Wout Poels, der Führende in der Bergwertung und daher im gepunkteten Trikot unterwegs, und seine Teamkollegen hatten Besuch von der Polizei.

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Pau – Eine Polizeirazzia hat in der finalen Woche der Tour de France für mächtig Wirbel gesorgt. Die französischen Behörden durchsuchten aus bislang ungeklärten Hintergründen bereits am Mittwochabend das Hotel des bislang stärksten Tour-Teams Bahrain Victorious in Pau. Dies bestätigte das Team aus dem Golfstaat am Donnerstag. Die Durchsuchung kam laut Angaben der Polizei durch laufende Dopingverdächtigungen zustande, denen seit vergangenem Jahr nachgegangen wird.

Das Team habe sich "zu höchster Professionalität und zur Einhaltung aller Vorschriften verpflichtet" und werde immer "auf professionelle Art und Weise kooperieren", hieß es in einem Statement von Bahrain Victorious.

Die sieben verbliebenen Bahrain-Victorious-Fahrer um den Niederländer Wout Poels, den Führenden in der Bergwertung, traten am Donnerstag wie geplant zur 18. Tour-Etappe nach Luz Ardiden an. Der Mixed Zone blieben die Fahrer vor dem Start des viertletzten Teilabschnitts allerdings fern. Bei dem Rennstall ist auch der Österreicher Marco Haller engagiert. Er liegt in der Gesamtwertung mit 3:34.42 Stunden Rückstand auf Platz 130.

Die Durchsuchung sei von der Polizei der Zentralstelle für den Kampf gegen Verstöße gegen die Umwelt und die öffentliche Gesundheit (Oclaesp) durchgeführt worden, berichtete die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf eine nahestehende Quelle.

Hotelzimmer durchsucht

"Es war nichts Besonderes, wir hatten einen Besuch von der Polizei. Sie haben nach den Trainingsunterlagen der Fahrer gefragt, den Bus kontrolliert, und das war's", sagte Teamchef Milan Erzen dem Fachportal Cyclingnews. Die Fahrer seien "eine Stunde lang gestört worden. Sie haben uns nicht gesagt, was der Grund für den Besuch ist."

Bahrain Victorious bestätigte zudem, dass die Hotelzimmer der Fahrer und des Staffs durchsucht wurden. Verhaftungen habe es nicht gegeben. Das Team Movistar, das sich im selben Hotel in Pau befand, ist laut des Cyclingnews-Berichts nicht von den Behörden durchsucht worden. Laut Informationen des Fachportals waren bis zu 50 Polizeibeamte im Einsatz.

Das Team aus dem Königreich verbuchte bei der laufenden 108. Großen Schleife bereits zwei Etappenerfolge, Matej Mohoric (Slowenien) und Dylan Teuns (Belgien) triumphierten auf den Teilabschnitten sieben und acht. Poels führte vor der 18. Etappe am Donnerstag zudem die Bergwertung an, auch in der Teamwertung lag Bahrain Victorious vor der letzten Pyrenäen-Etappe an der Spitze.

Verdacht auf Verbindung zur "Operation Aderlass"

Bereits im Juni hatte Teamchef Erzen sein Team verteidigen müssen, nachdem in französischen Medien über Dopingvorwürfe berichtet worden war. Einem Bericht von "Le Parisien" zufolge hatten zwei Personen, darunter ein Teamchef, nach den jüngst starken Leistungen von Bahrain Victorious sowohl beim Giro d'Italia als auch beim Criterium du Dauphine Bedenken geäußert. "Mich interessiert nicht, was andere Teamchefs sagen. Derjenige kann alles erzählen, was er will", hatte Erzen gesagt.

Erzen war in der Vergangenheit bereits vom Weltverband UCI wegen angeblicher Verbindungen zur "Operation Aderlass" beobachtet worden. Bei dieser waren nach Aussagen des früheren Langläufers Johannes Dürr die Blutdopingpraktiken des Erfurter Sportarztes Mark S. aufgedeckt worden.

Dopingtests während Pandemie reduziert

Die Corona-Pandemie hat den Kampf gegen Doping erschwert und die Anzahl der Tests im Radsport reduziert. Die UCI hatte Anfang Juni aber versichert, dass die Tests außerhalb von Wettkämpfen "auf ein normales Niveau zurückgekehrt" seien. (sid, red, 15.7.2021)