Ungenaue Angaben im Lebenslauf zum Studium der Politischen Wissenschaften an der Universität Hamburg und zu Mitgliedschaften in Organisationen, dann auch noch Plagiatsvorwürfe gegen Passagen ihres aktuellen Buchs: Die deutsche Kanzlerkandidatin der Grünen, Annalena Baerbock, hatte in den vergangenen Wochen reichlich Erklärungsarbeit zu leisten.

Der Fall um Baerbocks Vita hat eine neuerliche Debatte rund um Schummeln und Abschreiben losgetreten. Und Politikerinnen und Politiker sind nicht die Einzigen, die Ungenauigkeiten in ihren Lebensläufen haben. Immerhin gilt das CV als Eintrittskarte in ein Unternehmen: Je perfekter, desto besser stehen die Chancen, die Stelle zu ergattern – so der Gedanke.

Stimmen die Angaben oder wurde geschummelt? (Sujetbild: ein Bewerbungsgespräch im Hard Rock Casino in Tampa, Florida, im Mai 2021.)
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Fast jeder zehnte Kandidat hat schon einmal falsche Informationen veröffentlicht, um höhere Chancen zu haben, von einem Unternehmen angesprochen zu werden, zeigt die Studie "Recuriting Trends" 2019 von Monster in Kooperation mit der Uni Bamberg. Je jünger die Kandidaten, umso weniger genau nehmen sie es mit der Wahrheit.

Wo geschummelt wird

Am häufigsten schummeln Jobsuchende bei der Berufserfahrung, ergab 2018 eine Umfrage des Personaldienstleisters Robert Half unter mehr als 2.400 Personalverantwortlichen in europäischen Firmen. Bei jeder zweiten Bewerbung werden hier falsche Angaben gemacht. Unwahre Fakten bei Fach- und Sprachkenntnissen und zu Führungskompetenz rangieren auf den Plätzen zwei und drei.

Werden die Lügen dann im Bewerbungsgespräch aufgedeckt, kommt man in der Regel im Auswahlprozess nicht weiter. Etwa zwei Drittel der befragten Manager der Robert-Half-Umfrage schließen Bewerber aus, wenn sie mit falschen Angaben ertappt wurden. Fliegt es erst auf, wenn man bereits im Arbeitsverhältnis ist, kann es sogar zu einer fristlosen Entlassung kommen – bei einem erfundenen Abschluss zum Beispiel. Je nach Ausmaß kann es auch zu einer Anzeige wegen Betrugs kommen.

Doch was ist mit unwahren Angaben zu Hobbys oder ehrenamtlichem Engagement? Wer beispielsweise ein Au-Pair-Jahr in Neuseeland zwei Monate früher abgebrochen hat, sollte ehrlich sein, rät Job- und Bewerbungscoach Friederike Christiansen in einem Interview auf Spiegel.de. Personaler interessierten sich vielmehr dafür, wie man mit einer schwierigen Situation umgegangen ist, was man daraus gelernt hat. Vermeintliche Schwächen können sich dabei als Stärken entpuppen.

Wie viel Schummeln ist erlaubt?

Diskutieren Sie mit: Was ist beim Beschönigen im Lebenslauf noch in Ordnung – und was ist eindeutig zu viel? Welche Stationen im CV haben Sie schon einmal aufgehübscht? Und wie wurden Ihre Angaben überprüft? (red, 15.7.2021)