Der Spieleklassiker "Bubble Bobble" auf einem Amiga 1200. Die Videospielgeschichte hatte viele Meilensteine.

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Vor 30 Jahren war man als Videospieler, zumindest in Österreich, noch Mitglied einer Randgruppe. Das Bild vom Nerd entstand, weil alle anderen viel zu cool für die bunten Pixel waren, die langsam laufen lernten. In der Zwischenzeit hat sich das Bild gewandelt. Das Milliardenbusiness erreicht laut Statistik 5,3 Millionen Österreicher. Dabei wird nicht zwischen Echtzeitstrategieexperten und Hobbyjuwelensammlern unterschieden. Wir spielen, also sind wir. Genau das wird am heutigen Tag der Videospiele gefeiert.

Level-up

Was mit ersten Gehversuchen in den 1950er-Jahren auf diversen Universitäten begann, wo Computer noch ganze Räume füllten, spielt sich, nach einer wichtigen Pong'schen Zwischenstation 1972, derzeit auf Smartphones, PCs und Konsolen ab. Täglich werden neue Welten von pfiffigen Köpfen auf der ganzen Welt entwickelt und von Spielern erforscht und im Idealfall geliebt. Es gibt Spiele, die Realität nachbilden wollen. Fahrsimulationen etwa, angefangen von der Formel 1 bis hin zu Rallye-Meisterschaften, die man auch gern mit Lenkrad, Schaltknüppel und Pedalen spielen kann. Auch historische Erlebnisse dürfen nacherlebt werden, sei es in der Rolle eines Feldherren oder als einfacher Soldat, Attentäter oder Zivilist.

Das Thema VR wird die Gaming-Industrie auch weiterhin beschäftigen. Genau wie Cloud-Gaming und Streaming.
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Dann gibt es natürlich neu geschaffene Welten. Bunte Königreiche, in denen Schildkröten und Installateure das Sagen haben. Welten voller Zombies, optimistische und düstere Zukunftsszenarien oder einfach Abenteuer in der Rolle eines Orks, Elfen oder Tauren, die ihr tägliches Leben bestreiten müssen. Ach ja, virtuelle Welten kann man seit mehreren Jahren auch dank diverser Headsets wie Playstation VR oder Oculus noch intensiver erleben.

Wer weniger Zeit hat oder sich nicht extra eine Konsole oder einen PC für Videospiele kaufen möchte, der kann auch auf dem Smartphone mittlerweile mehr als nur Juwelen sammeln oder eine kleine Farm bewirtschaften – oder wie 1997 mit einer Pixelschlange kleine Punkte jagen. Der Vorteil: Man kann damit auch draußen spielen, wie es Mama oft verlangt hat. Pokémon Go etwa, das in den letzten Jahren zu einem der stärksten Gaming-Phänomene überhaupt gezählt hat.

Apple hat mit seiner Arcade einen eigenen Marktplatz für exklusive Spiele aus der Taufe gehoben, im Google Play Store sind schon seit Jahren Gaming-Apps die umsatzstärksten. Allein Coin Master machte im Mai 2021 127,8 Millionen Dollar Umsatz. Der Gesamtumsatz von Mobile Games wuchs 2020 auf rund 166 Milliarden Dollar. Das sind 57 Prozent des gesamten Gaming-Marktes.

Ab dem nächsten Jahr dürfen Gamer hoffentlich auch wieder auf die Gamescom in Köln fahren, die größte Spielemesse der Welt.
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Grund zum Feiern

Die hohen Umsatzzahlen zeigen es: Videospiele haben die Kinderschuhe schon längst in der virtuellen Ecke stehen lassen. Mittlerweile mischen sich deshalb auch erwachsene Themen in die Berichterstattung über das "schönste Hobby der Welt". Höchstleistungen in der Entwicklung werden oft nur mit unbezahlten Überstunden erreicht, es kommen vermehrt unfertige Spiele auf den Markt, und gelegentlich scheint der Industrie die Kreativität zu fehlen, wenn die Release-Listen vor allem mit Remakes alter Spiele gefüllt sind.

Die Gefahr, dass künftig weniger gespielt wird, besteht allerdings nicht. Die größten Firmen der Welt, darunter Google, Tencent und Amazon, setzen auf das Thema. Elon Musk ist davon überzeugt, dass selbstfahrende Autos zu mehr und stärkeren Entertainment-Systemen in Autos führen werden, und dank Streaming und Cloud-Gaming wird die Schwelle zum guten Spielerlebnis immer niedriger. Außerdem füllen E-Sportler – sofern keine Pandemie ihr Unwesen treibt – ganze Hallen und können auch in Europa schon von ihrem Beruf leben.

Also am besten Raum abdunkeln und die unangenehm hohen Temperaturen im Außenbereich vergessen. Wenn jemand unangenehme Fragen stellt: Es ist heute Tag der Videospiele. Ein schlechtes Gewissen ist nicht angebracht. (Alexander Amon, 8.7.21)