Asylsuchende Haitianer vor der US-Botschaft.

Foto: Reuters/Ricardo Arduengo

Die USA und Haiti verbindet seit jeher eine komplizierte Hassliebe. Seitdem der Karibikstaat 1804 seine Unabhängigkeit erklärte, blicken die USA mehr oder minder wohlwollend bis bevormundend auf den armen kleinen Bruder. Mehrmals schickten die Staaten US-Soldaten, um haitianische Machthaber zu vertreiben oder zu installieren. Ohne humanitäre US-Hilfe könnte Haiti heute gar nicht überleben.

Abgewetztes Mäntelchen der Demokratie

Unter Donald Trump unterstützte die US-Regierung den vergangene Woche ermordeten Präsidenten Jovenel Moïse hauptsächlich, weil dieser dem Weißen Haus im Kampf gegen das Maduro-Regime in Venezuela zur Seite stand. Auch sein Nachfolger Joe Biden gab sich mit der politischen Ankündigung der Wahlen im September zufrieden und drückte beide Augen zu, was die Vorwürfe gegen den korrupten und kriminellen Moïse betraf. Das Mäntelchen der Demokratie war abgewetzt, aber verwendbar.

Begrabene Hoffnung

Der Mord an Moïse ändert alles. Die Hoffnung auf einen demokratischen Übergang im September aus eigener Kraft ist begraben. Die USA und auch die Vereinten Nationen müssen nun im Fall Haiti jedenfalls politisch Stellung beziehen und dürfen das Land nicht alleinlassen. Für die Beruhigung der Lage ist es im ersten Schritt wichtig, den Mord in einer internationalen Untersuchung zu klären. Das wurde bereits eingeleitet.

Dass die USA nun eine haitianische Anfrage um militärische Unterstützung ablehnen, kann nur heißen, dass es wieder eine Uno-Resolution zur Entsendung internationaler Truppen geben muss. Sonst gleitet das Land ins Chaos ab. (Manuela Honsig-Erlenburg, 11.7.2021)