Victoria Kennedy soll neue US-Botschafterin in Österreich werden.

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Zugegeben, als erstes springt den meisten wohl der Name der wahrscheinlichen neuen US-Botschafterin in Österreich ins Auge: Victoria Kennedy. Die 1954 geborene Juristin nur unter diesem Blickpunkt zu sehen wäre aber, so wie fast immer in solchen Fällen, unfair. Denn in Wahrheit hat zwar sie ihren berühmten Nachnamen der Polit-Dynastie zu verdanken – viel mehr zu verdanken hat die Sippe aber wohl ihr. Denn ohne "Vicki" wäre die Marke "Kennedy" vielleicht schon in den 1990ern aus der US-Politik verschwunden.

Wir schreiben das Jahr 1994, das Jahr der großen "Republikanischen Revolution": Die US-Konservativen revanchieren sich mit massiven Zugewinnen in Senat und Repräsentantenhaus für die verlorene Präsidentenwahl zwei Jahre zuvor. Ted Kennedy, demokratischer Senator von Massachusetts und Bruder des erschossenen Präsidenten John F. Kennedy, gilt als angezählt. Über sein Alkoholproblem wird nicht mehr nur hinter vorgehaltener Hand gesprochen, auch seine zahlreichen Affären sind höchstens ein offenes Geheimnis.

Frühe Verbindungen

Bis sich seine neue Frau darum kümmert, dieses Image gründlich zu ändern. Victoria Kennedy organisiert große Spendendinner mit Vertreterinnen von Frauenorganisationen und machte klar: Seit der Hochzeit mit ihr 1992 habe sich der Lebenswandel ihres Mannes geändert. Ted Kennedy holt bei der Wahl im November 58 Prozent, seine Frau macht er zur Beraterin.

Gelernt hatte diese ihr politisches Handwerk schon in ihrer Jugend im ländlichen Louisiana. Ihre Familie, einstmals maronitische Einwanderer aus dem Libanon, hatten sich zu katholischen Unterstützern der Demokraten gewandelt – besonders der Kennedys, die Victorias Vater Edmund Reggie schon in den 1950er-Jahren unterstütze.

Der Senat ist am Wort

Seine Tochter selbst entschied sich ursprünglich für eine andere Laufbahn. Sie studierte Jus, und schaffte es innerhalb weniger Jahre zur angesehenen Expertin für Bankrecht. Ted Kennedy lernte die junge Mutter zweier Kinder erst nach der Scheidung von ihrem ersten Mann 1990 wirklich kennen. Bis zur Hochzeit dauerte es dann aber nur ein Jahr.

Die Verbindung hielt bis zu Teds Tod an den Folgen eines Hirntumors 2009. Victoria blieb dem Politikzirkus treu. Ein Versuch Barack Obamas, sie 2014 für den Vorstand der Postbehörde zu nominieren, scheiterte aber am Widerstand der Republikaner im Senat. Dieser muss nun auch ihre Nominierung für den Botschaftsposten absegnen – eine Mehrheit ist aber zu erwarten. (Manuel Escher, 14.7.2021)