Hat unter Japans Bürokraten offenbar noch viele Fans: das Faxgerät.

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In Zeiten von verschlüsselten E-Mails, signierten PDF-Dateien, Messengern und Videochat wirken sie wie ein Relikt aus einer anderen Ära. Faxgeräte sind für viele wie ein Relikt aus einer anderen Ära. Technisch gesehen sind sie das auch, denn der erste Proof-of-Concept für ein Telefax-Gerät gelang Frederick Baldwell bereits 1851 auf Basis einer Verbesserung eines 1843 Alexander Bain entwickelten Verfahrens. Der erste kommerzielle Faxdienst wurde 1865 von Giovanni Caselli zwischen Paris und Lyon in Betrieb genommen. Zu diesem Zeitpunkt war etwa das Telefon noch gar nicht erfunden worden.

Nachdem Xerox in den 1960ern ein Verfahren für die Übermittlung von Faxnachrichten über Telefonleitungen entwickelt hatte, stiegen immer mehr Hersteller in den Markt ein, und die Technologie trat ihren Siegeszug in Unternehmen weltweit an. Erst im Internetzeitalter setzte ein Bedeutungsverlust für diese Form des Nachrichten- und Dokumentenversands ein.

Von Fax zu E-Mail

Mittlerweile wird auch in Firmen nur noch selten gefaxt. Dennoch verfügen immerhin noch rund 40 Prozent aller deutschen Unternehmen über ein angeschlossenes Faxgerät. In Japan – bekannt als Hightech-Nation, aber auch für tief wurzelten Traditionalismus – wollte die Regierung nun mit Ende Juni ihre Verwendung in vielen Bereichen abschaffen, auch um das Arbeiten im Homeoffice leichter zu ermöglichen. Das Vorhaben wurde jedoch von engagierten "Fax-Fans" zu Fall gebracht, berichtet der "Guardian".

Die Idee wäre gewesen, interne Kommunikation von Ministerien und offiziellen Stellen, die noch per Fax abgewickelt werden konnte, verpflichtend auf E-Mails umzustellen. Auf Fax sollte nur noch in Katastrophenfällen und bestimmten Kommunikationskanälen mit Firmen und Öffentlichkeit zurückgegriffen werden können. Somit hätten sich weniger Leute darum kümmern müssen, regelmäßig die Faxgeräte in den Büros auf eingegangene Nachrichten zu prüfen.

Hunderte Beamte protestierten

Doch im Beamtenstand ist die "faxophile" Macht offenbar noch stark zu spüren. Laut der Zeitung "Hokkaido Shimbun" protestierten hunderte Behördenmitarbeiter gegen das geplante Reglement. Sie argumentierten, dass ein solcher Umstieg "unmöglich" sei, sie einen Schaden für das "Kommunikationsumfeld" fürchteten und eine rein E-Mail-basierte Kommunikation sensible Daten gefährde.

Der Aufstand der "Fax-Fans" war letztlich so groß, dass die Regierung kurzfristig die neue Vorgabe zurückzog. Zwar wird nach wie vor ein Umstieg auf E-Mails empfohlen, der Versand von Faxnachrichten ist aber nicht mehr explizit untersagt.

Auch an anderer Stelle gestaltet sich der Umstieg auf papierlose Bürokratie nicht gar so einfach. Im Clinch liegt die Regierung etwa auch mit Verfechtern der traditionellen Hanko-Siegel, die immer noch für die Verifizierung zahlreicher offizieller Dokumente genutzt werden. Auch deren Abschaffung wird angestrebt, was von vielen Unternehmen auch befürwortet wird. Aus der Politik gibt es jedoch Widerstand, da Befürworter die Hankos als Teil der kulturellen Identität Japans ansehen und diese Praxis daher nicht aufgeben wollen. (gpi, 12.7.2021)