" für bestimmte Anwendungsbereiche zu reservieren: Die Versprechen rund um den neuen Mobilfunkstandard 5G sind weitgehend bekannt. Was dabei jedoch ausgeklammert wird: In seiner aktuellen Form wird 5G meist noch immer mit der Vorgängergeneration 4G kombiniert – weshalb sie ihr Potenzial nicht voll entfalten kann. Dem soll mit einem Konzept namens 5G Standalone entgegengewirkt werden.

Was ist 5G Standalone?

Vereinfacht gesagt handelt es sich bei 5G Standalone um ein 5G-Netz, das ohne darunterliegendes 4G-Netz auskommt. So war es beim bisher eingesetzten 5G Non Standalone (NSA) üblich, dass das Kernnetzwerk (Core Network) auf 4G/LTE-Basis lief, das zentrale Netzelement wurde auch im Rahmen des 5G-Ausbaus nicht verändert. Standardmäßig nutzen die Endgeräte dann die bestehende 4G-Technologie, erst bei entsprechendem Bedarf wird der 5G-Motor angeworfen.

Bei 5G Standalone hingegen wird auch das Kernnetzwerk auf 5G umgerüstet. In ersten Versionen dieser Umsetzungen wurden die Netzwerke parallel betrieben, in einer fortgeschrittenen Version werden 2G, 3G, 4G und 5G in einem gemeinsamen Core-Netz kombiniert – wodurch immer das aktuell passende Netzwerk von Anfang bis Ende genutzt wird.

5G Standalone kommt 2022 nach Österreich

Der Anbieter Drei verkündete am Donnerstag im kleinen Kreis vor Journalisten, dass man nun – als Erster der drei großen heimischen Anbieter und einer der ersten in Europa – einen entsprechenden Testbetrieb mit 5G Standalone in Wien-Floridsdorf durchführe.

Der kommerzielle Start von 5G Standalone ist für Frühjahr 2022 geplant. Konkret sollen ab dem Jahr 2022 die Frequenzen im Bereich von 700 MHz und 1500 MHz exklusiv für 5G Standalone reserviert sein. Der 700-MHz-Frequenz kommt dabei eine besondere Bedeutung zu – denn je geringer die Frequenz, desto größer die Distanzen, die zurückgelegt werden können. Was in der Praxis bedeutet: Vor allem ländliche Regionen mit dünner Besiedelung könnten hier profitieren.

Was 5G Standalone in der Praxis bringen soll

Apropos Praxisnutzen: Seitens von Drei betont man auch, dass durch 5G Standalone das volle Potenzial der neuen Mobilfunkstandards erst richtig ausgenutzt werden könne. So könne 5G NSA bloß 100.000 Geräte pro Quadratkilometer versorgen, bei 5G Standalone seien es eine Million Geräte. Die Latenzzeit soll von 35 auf 20 Millisekunden sinken. Und auch der Stromverbrauch soll bei 5G Standalone um 20 Prozent geringer sein als jener des Misch-5G.

Als Einsatzbereiche für 5G nennt man dementsprechend das, was man auch schon aus herkömmlichen 5G-Lobpreisungen kennt: Campus-Networks und Industrie 4.0 im beruflichen Anwendungsbereich, doch auch etwa im Bereich der Telemedizin sowie bei Privatanwendungen wie VR/AR und hochauflösendem, nahezu latenzfreiem Game-Streaming soll 5G Standalone zur Anwendung kommen.

Komplettversorgung geplant

Im Endausbau will Drei die gesamte österreichische Bevölkerung mit 5G Standalone erreichen. Die Kosten für den Fokus auf 5G Standalone statt des Misch-5G liegen laut Drei-CTO Matthias Baldermann "im siebenstelligen Bereich".

Bis jedoch die Vollabdeckung erreicht wird, dürften noch fünf Jahre verstreichen. Immerhin: In den Ballungsräumen dürfte es schon in eineinhalb bis zwei Jahren so weit sein – wiewohl sich der Ausbau aufgrund diverser Evaluierungen, Genehmigungsverfahren und Abstimmungen mit Grundstückseigentümern teils etwas zäh gestaltet, wie Baldermann erläutert.

Ein anderer Knackpunkt ist, dass es in Europa noch kaum Endgeräte für 5G Standalone gibt. Hier wird aber damit gerechnet, dass bereits im Herbst 2021 weitere Geräte auf den Markt kommen. (Stefan Mey, 2.7.2021)