Der Kindergarten: ein aufregender neuer Lebensabschnitt.

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Für die Kleinen ist der Kindergarten ein großer Schritt. Wenn man die Welt einmal aus ihrer Perspektive betrachtet, wird einem bewusst, wie groß er ist: Da sind plötzlich wildfremde Erwachsene, lauter fremde Kinder – und die Eltern wollen einen dort allen Ernstes allein lassen? Das Essen sieht auch komisch aus, und dann soll man mittags auch noch ohne Mama oder Papa auf einer Matratze einschlafen.

Für diese Herausforderung muss das angehende Kindergartenkind natürlich bestmöglich gewappnet werden. Eine Möglichkeit ist laut Pädagogen, mit ihm schon im Voraus oft über den Kindergarten zu sprechen und Schnuppertage einzulegen. Eine andere, das Kind stundenweise bei Freunden oder Großeltern zu lassen, damit es sich daran gewöhnt, bei anderen zu bleiben. Auch Kinderbücher können bei der Einstimmung helfen. Doch welche eignen sich? Wir haben vier rezensiert.

"Das kleine Wir im Kindergarten"

Foto: Carlsen Verlag

Carl kommt in den Kindergarten. Dort ist erst einmal alles neu, alles ungewohnt. Sind die anderen Kinder nett? Der Bub ist skeptisch und möchte erst einmal nicht, dass sein Papa geht. Zum Glück wendet sich alles ganz schnell zum Guten: Carl beobachtete die anderen ein Weilchen und taut auf. Was dabei hilft, dass sich alle wohlfühlen, ist das kleine Wir, ein grünes Monster mit rot-weiß gestreifter Nase und Blumen auf dem Kopf. Es steht für den Zusammenhalt, das Wir-Gefühl eben. Es ist immer dabei – beim Spielen, beim Basteln, beim Mittagsschlaf. Mit dem Wir schaffen die Kinder sogar Dinge, die sie allein nicht schaffen, beispielsweise auf Baumstämmen zu balancieren.

"Das kleine WIR" ist ein liebevoll gestaltetes Buch mit knallbunten Zeichnungen von Daniela Kunkel. Es verzichtet auf Stereotype – zum Beispiel bringt nicht die Mama, sondern der Papa Carl in den Kindergarten, es gibt auch einen Erzieher, und beim Spielen ist ein Mädchen der Ritter und ein Bub das Burgfräulein. Eine Leseempfehlung!

"Das kleine Wir im Kindergarten" von Daniela Kunkel. Carlsen-Verlag, 15,50 Euro.

"Mein Kindergarten"

Foto: Ravensburger

Hier ist es der kleine Felix, der in den Kindergarten gebracht wird und dort seinen Tag bestreitet. Mit einfachen, altersgerechten Worten wird erzählt, wie er dort seine Freunde trifft, und erklärt, was typische Aktivitäten sind. Die Kinder basteln, verarzten einen kranken Teddy, schauen sich Bilderbücher an, spielen Puzzle, malen Bilder und turnen. Sie sitzen im Kreis zusammen, lernen Lieder und üben englische Wörter. Dann gibt es Mittagessen, und anschließend wird geschlafen. Also ein Kindergartentag mit allem, was dazugehört.

Das Schöne: Es gibt Elemente, die die jungen Leserinnen und Leser aufklappen können. Durch das Kleinformat ist es sehr praktisch zum Mitnehmen. Auch dieses Buch ist sehr divers gestaltet und bedient auch nicht alte Klischees à la "Mädchen an die Puppen und Buben an die Autos". Es stammt aus der Sachbuchreihe "Wieso weshalb warum?" und ist laut Verlag vor allem für Kinder zwischen zwei und vier Jahren geeignet.

"Mein Kindergarten" von Doris Kübel. Ravensburger, 10,30 Euro.

"Mein Tag im Kindergarten"

Foto: Ullmann Verlag

Das Buch aus dem Ullmann-Verlag beantwortet konkret Fragen rund um den Kindergartenalltag: Wann beginnt der Kindergarten? Was passiert im Morgenkreis? Was gibt es zu essen? Erklärt wird alles mit einem kurzen Text und schönen Zeichnungen. Protagonistin ist die kleine Sofie und ihre Freundinnen und Freunde Cem, Emil, Felix, Aliya, Milan und Miriam. Mit ihnen erlebt die kleine Leserin oder der kleine Leser den Kindergartentag. Die Kinder feiern auch Geburtstag und verkleiden sich, sie basteln Laternen, unternehmen einen Ausflug in den Zoo und bauen Kräuter und Gemüse an. Ganz nebenbei wird auch Verständnis für das Teilen und das Zusammenspielen geschaffen.

Dieses Buch zielt ebenfalls darauf ab, sämtliche Lebensrealitäten abzubilden – in der Kindergruppe sind beispielsweise auch ein Kind mit Hörgerät und eines im Rollstuhl. Die Möglichkeit, hinter Papierklappen noch weitere Zeichnungen zu entdecken, macht das Buch für Kinder besonders spannend. Die Altersempfehlung lautet "ab drei Jahren".

"Mein Tag im Kindergarten" von Petra Kummermehr. Ullmann, 7,95 Euro.

"Das beste Kindergartenkind ... bist du!"

Foto: Coppenrath

Weniger überzeugt hat das "Das beste Kindergartenkind" aus dem Coppenrath-Verlag. Wie bei den anderen Büchern wird die kleine Hauptfigur durch den Kindergartenalltag begleitet. Sie hat sich dort schon wunderbar eingelebt, zieht sich allein die Hausschuhe an, schubst Mama zur Tür hinaus, macht begeistert mit beim Morgenkreis, malt blitzschnell ein Tier, baut die größte Burg aus Sand – ist eben "das beste Kindergartenkind". Das soll Kinder "in ihrer Selbstständigkeit bestärken", aber wir finden die Message etwas fragwürdig und nahe an Schönmalerei. Positiv zu erwähnen ist hingegen die nette Illustration von Nina Dulleck.

"Das beste Kindergartenkind ... bist du!" von Nina Dulleck. Coppenrath, 8,30 Euro.

(lib, 6.8.2021)